Lichtenfels

Pflege ist nicht überall gleich

Andere Länder, andere Sitten: Diese gibt es auch im Bereich der Pflege. Deswegen müssen viele ausländische Pflegekräfte eine Prüfung ablegen, um als Fachkräfte anerkannt zu werden. Dafür gibt es jetzt spezielle Kurse.
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Viele neue Eindrücke, Arbeitsprozesse und auch Fachausdrücke: Die Schüler haben bisher schon viel gelernt. In ihren Heimatländern ist die Pflege teilweise völlig anders, und die Grundpflege wird zum Beispiel meistens durch Angehörige gemacht.  Fotos: Theresa Schiffl
Viele neue Eindrücke, Arbeitsprozesse und auch Fachausdrücke: Die Schüler haben bisher schon viel gelernt. In ihren Heimatländern ist die Pflege teilweise völlig anders, und die Grundpflege wird zum Beispiel meistens durch Angehörige gemacht. Fotos: Theresa Schiffl
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Theresa schiffl Nicht nur die Sprache ist für viele ausländische Arbeitnehmer ein Problem: Oft werden auch ihre Qualifikationen über Ausbildungen oder Studienabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt. Für Pflegekräfte mit abgeschlossener Krankenpflegeausbildung in ihren Heimatländern gibt es seit Januar 2018 die Möglichkeit, einen entsprechenden Lehrgang zur Anerkennung zu besuchen.

Viele Unterschiede in der Pflege

"Also in unseren Heimatländern haben wir viel gemacht, was in Deutschland nur Ärzte machen dürfen", erzählt eine der ausländischen Pflegekräfte. "Ja, das stimmt", bestätigt eine Kollegin.

Die Grundpflege zum Beispiel ist für die meisten völliges Neuland. "Bei uns übernehmen die angehörigen das Waschen und die Pflege", erzählt eine Pflegekraft. Der Bereich Recht und Verwaltung ist ebenfalls vielen der Pflegekräfte fremd: "Das deutsche System funktioniert völlig anders", meint eine Absolventin. "Das stimmt. Auch die Dokumentation ist viel aufwendiger", sagt ein anderer Schüler. In seiner vorherigen Arbeitsstelle sei viel mehr mit Tablets dokumentiert worden. "So hatten wir mehr Zeit für unsere Bewohner und Patienten."

Landrat Christian Meißner (CSU) begrüßt die Pflegekräfte und fragte: "Ist die Bürokratie in Ihren Heimatländern anders als bei uns?" Viele mussten daraufhin erst einmal lachen, waren sich aber einig, dass das in Deutschland viel komplizierter ist.

Trotzdem fühlen sich die Pflegekräfte, die aus den verschiedensten Ländern wie den Philippinen oder Bosnien kommen sehr wohl. "Der Unterricht macht Spaß und wir lernen sehr viel. Und mittlerweile sind wir eine große Familie und essen auch oft miteinander", erzählt eine Pflegekraft.

Einzigartiges Kursangebot

"Es ist der erste Anpassungslehrgang, den es so in Oberfranken gibt. Vor ungefähr drei Jahren waren wir an der Dialog-Akademie in Neuendettelsau. Dort haben wir das erste Mal das Konzept für den Lehrgang kennengelernt und sehr gut gefunden", sagt Dorothea Thieme, die Leiterin der Regiomed-Akademie und der Medical School Regiomed. Schließlich kam von der Geschäftsführung die Erlaubnis, das Konzept zu übernehmen. Seitdem gibt es den einzigartigen Lehrgang an der Berufsfachschule.

Im Januar 2018, als es losging, meldeten sich neun Pflegekräfte an, die ihre Arbeitserlaubnis als Fachkraft erlangen wollten.

Es gibt drei mögliche Weg, um als Fachkraft arbeiten zu können: Zum einen eine sofortige Anerkennung durch die Regierung, eine Prüfung oder eben den Anpassungslehrgang mit einem theoretischen und praktischen Teil. Nach den Abschlussprüfungen erhalten die Teilnehmer schließlich eine Urkunde.

Schulleiter Harald Engel hält fest: "Was für mich der größte Unterschied im Gegensatz zu unseren normalen Pflegeschülern ist, ist ihre Motivation: Sie sind von Anfang an bis zum Schluss dabei und wollen wirklich etwas lernen, da sie hier ja auch beruflich Fuß fassen wollen."

Er sagt, er fühle sich im Unterricht mit den Pflegekräften sehr wohl und sehe sie als eine sehr wichtige Bereicherung im Schulalltag.

"Wir müssen uns in den nächsten Jahren besser aufstellen und neue Ausbildungswege anbieten. Die Versorgung im Landkreis muss ausgebaut werden", sagt Thieme. Mit der generalisierten Pflegeausbildung müsse das Konzept für den Lehrgang zwar überarbeitet werden, aber soll es zu einer Zusammenführung und besseren Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen kommen.

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