Lichtenfels

Porzellan aus Schney weltbekannt

Von 1782 bis 1928 produzierte und exportierte das Unternehmen hochwertige Produkte.
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Einen guten Ruf hatte die Porzellanfabrik in Schney, von der heute noch das Verwaltungsgebäude steht. Foto: Andreas Welz
Einen guten Ruf hatte die Porzellanfabrik in Schney, von der heute noch das Verwaltungsgebäude steht. Foto: Andreas Welz

Die Wirtschaft in Lichtenfels und seinen Nachbarorten boomte im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Korbwarenherstellung und der Vertrieb schafften viele Arbeitsplätze. Von internationaler Bedeutung war auch die Porzellanfabrik in Schney. In den Jahren von 1782 bis 1928 exportierte das Unternehmen hochwertige Produkte in alle Welt.

Die Rohstoffe zur Porzellanherstellung hatten die Gründer und Besitzer der Fabrik Johann Georg Christoph Andreas Martin und Johann Michael Barth in der Nähe von Schney gefunden. Der Ton für Brennkapseln wurden auf dem Lichtenfelser Herberg, zwischen Schönsreuth und der Alten Coburger Straße, abgebaut. Die "Erden", die Kaolin, Feldspat und Quarz ent-hielten, fanden sich in einem natürlichen Sandvorkommen auf dem Weidenberg.

Mit grünen Girlanden geschmückt

Im Lokalblättchen erschien am 26. Juni 1879 ein Artikel über den Besuch des Regierungspräsidenten Herr von Burchtorff in der Schneyer Porzellanfabrik. Das große Verwaltungsgebäude war mit grünen Girlanden und Fahnen geschmückt. Der hohe Gast besichtigte die Produktionsstätten und war "hocherfreut über die Leistungen der Porzellanfabrik, insbesondere der feineren Arbeiten und der chinesischen Malerei". Er sprach den Besitzern Bremer, Barth und Liebermann höchste Anerkennung aus. Noch heute wird das Schneyer Porzellan bei Sammlern sehr geschätzt und erzielt im Kunsthandel hohe Preise. So wurde zum Beispiel eine Schneyer Bildertasse mit der Ansicht "Blick auf Coburg und Veste" im Auktionshaus Wendl bei der Auktion im Juni 2005 für 1000 Euro versteigert.

77 Meister in Michelau

Die Korbindustrie am Obermain geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Bereits 1770 hatte das Flechthandwerk in Michelau und anderen Orten der Umgebung schon eine solche Bedeutung erlangt, dass sich die Korbmacher zu einer Zunft zusammenschlossen. Die erste Mitgliederliste aus dem Jahr 1795 zeigt, weshalb ein Dorf, und nicht wie üblich eine Amtsstadt, der Aufbewahrungsort der Zunftlade und die Versammlungsstätte der Zunftangehörigen war: Von 110 Meistern wohnten 77 in Michelau.

Am 1. August 1879 eröffnet der Güterbahnhof in Michelau. "Die Korbhersteller müssen nun nicht mehr nach Lichtenfels fahren, um ihre Waren in alle Welt zu schicken", hieß es im Blatt. Einige Korbmacher beklagten sich über die Bezahlung durch Naturalien wie Kaffee, Zucker, Cichorie (die Wurzelzichorie galt als Ersatzkaffee) oder Zigarren, die bei weitem weniger wert waren als die Rohmaterialien ihrer Flechtprodukte. Das Lokalblatt wies auf die Reichsgewerbeordnung hin: "Löhne müssen in bar ausgezahlt werden."

Das Jahr 1879 begann am 28. Januar mit einer: "Russischen Nacht auf dem Eise". Oberhalb des Lichtenfelser Wehres war die Eisfläche gekehrt und mit Lampions und Fackeln geschmückt. "Ein fröhlicher Zug von Damen und Herren bewegte sich pfeilschnell auf der spiegelglatten Fläche", beobachtete ein Reporter.

Doch es herrschte auch bittere Armut am Obermain. Die Zeitung berichtet fast täglich von Selbstmorden. Allein in den Monaten Januar bis Oktober 1879 wanderten insgesamt 70 000 Deutsche nach Amerika aus. In Lichtenfels mussten sie 14 Tage vorher ihre Abreise im Amtsblatt bekanntgeben, damit eventuelle Gläubiger ihre Forderungen geltend machen konnten.

Auch Wilderer trieben ihr Unwesen. Ein 19-Jähriger aus Unnersdorf wurde einen Tag vor seinem Geburtstag im Banzer Wald vom Forstaufseher gestellt. Seine Flucht nützte nichts, er wurde in seiner Wohnung dingfest gemacht. Dabei fand man neben Waffen und Munition auch jede Menge Diebesgut. Das Blatt kommentierte: "Auf den Geburtstagsbraten muss er jetzt verzichten." Wilderei war an der Tagesordnung. Die Jagd- und Fluraufseher erhielten für jeden Wildfrevler, den sie fassten, 25 Mark.

Unmut bei den freiwilligen Feuerwehrleuten rief eine Anordnung hervor, dass alle Männer im Alter von 25 bis 50 Jahren Dienst bei den Pflichtfeuerwehren zu leisten haben, ausgenommen sie waren Angestellte im öffentlichen Dienst. Die Freiwilligen argwöhnten, dass sie keinen Nachwuchs mehr bekommen.

Am 19. Juni wurde die neue eiserne Mainbrücke ohne Feierlichkeiten in Betrieb genommen. "Sie hat eine Länge von 90 Metern und nur einen Pfeiler. Die Breite beträgt 7,6 Meter. Die beiden seitlichen Gehsteige sind aus Granitpflaster, Kosten 200 000 Mark. Mit dem Abbruch der alten hölzernen Brücke wurde sofort begonnen", berichtete das Blatt.

Anfang 1890 sah sich die Regierung von Oberfranken veranlasst, jungen Lehrern das Tragen von Revolvern zu verbieten. Anlass waren häufige Unglücksfälle. Einer der jungen Lehrer hatte sich beim Rasieren versehentlich selbst erschossen. Die neue Mobilität durch die Eisenbahn forderte auch Opfer durch Zusammenstöße von Zügen. Der Kurierzug Hof-München fuhr im August 1890 in Oberkotzau auf einen Güterzug. Häufigste Ursache war falsche Weichenstellung wie bei der Entgleisung des Postzugs bei Selb.

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