Gerach
Übungsstunden

Prager Eltern-Kind-Programm: Spielerisch den Grundstock für Sozialverhalten legen

"Ein Kind nimmt uns mit auf die schönste Reise unseres Lebens." Dieser Spruch, den liebende Eltern gerne unterschreiben, hängt im Garderobenraum von Elke Be...
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Fünf Nackedeis beim spielerischen Üben. Henris Mama Jana (hinten) freut sich mit den Kindern.
Fünf Nackedeis beim spielerischen Üben. Henris Mama Jana (hinten) freut sich mit den Kindern.
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"Ein Kind nimmt uns mit auf die schönste Reise unseres Lebens." Dieser Spruch, den liebende Eltern gerne unterschreiben, hängt im Garderobenraum von Elke Beierlieb in Gerach, die dort seit 16 Jahren Kurse für das Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP) für Babys und ihre Eltern anbietet.
Acht junge Frauen haben sich in dem wohlig warmen Spiel- und Übungsraum eingefunden. Ganz entspannt sitzen sie hinter ihren Nackedeis und beobachten neugierig, wie sich ihre Lieblinge gegenüber anderen Kindern verhalten. Das PEKiP-Konzept ist gedacht für Gruppenarbeit von Eltern mit ihren Kindern im ersten Lebensjahr.


Zärtlichkeit und "Machtkämpfe"

Mila, Felix, Henri und Jonathan, alle so um sechs bis neun Monate alt, liegen mit der Brust auf einem rotem Luftreifen, blicken einander an, suchen nach Spielsachen, die im Reifen liegen, und greifen nach denen, die ihnen gereicht werden.
Es fällt auf, dass die Babys allesamt liebevoll miteinander umgehen, sich mustern, manchmal sogar zärtlich berühren. Aber auch "kleine Machtkämpfe" sind zu sehen, wenn einer dem anderen ein Spielzeug abnehmen möchte, wie es gerade Felix bei Mila versucht. Ihre Mütter hinter ihnen und Kursleiterin Elke Beierlieb, die mitten unter den Nackedeis sitzt, beobachten das amüsiert. Die Mütter haben in wohlig entspannter Atmosphäre Zeit, sich auszutauschen, für eineinhalb Stunden auszuspannen, da ihre Sprösslinge sich beschäftigen oder von Elke Beierlieb beschäftigt werden. Diese widmet sich den Kindern, macht mit ihnen altersgerechte Spiele und singt mit den Eltern für die Kleinen. Sie sagt, dass sie ihren ehemaligen Job nicht mit ihren eigenen Kindern vereinbaren konnte. "Da bin ich auf PEKiP gekommen und habe mit meiner jüngsten Tochter so eine Gruppe besucht." Ihr hat es so gefallen, dass sie beschloss, eine entsprechende Ausbildung zu machen.


Gruppenarbeit: Worum geht es?

Mit ihrem Kind dabei ist Bianca Krauthöfer aus Gerach. Die junge Mutter kommt mit ihrem Wonneproppen, weil sie überzeugt ist, dass man bei diesem Kurs spielerisch den Grundstock für Sozialverhalten legen kann. "Außerdem bekommt man bei der Elke Tipps, die man beim Kinderarzt nicht kriegt", sagt sie. Von dem Programm habe sie von ihrer Cousine gehört und sich mit ihrem Kind angemeldet.
Auf der weichen und warmen Matte tummeln sich Kinder, kleine Wesen, die sich anders benehmen dürfen, als das möglicherweise ihre Eltern durften. Spiel-, Bewegungs- und Sinnesanregungen für Kinder - darum gehe es vorrangig bei der Gruppenarbeit nach PEKiP, erläutert Elke Beierlieb. Gemeinsam spielen die Eltern mit ihren Kindern. Die Gruppenleiterin begleitet das Zusammensein mit Gesprächen und erkundigt sich danach, wie es den Eltern in der ersten Zeit mit dem Baby geht.
Auch Ilona Elflein aus Unterpreppach ist mit ihrem Sohn Felix in der Gruppe. Sie wurde von einer Bekannten auf Elke Beierlieb hingewiesen. "Das war echt ein guter Tipp", sagt die junge Mutter, die begeistert ist, wie Beierlieb mit den Kindern umgeht. Sie findet es gut, dass gleichaltrige Kinder zusammen sind. "Ob die sich gegenseitig verstehen?", fragt sich die Unterpreppacherin.
Voraussetzung dafür, das PEKiP-Programm anbieten zu dürfen, ist ein pädagogischer Beruf. Ein Dreivierteljahr habe es gedauert, bis Elke Beierlieb die Zusatzausbildung erlangt hatte, um danach erst einmal in einer PEKiP-Gruppe zu hospitieren. Typischerweise sind die Babys in PEKiP-Treffen völlig nackt, weshalb es im Raum sehr warm ist. Bei Elke Beierlieb gibt es eine große Auswahl an Spielmaterialien, die die Kinder neugierig machen. Sie nimmt eine Flasche in die Hand, in der Kugeln klappern. Sofort richten sich die Blicke der Kinder auf dieses Spielgerät. Händchen strecken sich danach aus. Elke Beierlieb sagt, dass die Einzigartigkeit eines jeden Babys für sie immer noch faszinierend sei. "Es ist auch spannend zu erleben, wie sich Frauen, die Mütter wurden, verändern, was ein Kind mit ihnen macht", sagt die Kursleiterin.


Neue Erkenntnisse für die Eltern

Die Übungsstunde vergeht wie im Flug. Meist sind die Kleinen danach ganz schön geschafft, weil sie im Kurs altersgemäß spielerisch gefördert und gefordert werden. Auch für die Eltern bringt der Kurs neue Erkenntnisse. Sie erkennen das Spielverhalten ihrer Kinder und deren persönliche Fähigkeiten.
"Manchmal melden sich Frauen schon an, wenn sie wissen, dass sie schwanger sind", berichtet Elke Beierlieb. Und ist mal ein Papa, eine Oma oder ein Opa dabei und es wird im Kursraum zu warm, unterhält sie der sympathische Schwiegervater von Elke Beierlieb vor dem Haus oder lädt in den "Beierlieb'schen Partyraum" ein.
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