Pettstadt

Pettstadter bitte einsteigen!

Skeptiker werden eines Besseren belehrt: Bamberger Stadtbusse fahren tatsächlich und endlich eine Schleife durch den Nachbarort. Für Pettstadt ist es so etwas wie ein epochales Ereignis.
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Der Stadtbus rollt vor: Zum Eingewöhnen spendiert die Gemeinde Pettstadt jedem Ortsbewohner zwei Freifahrtscheine für einmal Bamberg und zurück.  Foto: Werner Baier
Der Stadtbus rollt vor: Zum Eingewöhnen spendiert die Gemeinde Pettstadt jedem Ortsbewohner zwei Freifahrtscheine für einmal Bamberg und zurück. Foto: Werner Baier

Ältere Pettstadter, die sich noch an die Zugverbindung über Strullendorf erinnern, hatten an diese Verbesserung der Verkehrserschließung ihres Heimatortes wohl schon lange nicht mehr geglaubt. Aber nach dem Anschluss des Pettstadter Bürgernetzes an die Datenautobahn und das Bamberger Bürgernet schien der Bann zwischen der Gemeinde im Ebrachgrund und den Stadtwerken gebrochen, das Eis auf der Gemeindeverbindungsstraße geschmolzen. Für rund 50 000 Euro im Jahr erkauft sich Pettstadt den Anschluss an das Bamberger Busnetz, das bislang am Campingplatz in Bug endete. Zu- und Ausstieg in Pettstadt sind an den herkömmlichen Haltestellen in der Ortsmitte und am "Ärztehaus" möglich.

Mit Beginn des Winterfahrplanes wird Pettstadt nun zwischen 8 und 20 Uhr im Stundentakt angefahren und mit dem ZOB verbunden. Dort sowie unterwegs am Klinikum kann auf andere Linien umgestiegen werden und das kostenlos in alle Bamberger Tarifzonen, sofern das Stundenlimit nach der Entwertung des Fahrscheins nicht überschritten wird (Tickets sind in den Bussen käuflich).

Allenfalls am derzeitigen Fahrpreis von 3,70 Euro für die einfache Fahrt entzündet sich unter den Pettstadtern Kritik. Aber Bürgermeister Jochen Hack ist schon am Nachverhandeln. Ziel ist es, den Fahrpreis für das Einzelticket auf 2,60 Euro zu senken. Doch nicht erst dann rechnet sich das Umsteigen auf den Bus, insbesondere mit Blick auf die in Bamberg üblichen Parkgebühren lohnt es sich jetzt schon - vor allem auch der Umwelt zuliebe.

"Bambergcard" gilt

Zu den ersten Fahrgästen zählte das Ehepaar Anita und Alfons Hollet. Es war zuletzt am Samstagnachmittag in Bamberg, fand aber vor den Parkhäusern und -garagen nur Autoschlangen und auch an der Peripherie keinen Parkplatz. Unverrichteter Dinge fuhren die beiden wieder nach Hause, um ihre Besorgungen am Montag via Stadtbus zu erledigen. Dazu zählte unter anderem die Klärung der Frage, ob die "Bambergcard", die für 16 Euro pro Person an Touristen verkauft wird, auch die Fahrt nach Pettstadt einschließt. "Gilt", erfuhr Alfons Hollet im Bamberger Tourismusbüro, "genauso wie für Strullendorf". Gut zu hören für die Hollets, die in Pettstadt eine kleine Frühstückspension betreiben und darin Gäste aus aller Herren Länder beherbergen. Drei Tage in Bamberg für pauschal 16 Euro mit den Stadtbussen herumfahren und Preisnachlässe beim Eintritt in verschiedene Museen etc. erhalten, diesen Vorteil wollen die Vermieter gerne ihren Gästen empfehlen. Und dann kommen die auch nach dem dritten Glas Schlenkerla noch preiswert zurück ins Quartier. Diesem Aspekt übrigens gewinnen auch die Pettstadter eine erfreuliche Perspektive ab, denn eine Heimfahrt mit dem Taxi kostet halt doch über 20 Euro.

Und wer war beim Start noch mit von der Partie? Pettstadter wird es nicht erstaunen, wenn da die Rede von Monika Göller sein darf. Die Seniorin rollte mit Ziel Gartenstadt nach Bamberg, um Geschenke für ihre Enkel einzukaufen, exklusive Überraschungen für den Gabentisch. Und weil Monika Göller an Bord des Stadtbusses war, bekamen die in Bamberg zugestiegenen Fahrgäste gleich mal ein Bild von dem lustigen Völkchen, das da hinterm Bruderwald wohnt ... (drei Pünktchen für die Pettstadter Insider).

Beim Busfahrer stieg die Laune deswegen aber nicht, 35 Minuten nach dem Halt in Pettstadt und einer erbaulichen "Sightseeing-Tour" durchs Weltkulturerbe ließ er seine Gäste neben dem "Ratz" am ZOB aussteigen: Endstation der Linie 918.

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