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Herzogenaurach

Plötzlich geht viel mehr - digital

Vor der Corona-Krise wurde an manchen Schulen intensiv überlegt, wie man die Schüler in digitalen Zeiten erreichen kann. Mit dem Schulausfall wird nun die Theorie in die Praxis umgesetzt. Manches vielleicht über Corona hinaus.
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"Lernen wie im Schlaf" - die Tochter des Redakteurs, Nicola, kommt dieser Vorstellung sehr nahe. Gelernt wird per Handy und Fernunterricht.
"Lernen wie im Schlaf" - die Tochter des Redakteurs, Nicola, kommt dieser Vorstellung sehr nahe. Gelernt wird per Handy und Fernunterricht.
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Michael Busch Im Internet kursieren ein paar Sprüche, die bei genauem Betrachten nicht nur Humor beinhalten, sondern auch einen großen Funken Wahrheit. Da heißt es zum Beispiel: "Wenn der Zustand des Schulausfalls in der Corona- Krise noch länger anhält, haben die Eltern einen Impfstoff schneller gefunden, als die Wissenschaftler." Oder es ist zu finden, der Hinweis "Wie? Es liegt offensichtlich nicht alles an den Lehrern!"

Es ist keine einfache Zeit, gibt auch Michael Richter zu, Schulleiter des Liebfrauenhauses in Herzogenaurach. "Wir suchen nach Möglichkeiten die Schüler mit Aufgaben zu versorgen, um sie sinnvoll weiter zu schulen." Er sitze gerade an einem Elternbrief, indem er den Eltern mitteilen möchte, wie es nun weitergeht. Die erste Woche des Schulausfalls wurde vollzogen. Die erste Aufregung habe sich gelegt. Nun gehe es darum, vernünftige Methoden zu finden, um den Unterricht trotz Betretungsverbotes in den Schulen sinnvoll stattfinden zu lassen.

Rahmen schaffen

"Es gibt unterschiedliche Rahmenbedingungen in den Familien", erläutert Richter. Die einen befinden sich komplett im Homeoffice und "bewältigen" die Kinder nebenbei, andere brauchen entsprechende Ruhe, die sie nicht haben. Oder es gibt die Eltern, die außer Haus arbeiten und abends geschafft nach Hause kommen und auf den pubertierenden Nachwuchs treffen. "Ich sehe auch keinen Sinn darin, dass die Eltern gestresst werden." Sein Wunsch ist es, dass die Eltern mit den Kindern den Rahmen für das Lernen festlegen.

Wann passiert was? Wann wird kontrolliert? "Nicht die Eltern haben die Verantwortung, wenn der Wochenplan nicht geschafft wurde."

Chance in der Krise

Der Schulchef sieht aber auch eine Chance in der jetzigen Krise. "Wir schauen nach Cloud-Lösungen, nach Möglichkeiten Unterricht entsprechend zu gestalten." Das ist an sich am Liebfrauenhaus nichts Neues, denn der pädagogische Ansatz der Schule ist, dass die Schüler lernen zu lernen. Sie sollen nicht stur auswendig lernen, sondern lernen mit Problemen umzugehen, sie zu behandeln, sie anzugehen.

Dass die digitale Vermittlung eine wichtige Rolle einnehmen werde, da ist sich Richter sicher. Bereits jetzt werden die Unterrichtsmaterialien auf der eigenen Homepage bereitgestellt, um möglichst unkompliziert den Lernstoff zu den Schülern zu bringen. Und wenn es mal einen Haushalt ohne Anschluss oder Drucker gibt, fährt der Klassenlehrer auch mal vor und legt die Materialien in den Briefkasten.

Ungewohnt findet Nicola eine Lösung, die von der Fachoberschule Forchheim angeboten wird. "Wir haben im Grunde ganz normalen Unterricht", erklärt die 16-Jährige. Den allerdings Zuhause. Die Klasse findet sich über entsprechende Programme im virtuellen Klassenzimmer ein. "Wir starten um 8.15 Uhr und es geht bis 15.15 Uhr", beschreibt der Teenager. Pausen gibt es natürlich auch.

Vorteil: Das eigene Bett muss eigentlich nicht mehr verlassen werden. Lernen (fast) wie im Schlaf.

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