Marktrodach

Pauline schnurrt im Seniorenheim

Vor Kurzem ist Theresia Hempfling ins ASB-Seniorenheim Marktrodach gezogen - nicht ohne ihre Katze. Die beiden fühlen sich im neuen Zuhause, in dem die Katzenliebhaberin jetzt ihren 85. Geburtstag feierte, pudelwohl.
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Ihren 85. Geburtstag feierte die Jubilarin auf der Sonnenterrasse. Immer mit dabei Katze Pauline. Links Pflegedienstleiterin Eva-Maria Fößel Foto: Maria Löffler
Ihren 85. Geburtstag feierte die Jubilarin auf der Sonnenterrasse. Immer mit dabei Katze Pauline. Links Pflegedienstleiterin Eva-Maria Fößel Foto: Maria Löffler

Eine braun-weiß-schwarz getigerte Katze streift durch die Gänge des ASB-Seniorenheims in Marktrodach. Sie hat sich nicht verlaufen und wurde auch nicht versehentlich eingesperrt. Sie ist hier eingezogen. Seit ein paar Tagen wohnt die zwölfjährige Pauline mit ihrem Frauchen hier und fühlt sich pudelwohl. Theresia (Resi) Hempfling wollte sich um keinen Preis von ihrem Tier trennen und diesen Wunsch konnte man ihr erfüllen. So kam es, dass der Trennungsschmerz für die beiden in Freude umgewandelt wurde. Jetzt ist Pauline der heimliche Star, empfängt gerne Besuch von den Bewohnern und freut sich über jede Streicheleinheit.

Beide haben hier alles, was sie brauchen. Das Zimmer ist geräumig und unübersehbar katzentauglich. Für Pauline gibt es einen Kratzbaum mit Höhle als Rückzugsort und ein eigenes Sofa mit freiem Blick in den Innenhof. Das Frauchen lehnt sich in seinem Massagesessel zurück und lächelt. "Ohne sie wäre ich todunglücklich. Paulinchen bedeutet mir sehr viel und hat mir den Umzug ins Seniorenheim leicht gemacht."

Dabei ist die getigerte Katze als Mitbewohnerin in einem Seniorenheim momentan die absolute Ausnahme. Und das liegt nicht daran, dass es generell nicht erlaubt wäre. Vielmehr gebe es keine Nachfragen, wird versichert. Fast überall in diesen Einrichtungen sei die Haltung einer Katze, eines Vogels, Hasen oder anderer Kleintiere grundsätzlich gestattet. Eigentlich gibt es im Kronacher Landkreis nur zwei Ausnahmen, die leider keine Haustiere aufnehmen. Im BRK-Seniorenheim in Ludwigsstadt habe man sogar zwei eigene Hauskatzen für den therapeutischen Aspekt angeschafft.

Klar gebe es einige Dinge zu berücksichtigen, diese Einschränkungen und Regeln gelten aber überall: Die Halterin, der Halter muss die Tiere weitestgehend noch selbst versorgen können. Eventuelle Tierarztbesuche müssen geregelt werden. Dann müsse man eventuelle Allergien von Mitbewohnerinnen, Mitbewohnern und des Personals berücksichtigen. Ansteckende Krankheiten sind ein Ausschlussgrund.

Hunde seien noch einmal eine ganz andere Nummer, bestätigt auch das Wallenfelser Seniorenheim. Ihre Haltung sei schwieriger, da sie auch mal laut bellen, ausgeführt werden müssen und einige Bewohner und das Pflegepersonal vielleicht sogar mit Angst reagieren.

Erst einmal "auf Probe"

Pauline hat diese Hürden genommen und ist dennoch erst einmal "auf Probe." Einrichtungsleiter Patrick Barnickel lässt es auf einen Versuch ankommen. "Bisher sind die Reaktionen durchweg positiv. Für die Zukunft bin ich guter Dinge." Auch Pflegedienstleiterin Eva-Maria Fößel streichelt Pauline gerne und vom Personal wird sie jetzt schon verwöhnt wie eine Königin. Und wenn die Katze glücklich ist, ist es auch ihr Frauchen.

Theresia (Resi) Hempfling ist erst vor Kurzem mit Katze Pauline von Kronach nach Marktrodach ins ASB-Seniorenheim gezogen. Ihren 85. Geburtstag feierte sie bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse des Wohnheims. Überraschungsbesuch bekam sie an diesem Tag auch von ihrer zwei Jahre älteren Schwester Agathe Mäusbacher.

Umringt von Kindern und Enkeln blickte sie auf ein bewegtes Leben zurück. Auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als der große Gutshof der Eltern in Hrtkovci (heutiges Serbien) noch im Familienbesitz war. Dann beschreibt sie die Überfälle der Partisanen, die alles vom Hof holten, was essbar war, und die Angst, die sie auch heute noch damit verbindet. Letztendlich erfolgte die Flucht nach Deutschland, bei der man fast den ganzen Besitz zurücklassen musste. "Eigentlich wollte Daddy, so nannten alle ihren Vater, ja nach Amerika, aber Mama wollte nicht mit. Also sind wir in Deutschland geblieben."

Resi war eines von sieben Kindern, von denen das erste schon sehr jung durch einen Unfall verstarb. Ihre Geschwister, allesamt älter, haben sich dann verteilt auf Nordrhein-Westfalen, Schwaben und Bayern. Ihre Mutter starb, als sie gerade 17 war und ihr Vater heiratete erneut. Er blieb mit seiner zweiten Frau in Kronach.

Als Wirtin auf der Festung

Noch heute erzählt sie von dem Schock, als sie als Flüchtlingskind nach Kronach kam und die Menschen vor ihr zurückschreckten. "Sie haben geschrien: Schließt eure Türen, die Zigeuner kommen. Dabei waren wir keine Zigeuner und wir waren angesehene und wohlhabende Menschen in unserer alten Heimat. Hier wurden wir anfangs wie Aussätzige behandelt." Das habe sich aber geändert, versichert die 85-Jährige, die lange Jahre mit ihrem Mann Walter erst die ehemalige Waldschänke in der Hammermühle und später die Festungsgaststätte bewirtete.

Jetzt fühlt sie sich liebevoll umsorgt und das nicht nur von ihrer Familie, sondern vor allem auch vom Personal des Seniorenheims, das ihr den Einzug und die damit verbundene Umstellung so einfach wie möglich machte.

"Hier will ich nicht mehr weg. Es ist alles da, was ich brauche. Ich habe Gesellschaft, kann mich aber auch zurückziehen. Es ist wie im Hotel."

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