Bamberg

Pension steht auf dem Spiel

Wegen Anstiftung zum Verprügeln eines Sexualstraftäters ist ein JVA-Beamter zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nun drohen ihm dienstrechtliche Schritte durch den Freistaat Bayern und damit noch weitaus größeres Ungemach.
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Es ist ein Urteil, das es in sich hat. Ein JVA-Beamter, der einen Gefangenen angestiftet hat, einen anderen zu schlagen, muss eine Geldstrafe von 12 000 Euro zahlen. Viel schlimmer für ihn ist aber, dass ihm nach dem Prozess am Amtsgericht Bamberg dienstrechtliche Schritte durch den Freistaat Bayern drohen. Dabei geht es um die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis und den Verlust der Pensionsansprüche.

Unschuld beteuert

"Ich habe es nicht getan." Noch in seinem letzten Wort vor Strafrichterin Magdalena Becker beteuert Michael D. (Name geändert) seine Unschuld. Er habe nicht versucht, Gefangene in der JVA Bamberg dazu zu bringen, einen gerade eingelieferten Untersuchungshäftling körperlich zu misshandeln. Er bedauere den Übergriff. Er habe sowohl in Bamberg, als auch in Erlangen, wo Intensivtäter säßen, die Insassen stets neutral behandelt.

Seine Verteidigerin Catherina Bald aus Fürth sprach von einem Zeugenkomplott und forderte einen Freispruch. Ihr Mandant hätte keinen Grund gehabt, den mutmaßlichen Sexualstraftäter zusammenschlagen zu lassen. Einer der Zeugen hätte Mitgefangene geschickt manipuliert, bis diese gegen Michael D. aussagten, der andere sei aufgrund eines Cocktails aus Medikamenten überhaupt nicht ernst zu nehmen. "Er war ein stets korrekter Beamter, der einen solchen Satz nicht äußern würde." Und wenn doch, dann habe er ihn unbedacht und in Rage vor sich hin gefaselt, auf jeden Fall nicht ernst gemeint.

Mehrere Zeugen

Dabei hatten gleich mehrere Zeugen an den beiden vorherigen Verhandlungstagen berichtet, die Bemerkung, es schade dem Sexualstraftäter nicht, wenn er eine Abreibung oder ein blaues Auge bekäme, sei während einer Essensausgabe gefallen. Immerhin sind Männer wie der 21-jährige Iraner, der sich im Aufzug an der Kettenbrücke an einer 14-jährigen Schülerin vergriffen haben soll, hinter Gittern nicht sehr beliebt. Dazu der Hinweis, es gebe eine Packung Tabak als Belohnung. Einer von ihnen, dem Strafrichterin Becker hohe Glaubwürdigkeit zubilligte, war ob solcher Worte "richtig baff".

Eine Gruppe von Gefangenen machte sich sodann an die Umsetzung des Vorschlages. Einige standen Schmiere, einer ging in die Zelle, dann hörte man Schreie. Als der Leiter der JVA Bamberg, Ulrich Mann, von einem Gefangenen erfuhr, dass es sich um ein "Auftragswerk" handelte, "da hat es mir erst einmal die Sprache verschlagen." Er habe aber versucht, die Sache aufzuklären, da immer wieder Falschbeschuldigungen im Umlauf seien und doch einiges auf dem Spiel stehe.

Am Ende sind es nicht die sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung, die Staatsanwalt Martin Barnickel gefordert hatte. Die 150 Tagessätze, die man mit einer fünfmonatigen Strafe vergleichen kann, sind aber auch nicht weit weg davon. Strafrichterin Becker wertete zu Gunsten Michael D.s dessen bislang weiße Weste, dass die Äußerung unbedacht und nicht geplant gefallen sei, und dass das Opfer der Körperverletzung im Amt nur eine geringe Abwehrverletzung an der Hand erlitten habe.

Zu seinen Lasten spräche, dass er versucht habe, die Aufklärung der Tat durch Beeinflussung eines Zeugen zu erschweren.

Nächste Instanz wahrscheinlich

Ein Zeugenkomplott hielt Strafrichterin Becker für äußerst unwahrscheinlich, da kein Motiv hierfür ersichtlich sei. "Die haben keinen Vorteil davon." Da die gesamte berufliche Existenz Michael D.s auf dem Spiel steht, wird der Prozess wohl in die nächste Instanz gehen.

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