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Coburg

Plakataktion zu den Designtagen: Den OB beim Wort genommen

Normalerweise wären die Designtage jetzt. Auf dem ehemaligen Güterbahnhofsareal würde es wuseln, ums "Zollinger" herum wäre wieder ein prächtiger Biergarten aufgebaut, in der ehemaligen Stückguthalle ...
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Die Gestaltung orientiert sich an den Wahlplakaten des neuen Oberbürgermeisters: Das Coburger Designforum Oberfranken verspricht Ersatz für die Designtage. Foto: Simone Bastian
Die Gestaltung orientiert sich an den Wahlplakaten des neuen Oberbürgermeisters: Das Coburger Designforum Oberfranken verspricht Ersatz für die Designtage. Foto: Simone Bastian

Normalerweise wären die Designtage jetzt. Auf dem ehemaligen Güterbahnhofsareal würde es wuseln, ums "Zollinger" herum wäre wieder ein prächtiger Biergarten aufgebaut, in der ehemaligen Stückguthalle wären Designerstücke aller Art zu besichtigen. Wäre, hätte - wenn nicht Corona wäre. Deshalb bestehen die Designtage derzeit in einer kleinen Plakatkampagne: "Die Coburger Designtage finden statt! ...ok, nicht gleich, aber später! Wir sagen rechtzeitig Bescheid!", ist da zu lesen. Die gleiche Botschaft findet sich auf der Homepage coburger-designtage.de.

Auf den Plakaten findet sich außerdem der Satz: "Gemeinsam machen wir Coburg zur Stadt der Chancen!", als Zitat von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). Unterlegt ist der Spruch mit den Wahlkampffarben des Oberbürgermeisters, magenta und orange.

Doch Sauerteig wusste am Freitag noch gar nichts davon, dass er beziehungsweise seine Wahlkampagne in dieser Weise zitiert wird. Das Plakat hatte er noch gar nicht gesehen, und gefragt worden sei er auch nicht, sagt er. "Es ist gut für Coburg, wenn sich kreative Köpfe wie die Organisatoren der Designtage auch bei der Stadtgestaltung und der Entwicklung meiner Vision der ,Stadt der Chancen‘ einbringen wollen. Aber dann bitte in Absprache."

Veranstalter der Coburger Designtage ist das Coburger Designforum Oberfranken (CDO). Dessen Vorsitzender Auwi Stübbe gibt auch unumwunden zu, dass er den OB gar nicht gefragt hat, ob er ihn zitieren darf. "Seine Botschaft ist bei uns angekommen. Das wollen wir als mündige Bürger wahrnehmen." "Stadt der Chancen" ist der eine Slogan aus dem Wahlkampf, "Schwarmstadt" der andere, den Stübbe für die nun etwas anderen Designtage aufgreifen will.

Das Konzept soll in den nächsten Tagen vorgestellt werden, einen Vorgeschmack gibt es schon im Gebäude Steinweg 57. Das steht leer, ist dringend sanierungsbedürftig, hat aber noch einigermaßen nutzbare Geschäftsräume im Erdgeschoss. Dort haben die Macher vom CDO die Ausstellung "Wege zum Design" aufgebaut. "Die hatten wir für die Designtage ohnehin vorbereitet. Sie sollte nicht im Lager liegenbleiben", sagt Stübbe.

Mit der Wohnbau Stadt Coburg (WSCO) sei vereinbart, dass das CDO weitere leerstehende Objekte in der Stadt nutzen könne für weitere Ausstellungen. "Das wird ein interessanter und gut gestalteter Herbst in Coburg", verspricht Stübbe. "Wir sind auf dem Weg zur Schwarmstadt."

Diese Bezeichnung gilt für Städte, die viel Zuzug von jungen Leuten erleben, weil sie glauben, dort ihre Ideen verwirklichen zu können. Die Wohnbau will den Steinweg nach diesem Konzept entwickeln, und Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer, selbst OB-Kandidat der CSU, griff im Wahlkampf immer wieder auf die "Schwarmstadt" zurück.

"Wir brauchen Attraktivität in der Innenstadt, keine verklebten Schaufenster", sagt Stübbe. "Wir hoffen, dass wir ein bisschen Resonanz finden." Zumindest der OB scheint dafür offen zu sein. "Ich freue mich darauf, die nächsten Designtage mit zu eröffnen und sichere schon jetzt meine Unterstützung zu. Ich bin gespannt, welche Teile meiner Vision inhaltlich aufgegriffen werden." Das magenta-orange Layout seiner Wahlkampagne habe ja offenbar auch die Organisatoren der Designtage angesprochen, erklärt Sauerteig.