Kronach
Literatur

Poetische Kostbarkeiten finden den Weg in die Öffentlichkeit

In der nachhaltigen Literaturwerkstatt "Mit Literatur über den Berg" animierte der Schriftsteller Ingo Cesaro Ende Februar erneut angehende Gesundheits- und Krankenpfleger zum kreativen Schreiben. Die...
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Sophie, Anina, Vanessa und Aliisa (von links) laminierten die in der Literaturwerkstatt entstandenen Haiku. Mit im Bild (links) der Initiator Ingo Cesaro. Foto: Heike Schülein
Sophie, Anina, Vanessa und Aliisa (von links) laminierten die in der Literaturwerkstatt entstandenen Haiku. Mit im Bild (links) der Initiator Ingo Cesaro. Foto: Heike Schülein

In der nachhaltigen Literaturwerkstatt "Mit Literatur über den Berg" animierte der Schriftsteller Ingo Cesaro Ende Februar erneut angehende Gesundheits- und Krankenpfleger zum kreativen Schreiben. Dieses Mal waren 22 Schülerinnen und ein Schüler der Kronacher Berufsfachschule für Krankenpflege aufgerufen, Gedanken zu ihrem Berufsalltag oder im privaten Bereich, Wünsche und Hoffnungen sowie Sorgen in dreizeiligen Gedichten niederzuschreiben.

Zunächst galt es, aus Wortkarten ein Haiku nach dem vorgegebenen Silbenrhythmus zusammenzustellen. Als zweiter Schritt erfolgte die Ergänzung von zwei vorgegebenen Zeilen mit fünf eigenen persönlichen Silben. Danach ging es um das Verfassen eigener Haiku, wobei es sich um Senryu - eine Art deutsche Form des traditionellen japanischen Kurzgedichts - handelt. Mit seinen insgesamt 17 Silben - 1. Zeile fünf Silben, 2. Zeile sieben Silben und dritte Zeile fünf Silben - gilt es als kürzeste Gedichtform der Welt. Es gibt keinen Endreim; auf Wortwiederholungen von Substantiven wird ebenso verzichtet wie auf Fremdworte. Gedichtet wird vorzugsweise in Umgangssprache.

Nach dieser Kopfarbeit Ende Februar ging es nun beim Verarbeitungstag mehr in Richtung Handarbeit. Die Haiku wurden mit dem Computer erfasst, als Plakatgedichte gestaltet, auf Din A4 ausgedruckt und mit dem Kopierer auf A3 vergrößert sowie auf farbiges Papier kopiert. In dieser Form werden die Gedichte in der Galerie des Landratsamts sowie als "Weg der Poesie" im Eingangsbereich der Helios-Frankenwaldklinik ausgestellt. Zudem wurden die Haiku auf A5 verkleinert und auf unterschiedlich grünem Papier ausgedruckt und anschließend für den "Poesiebaum" einlaminiert, der auch heuer wieder vor dem Kronacher Krankenhaus errichtet wird. Daran werden die einlaminierten Blätter, vorne und hinten mit einem Gedicht bedruckt, baumeln.

Das Laminieren der Kurzgedichte übernahmen am Dienstag Sophie, Anina, Vanessa und Aliisa. Alle waren eingangs reichlich überrascht, als kreatives Schreiben auf ihrem Stundenplan gestanden hatte. Zunächst hätten sie gar keine Vorstellung davon gehabt, was sie dabei erwarte, weswegen sie auch etwas skeptisch gewesen seien. "Aber wenn man erst einmal hineinkommt, geht es dann schnell immer besser", erzählt Aliisa.

"Die jungen Leute genießen es, bei dieser Spracharbeit locker und gelassen, ohne Zeit- und Notendruck ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen", zeigt sich der Kulturvermittler Ingo Cesaro sicher, der als einer der bekanntesten Haiku-Publizisten im deutschsprachigen Raum gilt. Es seien wieder viele wunderbare Gedichte dabei herausgekommen. Besonders wichtig ist dem Schriftsteller dabei, die Ergebnisse nach außen zu tragen, damit sie sich dort "bewährten". Dies gelte gerade auch im Krankenhaus. Immer wieder stelle er fest, dass Patienten wie auch Besucher durch die Poesie "heiterer, lockerer und beschwingter" würden und einfach auf andere Gedanken kämen. Der "neu erblühte" Baum möge etwas Ruhe, Kraft und Hoffnung schenken - gerade an einem solchen Ort.

Am Dienstag trugen die Schüler ihre Gedichte auch ihren Mitschülern vor. Auch Anina, Vanessa, Sophie und Aliisa gaben dabei ihre eigenen Haiku zum Besten, so auch ihre persönlichen Lieblings-Gedichte: "Die alten Menschen - jede Falte wundervoll - Das ist Geschichte" (Anina). "Das Meer ist so groß - Das All ist so endlos lang - Wir so winzig klein" (Vanessa). "Freundschaft ist kostbar - erst im Tageslicht zeigt sich - ihr wahres Gesicht" (Sophie). "Ich möchte schaffen - Der Regen tropft vom Himmel - Mein Wille ist stark" (Aliisa). hs

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