Coburg

Perfektes Timing belohnt

Leo Heinrich gewinnt Fotowettbewerb des Heimatministeriums mit einem Bild vom Coburger Stadthaus.
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Das Coburger Stadthaus bildet das Motiv für das schönste Bayern-Foto. Fotos: Leo Heinrich
Das Coburger Stadthaus bildet das Motiv für das schönste Bayern-Foto. Fotos: Leo Heinrich
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Gut, dass Leo Heinrich ab und zu in seinen Spam-Ordner schaut. Sonst hätte er womöglich seine eigene Preisverleihung im bayerischen Heimatministerium in Nürnberg verpasst. Dort bekommt er nämlich heute den mit 500 Euro dotierten ersten Preis fürs schönste Bayern-Foto überreicht. Die Glückwunschmail war allerdings in seinem Postfach "aussortiert" worden.

"Zeigt uns, was Heimat für euch ausmacht. Wir wollen die Heimat mit euren Augen sehen. Wir wollen spüren, wofür euer Herz schlägt. Wir wollen sehen, wo ihr eure Heimat mitgestaltet." So lockte das Heimatministeriums junge Leute bis 25 Jahren. Und der Coburger Leo Heinrich hatte sich mit seinem Foto vom Stadthaus beworben.

Kannst Du Dich noch an die Aufnahmesituation erinnern?

Leo Heinrich: Das Foto entstand an einem Abend im August.Als ich auf der Terrasse saß und gesehen habe, dass schöne Wolken am Himmel sind, bin ich schnell in die Stadt gesprintet und habe das Bild aufgenommen. Fünf Minuten später war das Licht schon wieder nicht so schön. Also: perfektes Timing.

Ich hatte kein Stativ dabei, deshalb musste ich leider aus der Hand fotografieren. Settings waren (dank Bildstabilisator) 1/50s, f/4, ISO 800, aufgenommen auf meiner Nikon D750. Bearbeitet habe ich es in Lightroom, das geht bei mir mittlerweile recht zügig.

Jetzt zu Dir: Wie lange fotografierst Du schon? Was reizt Dich an der Fotografie?

Ich fotografiere "richtig" seit März 2018. Davor habe ich ein wenig mit meinem Handy experimentiert, mich dann aber März letzten Jahres dazu entschieden, meine erste Kamera zu kaufen.

Das war eine gebrauchte Nikon D3300, die ich für 200 kanadische Dollar (etwa 140 Euro) gekauft habe. Nichts besonderes, aber für den Anfang hat es gereicht. Die Kamera ist meines Erachtens nach sowieso unwichtig. Und zu der Zeit habe ich mich dann auch das erste Mal mit Lightroom auseinander gesetzt und Fotobearbeitung dort gelernt.

An der Fotografie reizt mich, dass es einem eine ganz andere Sicht auf die Welt verschafft. Man lernt, genauer hinzuschauen und sein Umfeld aktiver wahrzunehmen und wertzuschätzen. Außerdem ist es sehr entspannend und ich habe schon sehr viele neue Leute darüber kennengelernt, mit denen ich jetzt teilweise sehr gut befreundet bin.

Wo kann man Fotos von Dir sehen? Mit welcher Intension betreibst Du Deinen Account? Hast Du Dir Ziele gesetzt? Wie viele Follower hast Du mittlerweile?

Fotos von mir kann man auf Instagram unter @leos.lens sehen. Eine Website soll im Laufe der nächsten Monate folgen. Instagram war am Anfang für mich ein Ansporn, Fotografie aktiv und regelmäßig zu betreiben und meine Freunde und Familie über mein Auslandsjahr in Kanada auf dem Laufenden zu halten. Mittlerweile ist es eher zu meinem Portfolio geworden, wo ich meine Arbeit "ausstelle".

Hauptsächlich nutze ich es aber tatsächlich zum netzwerken, man kann sehr gut gleichgesinnte Menschen über die Plattform kennenlernen.

Immer, wenn ich in eine größere Stadt fahre, schreibe ich Fotografen aus dem jeweiligen Ort an oder werde von ihnen angeschrieben.Oft ergibt sich dann ein oder mehrere Fotospaziergänge und daraus resultierend auch Freundschaften.

Ein Ziel verfolge ich mit Instagram nicht, ich mache das eigentlich nur aus Spaß. Mittlerweile habe ich 2500 Follower.

Magst Du was zu deinen eigenen Filtern sagen, die Du selbst kreiert hast?

Filter ist immer so ein Wort, das impliziert, dass man auf jedes Bild den selben Filter legt und innerhalb von ein paar Sekunden fertig ist. So ist es natürlich nicht. Über die letzten eineinhalb Jahre habe ich mein eigenes Preset entwickelt, das mir bei der Bearbeitung eine solide Basis bildet.Trotzdem muss ich jedes Bild individuell abstimmen, weil die Licht und Farbverhältnisse natürlich bei jedem Bild unterschiedlich sind. Pro Bild brauche ich mit Benutzung meines Presets etwa 10 bis 20 Minuten, ohne Preset wären es eher 40 bis 60 Minuten.

Welche Chancen bieten Portale wie Instagram und Facebook jungen Leuten, die sich profilieren möchten?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Für mich bietet es die Chance, Menschen kennenzulernen, die ich sonst nie getroffen hätte.Viele bekommen auf Instagram aber auch Zugang zu bezahlten Kollaborationen mit Firmen oder nutzen die Plattform, um zum Beispiel Prints ihrer Bilder zu verkaufen.

Um damit gut Geld zu verdienen, muss man allerdings sehr viel Zeit in die Plattform stecken. Das kann ich mir aktuell dank Studium nicht leisten.

Du warst ja ein Jahr in Kanada und hast dort die Fotografie ausgebaut. Hier in Deutschland sind Städte- und Heimatmotive Dein Steckenpferd. Was reizt Dich an diesen stillen Motiven?

Gute Frage. Mich reizen eigentlich viele Arten der Fotografie, ob Landschaft, Portrait, Street oder Stadt. Ich verbringe aber eben am meisten Zeit in Städten, daher ist der Großteil meiner Bilder aus diesem Segment. Viele meiner Bilder landen jedoch gar nicht erst auf Instagram, da es sich dort auszahlt, sich auf eine bestimmte Nische (in meinem Fall Stadtfotografie) zu spezialisieren.

Was möchtest Du später einmal machen?

Aktuell ist es mein Wunsch später als Concept Artist in der Film- und Spieleindustrie zu arbeiten.

Die Fotografie möchte ich eher als Hobby beibehalten, wenn ein beruflicher Druck dahinter steckt könnte das Hobby schnell seine Magie verlieren.

Viele, besonders kleinere, Städte haben schreckliche Bilder auf ihren Websites und Flyern, die Touristen eher abschrecken als anlocken. Mit guten Bildern könnte man sicherlich mehr Touristen anwerben.

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