Poxdorf

Poxdorfer beklagen "Schandfleck"

In der Aussprache wurde der schlechte Zustand des ehemaligen Raiffeisengebäudes bemängelt. Die Geruchsimmissions-Richtlinie verbietet eine Wohnbebauung auf dem Areal. Wird ein früherer Plan wieder ausgerollt?
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Das ehemalige Raiffeisengebäude bezeichnete ein Bürger als Schandfleck.  Foto: Dagmar Niemann
Das ehemalige Raiffeisengebäude bezeichnete ein Bürger als Schandfleck. Foto: Dagmar Niemann

In der Aussprache auf der Bürgerversammlung in Poxdorf wurden Fragen zur gemeindlichen Internetseite, zum Hochwasserschutz und zum schlechten Zustand der Waldstraße beantwortet. Ein Bürger und Gemeinderat äußerte seine Meinung zum Raiffeisengebäude: Es sei doch absurd, den Friedhof bei der Kirche zu sanieren und zu verschönern und genau gegenüber den "Schandfleck" stehen zu lassen. "Der gehört abgerissen!" Dieser Ausspruch fand weitgehend Zustimmung unter den 70 Bürgern, die sich im Sportheim versammelt hatten.

Gegenüber der Kirche

Das ehemalige Raiffeisengelände steht vis-à-vis der Kirche. Das Grundstück mit dem alten, in den 1950er Jahren gebauten Lagerhaus wurde 1998 von der Gemeinde gekauft, um dort ein neues Feuerwehrgerätehaus zu errichten.

In den Folgejahren wurde jedoch beschlossen, das bestehende Raiffeisengebäude in ein Bürgerhaus umzubauen. Dieser Umbau wurde im Jahr 2008 durch ein Bürgerbegehren gestoppt. Seitdem verfällt das Gebäude zusehends. Es ist ein Stein des Anstoßes geworden. Der Bürgermeister Paul Steins (CSU) sprach sogar von einem Stein, der um seinem Hals hänge und ihn belaste. Der Druck ist noch größer geworden, seitdem der im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek) von Bürgern erarbeitete Plan, das Lagerhaus abzureißen und hier Wohnhäuser zu bauen, durch "Girl" unmöglich gemacht wird. "Girl" steht für die 1993 eingeführte Geruchsimmissions-Richtlinie, deren Methoden inzwischen enorm verfeinert wurden. Diese Richtlinie soll helfen, Geruchsbelästigungen der Bevölkerung abzuschätzen und bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen.

Im Poxdorfer Fall geht diese Wolke von einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Bestandsschutz im Steinweg aus. Sie überlagert auch das gesamte Raiffeisengelände, weshalb hier keine Wohnungen gebaut werden dürfen.

Als Ausweg wurde im Gemeinderat schon mal angedacht, auf den ursprünglichen Plan zurückzugreifen und ein kombiniertes Feuerwehrhaus/Bürgerhaus zu errichten. Dafür spräche, dass das jetzige Feuerwehrhaus/Bürgerhaus in der Poxdorfer Hauptstraße einige Mängel aufweist, beispielsweise keine Duschen, keine Parkplätze, keinen behindertengerechten Zugang zum Ratssaal hat.

Jedoch bleiben noch viele Fragen offen, unter anderem auch die, wieviel der Abriss des Gebäudes kosten würde. Dazu Paul Steins: "Das Projekt wird uns wahrscheinlich noch viele Jahre beschäftigen. Und ich muss mich immer wieder fragen lassen, wie lange denn dieser Schandfleck in der Gemeinde noch da stehen bleiben soll." Schule, Kita, Feuerwehr, Wohnbebauung, Friedhofssanierung - Bürgermeister Paul Steins legte in der Bürgerversammlung dar, welche Projekte vorangehen und wo es Probleme gibt. Der Schuldenstand konnte insgesamt und mithin auch die Pro-Kopf-Verschuldung reduziert werden (auf 447 000 Euro und 290 Euro pro Kopf).

Der Bürgermeister wandte sich auch dem Thema Kindertagesstätte zu und erläuterte, wieso der Gemeinderat einen Kita-Neubau wolle. Nach dem Jahresrückblick des Feuerwehrkommandanten Wouter Holland und des Jugendbeauftragten Christian Haller stellte der Bürgermeister die Projekte Wohnbebauung "Am Mühlweiher II" und "Friedhofssanierung/Neubau einer Aussegnungshalle" vor. Er beklagte insbesondere den langsamen Fortgang der gesetzlich vorgeschriebenen Vorbereitungsarbeiten. Dazu Paul Steins etwas resigniert: "Ich habe gelernt, geduldig zu sein."



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