Bamberg

"Personaler müssen digitaler werden"

Martin Wilbers hat Unternehmen in Nordbayern und potenzielle Bewerber über ihr Suchverhalten auf dem digitalen Arbeitsmarkt befragt. Die Antworten verdeutlichten ihm, dass noch große Unterschiede bestehen.
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Auf diese Weise findet man vielleicht auch neue Mitarbeiter - doch laut der Studie von Martin Wilbers suchen die meisten potenziellen Bewerber digital nach attraktiven Arbeitgebern.  Foto: Caroline Seidel/dpa
Auf diese Weise findet man vielleicht auch neue Mitarbeiter - doch laut der Studie von Martin Wilbers suchen die meisten potenziellen Bewerber digital nach attraktiven Arbeitgebern. Foto: Caroline Seidel/dpa
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Nordbayerns Personalabteilungen müssen mehr Digitales wagen - das hat eine nicht-repräsentative Umfrage unter 40 Unternehmen und 45 potenziellen Bewerbern ergeben. Die Umfrage wurde von der Bamberger Beratungsfirma für Arbeitgeberattraktivität von Martin Wilbers in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Susanne Bohn Leadership Competence durchgeführt. Befragt wurden die Unternehmen unterschiedlichster Größe und Branchenzugehörigkeit über ihr Suchverhalten im Internet bei der Besetzung von Stellen. Außerdem die potenziellen Bewerber im Alter von 20 bis 50 Jahren darüber, wie sie nach einem neuen Arbeitgeber suchen (den kompletten Studienbericht gibt es unter www.martinwilbers.de). Wilbers, 36, der früher auch Sprecher der Mediengruppe Oberfranken war, erklärt im Interview, warum es noch Optimierungspotenzial bei den Unternehmen gibt.

Nordbayerns Personalabteilungen müssen digitaler werden - warum?
Martin Wilbers: Der Grund dafür ergibt sich einfach aufgrund des Umstandes, dass der Recruiting-Markt, auf dem sich Arbeitnehmer bewegen, heutzutage vor allem im Internet stattfindet. Deshalb ist es notwendig, dass Unternehmen ihr Recruiting auch digital gestalten. Zwar sind auch die von uns befragten Unternehmen natürlich diesbezüglich schon im Internet unterwegs, aber es gibt noch Optimierungspotenzial.

Wo hapert es bei den Unternehmen?
Es ist nicht so, dass die Personalabteilungen nicht im Internet aktiv sind, sie versuchen auch digital Nachwuchs zu finden, aber viele können nicht einschätzen, ob die Aktivitäten überhaupt was bringen. Ich führe das darauf zurück, dass das digitale Know-how fehlt, um einerseits den Erfolg von digitalen Strategien zu bewerten, andererseits aber auch, um digitale Strategien erfolgreich umzusetzen.

Was heißt das?
Wenn ich als Personalabteilung etwa Facebook, Twitter, Xing und LinkedIn benutze, muss ich mir überlegen, mit welchen Inhalten ich mich als Unternehmen darstelle, wie ich meinen Auftritt attraktiv gestalte, damit sich potenzielle Mitarbeiter für mein Unternehmen interessieren.

Was wäre ein Beispiel für Verbesserungen?
Die Unternehmen müssen sich stärker mit Suchmaschinenoptimierung auseinandersetzen, das scheint mir zu fehlen. Es ist aber enorm wichtig, dass man sich dort gut platziert. Bewerber suchen zwar auch auf Jobportalen nach konkreten offenen Stellen. Sie suchen aber vor allem auch aktiv über Suchmaschinen nach Inhalten zu einem potenziellen Arbeitgeber. Deswegen ist es sehr relevant, dass man Google und Konsorten, sowie Bewertungsplattformen managed. Wichtig ist, dass Unternehmen und ihr Arbeitgeberangebot dort präsent sind, wo die Zielgruppe sich bewegt.

Wird neben Facebook, Twitter und Google die klassische Zeitung noch genutzt?
Wir haben gefragt, ob Unternehmen die Zeitung als Instrument noch einsetzen - und ja, das tun sie. Ein Umstand ist sicherlich, weil die Zeitungsanzeige eine der bekanntesten Möglichkeiten ist, um Bewerber aufmerksam zu machen. Sie sind ein gelernter Bestandteil des Marketingmixes.

Werden "One-Klick"-Bewerbungen über Smartphone genutzt, bei denen mittels eines Knopfdrucks schnell der Lebenslauf an die Unternehmen übermittelt wird?
Das wird beidseitig wenig genutzt. Die Bewerber würden das gerne nutzen, aber das Angebot von Seiten der Unternehmen ist noch zu gering. Dasselbe gilt für Chats. Je jünger die Bewerberzielgruppe, desto höher die Digitalaffinität. Die Bewerber fänden es ohnehin total klasse, wenn die Unternehmen während des Bewerbungsprozesses mehr Kontakt zum Bewerber halten. Dagegen fand nur jeder Dritte eine Karriereseite eines Unternehmens relevant, das lag daran, dass die Inhalte dort oft austauschbar sind. Die Unternehmen müssen sich deshalb stärker mit den Zielgruppen und passenden Inhalten auseinandersetzen.
Die Fragen stellte
Sebastian Martin.


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