Lichtenfels
Heimattreffen

Piwernetz: Sudetendeutsche der "vierte Stamm Bayerns"

Zum Abschluss des 70. Heimattreffens kamen die Deutschhauser noch einmal mit ihren sudetendeutschen Landsleuten aus dem Lichtenfelser Raum zu einer Feierstunde im Stadtmuseum zusammen. Im Mittelpunkt ...
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Der Bürgermeister Andreas Hügerich (rechts) bat die Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Heidi Engelhardt, die Ortsbetreuerin Gerda Ott sowie Ursula und Lubomir Stefaniak (von links), sich in das Gästebuch der Stadt Lichtenfels einzutragen. Foto: Alfred Thieret
Der Bürgermeister Andreas Hügerich (rechts) bat die Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Heidi Engelhardt, die Ortsbetreuerin Gerda Ott sowie Ursula und Lubomir Stefaniak (von links), sich in das Gästebuch der Stadt Lichtenfels einzutragen. Foto: Alfred Thieret

Zum Abschluss des 70. Heimattreffens kamen die Deutschhauser noch einmal mit ihren sudetendeutschen Landsleuten aus dem Lichtenfelser Raum zu einer Feierstunde im Stadtmuseum zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei der Festvortrag der Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz.

Gerda Ott, die Ortsbetreuerin der Deutschhauser, hob hervor, dass die deutsche Geschichte der 1131 erstmals erwähnten Gemeinde Deutschhause (was so viel bedeutet wie "da, wo die Deutschen zu Hause sind") mit der Vertreibung nach dem Krieg endete. Die Bewohner mit ihrem ausgeprägten Gemeinschaftssinn seien in alle Himmelsrichtungen zerstreut worden. So hätten sie in der fremden Umgebung einen Ort gesucht, wo sie sich regelmäßig treffen konnten. Diese Begegnungsstätte hätten die Deutschhauser in Lichtenfels gefunden.

"Alles selbst erarbeitet"

Die Regierungspräsidentin verwies darauf, dass nach Kriegsende und Vertreibung die damalige bayerische Staatsregierung über eine Million Sudetendeutsche in Bayern aufgenommen habe, wobei deren Bevölkerungsanteil in Oberfranken 22 Prozent betrug.

Die Anfänge seien nicht leicht gewesen. Schließlich habe es damals keine Willkommenskultur wie heute gegeben. Die Betroffenen hätten sich mit ihrer Hände Arbeit, mit ihrem Fleiß, ihrem Ideenreichtum und ihrem Können alles Notwendige selbst erarbeiten müssen. Aus eigener Kraft hätten sie Arbeitsplätze und neuen Wohlstand geschaffen. Ohne diese Leistung der Heimatvertriebenen hätte Bayern sicherlich nicht die heutige Spitzenstellung.

Der "vierte Stamm Bayerns" lebe aber nicht allein aus den Erinnerungen an eine große Vergangenheit. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft mit ihrem Bundesvorsitzenden Bernd Posselt verstehe sich auch als Brückenbauer für den Weg in die Zukunft und die Versöhnung mit den Nachbarn in Tschechien. Zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik bestehe ein enges Band. So gebe es beispielsweise drei Landkreispartnerschaften und 83 Gemeindepartnerschaften mit Kommunen aus Tschechien. Ausdruck der immer enger werdenden Verbindungen sei auch die im Dezember 2014 eröffnete Repräsentanz des Freistaates Bayern in Prag.

Der Ausbau gutnachbarschaftlicher Beziehungen zwischen Tschechien und Bayern sei ihr als Regierungspräsidentin Oberfrankens auch eine persönliche Herzensangelegenheit. Schließlich habe sie selbst Wurzeln im Sudetenland. "Nach Jahrzehnten der Feindschaft und Trennung sind wir Nachbarn und Freunde im Herzen Europas", unterstrich die Regierungspräsidentin. Daran hätten auch die Sudetendeutschen einen entscheidenden Anteil.

Verständnis für Sudetendeutsche

Zum 70. Heimattreffen der Deutschhauser war auch der ehemalige Bürgermeister Lubomir Stefaniak aus Huzova (Deutschhause) mit seiner deutschstämmigen Frau Ursula angereist. Er äußerte Verständnis für die schlimme Situation der Sudetendeutschen, die ihre Häuser verlassen mussten, in denen sie und ihre Vorfahren lange Jahre gewohnt hatten.

Gerda Ott bedankte sich bei Rudolf Göbel und Frank Pluschke für ihre großen Verdienste um die Angelegenheiten der Sudetendeutschen und zeichnete sie mit einer von Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, unterschriebenen Urkunde aus. thi

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