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Bamberg

Pietät in der Krise

Michael Memmel Hätten Sie vor drei Wochen gedacht, dass Isolation und Ausgangsbeschränkungen bei uns bevorstehen? Dass sie zu allen Menschen auf Abstand gehen werden, die nicht in ihrem eigenen Hausha...
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Michael Memmel Hätten Sie vor drei Wochen gedacht, dass Isolation und Ausgangsbeschränkungen bei uns bevorstehen? Dass sie zu allen Menschen auf Abstand gehen werden, die nicht in ihrem eigenen Haushalt wohnen? Was gestern undenkbar war, an das haben wir uns heute schon gewöhnt. Aber gilt das auch umgekehrt? Was gestern Standard war, werfen wir heute über Bord? Hier soll es nun um Pietät gehen, und deshalb möge jeder selbst urteilen.

Am Freitag war im FT auf Seite 10 eine Anzeige abgedruckt, in der um den Friedhof Bamberg getrauert wird und ein Bild zu sehen ist, auf der Menschen in farbigen Arbeitshosen einen Sarg zu Grab lassen. Darüber steht zu lesen: "Wir vermissen, die sonst getragene würdevolle Kleidung. Wir fragen uns, ob die Mitarbeiter keine schwarze Hose und ein weißes Hemd haben und ob die Entscheidenden nicht in einer anderen Abteilung besser aufgehoben wären, da die Würde des Menschen nach dem Tod nicht aufhört."

Wie kam es zu dem Bild? Von der Stadt ist zu erfahren, dass am Friedhof ein Drei-Schicht-Betrieb etabliert wurde, um langfristig sicherzustellen, dass weiterhin Beisetzungen stattfinden können. Da es bei den Friedhofsmitarbeitern bislang nur zwei Schichten gab, mussten Mitarbeiter des Gartenamts rekrutiert werden. Und diese besaßen keine Dienstkleidung.

Entscheiden Sie selbst in einer Zeit, in der sich viele Maßstäbe verschieben, wie Sie diesen Fall bewerten. Sprecherin Ulrike Siebenhaar jedenfalls bedauert im Namen der Stadt die Irritation und entschuldigt sich dafür. Noch vor Abdruck der Anzeige wurde dafür Sorge getragen, dass die Kollegen des Gartenamtes in schwarzen Hosen und mit städtischem Parka die Beisetzungen vornehmen. Zumindest diese Krise scheint also bewältigt zu sein.

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