Kronach
Matinée

Poeten Fontane und Paul scharfsichtig seziert

"Die guten Bücher sind die Jahresringe im Leben eines Poeten." Mit dieser Lebensweisheit Theodor Fontanes begrüßte Krystyna Hurec-Diaczyszyn im Rahmen der inzwischen 24. Matinée im Kronacher Kunstvere...
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"Die guten Bücher sind die Jahresringe im Leben eines Poeten." Mit dieser Lebensweisheit Theodor Fontanes begrüßte Krystyna Hurec-Diaczyszyn im Rahmen der inzwischen 24. Matinée im Kronacher Kunstverein den Autor Reinhard Heinritz aus Coburg.

Mit zahlreichen Veröffentlichungen von Essays, Lyrik, Aphoristik und literaturwissen-schaftlichen Publikationen sowie der Literaturvermittlung von "Coburg liest" hat sich Heinritz einem breiten Publikum bekanntgemacht. Theodor Fontane, Jean Paul, E.T.A. Hoffmann und Heinrich Kleist sind nur einige der Autoren, deren Werke er intensiv betrachtet.

Welchen Bezug haben Jean Paul und Theodor Fontane zu Kronach? Fontane trank gerne oberfränkisches Bier aus Kulmbach und fuhr 1870 von Coburg nach Lichtenfels, während Jean Paul 1804 nach Coburg zog. Mit diesen heimatbezogenen Anmerkungen begann Heinritz seine Ausführungen über die beiden Poeten Fontane und Paul.

"Ich bin ein Ich"

Das Buch "Ich bin ein Ich" enthält zwölf Lesungen zu Jean Paul, dem scharfsichtigen Analytiker der Seele, der die dunklen Seiten der Seele, "unser innerstes Afrika", mit dem Blick eines Psychologen aufdeckt. Zwei Lesungen wurden den Zuhörern daraus vorgestellt.

Schon als Kind, das eine hoch entwickelte Selbstwahrnehmung hatte ("Kindheit mit Gespenstern"), musste der Pfarrerssohn Johann Paul Friedrich täglich einen siebenstündigen Unterricht mit dem strengen Vater als Lehrer absolvieren. Das Lernen war Auswendiglernen, ohne das Gelernte zu verstehen. Dennoch verherrlichte Jean Paul diesen "locus amoenus (lieblicher Ort)" als Erwachsener. Die Geburt seines Selbstbewusstseins, seines "Inneren Ichs", schießt dem extrem sensiblen Kind mit dem obsessiven Bedürfnis nach Sicherheit wie ein Blitz entgegen.

Die sechste Lesung zeigte deutlich auf, dass Angst auch noch beim reifen Jean Paul Thema ist: Das Menschenbild einiger Protagonisten in seinen Werken ist geprägt von Angst und Todesfurcht, ein Panoptikum der Geängstigten wie zum Beispiel in "Des Feldpredigers Schmelzers Reise nach Fläz".

In dem "lebensprallen Buch" (Autor Heinritz) "Siebenkäs" mit seiner laut Kritikern bizarren Handlung und zweifelhaften Moralität wird Jean Pauls satirische Technik immer ausgefeilter.

"Fontanes Vogelpark"

In den Werken Fontanes bekommen insgesamt 33 Vögel wie zum Beispiel Adler, Ente, Fasan, Hempfling, Kakadu (der Exot als Statussymbol) und der romantische Vogel schlechthin, die Nachtigall, wichtige Funktionen zugewiesen. Hochinteressant und aufschlussreich waren die Textstellen aus "Stine", "Frau Jenny Treibel" und "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Der nüchternen Beschreibung der Vögel werden menschliche Eigenschaften entgegengesetzt. So stellt der Sperling, der laut Brehm unter den Vögeln wie der Hund unter den Säugetieren ist, die Schwatzhaftigkeit von Menschen, die nicht still sein können, bloß. Heinritz fand in seinen Recherchen auch heraus, dass die Situationen, in denen Vögel auftreten, meistens Entscheidungssituationen sind: Sie schenken den Protagonisten ein paar Sekunden des Innehaltens und der Nachdenklichkeit.

Namen aus der Vogelwelt

Weitere Kuriositäten aus Fontanes Werk sind die Namensgebungen aus der Vogelwelt. So leiten sich vom Adler der Vorname Adolar und vom Storch Adebar ab. Aber es gibt auch Personen mit dem Namen Rabe, Ulenhorst, Vogelsang und Goldammer.

Die Erkenntnisse, die Heinritz in "Fontanes Vogelpark" festgehalten hat, riefen bei den Zuhörern Erstaunen und Bewunderung hervor und animierten dazu, die Werke Fontanes mit den neu gewonnenen Informationen unter einem anderen Licht zu betrachten.

Die nächste Matinée findet am Sonntag, 19. Mai, statt. red

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