Bamberg

Ploggingstart scheitert an Temperatur

Laufen und dabei Müll sammeln ist ein neuer Ökotrend aus Skandinavien. In Bamberg angekommen, bremsten 40 Grad auf dem Thermometer die Resonanz.
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Ein gutes Gefühl: laufen und dabei Müll sammeln Foto: Archiv/Matthias Hösch
Ein gutes Gefühl: laufen und dabei Müll sammeln Foto: Archiv/Matthias Hösch
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Der schwedische Trend Plogging zieht in immer mehr deutschen Großstädten Nachahmer an. Auch in Bamberg sollte die Umweltschutzaktion ihren Auftakt feiern. Doch bei knapp 40 Grad machten die meisten Interessierten doch lieber hitzefrei.

Der Begriff Plogging setzt sich zusammen aus dem schwedischen "plocka", was so viel wie bücken und aufheben heißt, und Jogging. Gemeint ist damit eine Mischung aus Umweltschutz und Sport: Bei Plogging-Aktionen treffen sich Menschen, um gemeinsam beim Joggen Müll einzusammeln. Klingt im ersten Moment komisch, erfreut sich aber immer größerer Beliebtheit, unter anderem auch in deutschen Großstädten.

Auch in Bamberg soll Plogging etabliert werden. Dazu hatten die Naturfreunde Bamberg mit dem Technischen Hilfswerk zum Nachmittags-Plogging aufgerufen. Doch trotz vieler Anmeldungen funkte die Hitze dazwischen und hielt die umweltbewussten Jogger vom Müllsammeln ab.

Bewusstsein schaffen

Schade, aber kein Problem, findet Andrea Dittrich von den Naturfreunden Bamberg. "Natürlich hätten wir gern schon heute losgelegt, aber dann eben beim nächsten Mal", sagt sie ungetrübten Mutes. Ihre Gelassenheit rührt vom positiven Feedback vor der Plogging-Aktion: "Das Wetter hat uns übel mitgespielt, doch das Interesse der Bamberger ist eindeutig da, und das freut uns sehr."

Dittrich zufolge bekämpft das Plogging die wachsende Müllproblematik gleich mehrfach. Zum einen reduziert das gemeinsame Müllsammeln frei herumliegende Müllmengen. Zum anderen schaffe es aber auch Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz: "Müll sieht ja nicht nur hässlich aus, er vergiftet ja zum Beispiel auch Boden und Grundwasser."

Wer die Plogger an der Arbeit sehe, würde auch animiert werden, über seinen Müllverbrauch nachzudenken und vielleicht sogar mit den joggenden Müllsammlern ins Gespräch kommen.

Schließlich kommen zum Aktionstreffpunkt doch noch zwei Interessierte: Privatdozentin Nadja und ihre Tochter Lina. "Bei der Hitze wollen wir heute nicht ploggen, aber sich über die Müllproblematik austauschen - das geht auch bei diesem Wetter", sagt Nadja. Auch Tochter Lina diskutiert eifrig mit. "Ich lese immer wieder über die Müllproblematik und gehe auch zu den Fridays-for-Future-Demos. Ich finde es aber auch sehr wichtig, selbst gegen den Müll aktiv zu werden", sagt die 13-Jährige.

Der richtige Ansatz

Über diese Motivation freut sich Naturfreundin Andrea Dittrich sehr. "Genau das wollen wir mit Plogging, aber auch mit unseren anderen Aktionen erreichen - die Menschen mobilisieren und auch zu Veränderungen anregen."

Ihr Ziel ist es, das Plogging zur regelmäßigen Aktion in Bamberg werden zu lassen. Andere fränkische Städte wie Erlangen oder Nürnberg machen es schon vor. "So viele müssten es ja gar nicht sein, aber zehn oder 15 engagierte Plogger, die sich einmal im Monat oder im Quartal regelmäßig treffen - das übermittelt eine klare Botschaft", sagt sie.

Dass Plogging trotz des Fehlstarts auch in Bamberg zum Renner wird, da ist sich Andrea Dittrich sicher. Den Vorteil von Plogging im Gegensatz zu herkömmlichen Müllsammeln sieht sie zum einen in der Gruppengröße. "Im Schutz der Gruppe traut man sich viel eher, Müll aufzusammeln und somit selbst aktiv zu werden", sagt die Naturfreundin.

Zum anderen scheint die Verbindung von Müllsammeln und Sport gut anzukommen. "Was für die Umwelt und den Körper tun - besser geht es kaum!", sagt sie und lacht.

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