Neustadt bei Coburg

Partnerschaft, weil es die Bürger beider Städte schon immer wollten

von unserem Redaktionsmitglied Rainer Lutz Sonneberg/Neustadt — Mit der beruhigenden Nachricht "Vor der Islamisierung Thüringens werden noch ein paar Neujahrsempfänge stattfinden",...
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Herzlich empfängt Sonnebergs Bürgermeisterin Sibylle Abel Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan. Foto: Rainer Lutz
Herzlich empfängt Sonnebergs Bürgermeisterin Sibylle Abel Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan. Foto: Rainer Lutz
von unserem Redaktionsmitglied Rainer Lutz

Sonneberg/Neustadt — Mit der beruhigenden Nachricht "Vor der Islamisierung Thüringens werden noch ein paar Neujahrsempfänge stattfinden", sorgte der frühere Ministerpräsident des Freistaates, Bernhard Vogel, für Heiterkeit. Mit seiner Anwesenheit machte er den diesjährigen Empfang zum Jahresbeginn in der Nachbarstadt zu einem besonderen Ereignis.
Am Freitagabend feierte Sonneberg gleich reihenweise Jubiläen. So erinnerte Bürgermeisterin Sibylle Abel (CDU) an die Feier zum 25. Jahrestag der Grenzöffnung im vergangenen Jahr. Heuer geht es weiter mit 25 Jahren deutscher Einheit. Aber auch die Partnerschaft zwischen Sonneberg und den beiden Städten Neustadt und Göppingen besteht seit 25 Jahren. Zu all den Jubiläen gab es gleich noch eine Premiere. Erstmals stand beim Sonneberger Neujahrsempfang auch Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) auf der Rednerliste.
Doch es war vor allem Bernhard Vogel, auf dessen Rede die zahlreichen Gäste im Sonneberger Gesellschaftshaus gespannt gewartet hatten.
Sonneberg nannte Vogel "das Tor Thüringens nach Franken" und erntete den ersten Applaus mit dem Zusatz: "Mehr nach Franken, als nach Bayern." Zumal das thüringische Sonneberg Teil der Metropolregion Nürnberg ist. Und das, so Vogel, sei doch "besser als Teil des Sperrgebiets der DDR". Er, der als einziger deutscher Politiker bisher Ministerpräsident zweier Bundesländer war, erinnerte an weitere Jahrestage der Geschichte, nannte den Ersten Weltkrieg die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts. Man müsse die Geschichte kennen, um Teilung und Wiedervereinigung des Landes verstehen und würdigen zu können. Eine Teilung, die endgültig zu überwinden noch einiges zu tun sei, wie Vogel sagte. "Der Verzicht, der dem Westen für den Aufbau im Osten auferlegt wurde, war zu vertreten, weil der Westen zuvor 40 Jahre in besseren Verhältnissen hatte leben dürfen", verteidigte Vogel den Finanzfluss in West-Ost-Richtung. Jetzt sei es aber an der Zeit, die Verteilung "von besser entwickelt zu schlechter entwickelt" vorzunehmen. Mit Blick auf die Weltpolitik mahnte Vogel, Deutschland dürfe sich nicht als Insel des Wohlstandes und der Freiheit sehen. Die Welt drohe aus den Fugen zu geraten. Hier einzugreifen, sei auch in der Verantwortung Deutschlands. "Es wird uns übel treffen, wenn wir es nicht schaffen, die Welt in den Angeln zu halten", sagte der 82-jährige CDU-Politiker. Dass Muslime ihren Platz in der deutschen Gesellschaft haben, steht für Vogel fest. Er betonte jedoch: "Wir haben uns eine Hausordnung gegeben. Wer in unser Haus einzieht, muss sich daran halten."
Fremdenfeindlichkeit, das ist für Vogel klar, "passt nicht zu Deutschland." Zur Asylpolitik sagte er: "Wer irgendwo anders mit dem Tode bedroht ist, der muss zu uns kommen können."

Die Partnerschaft lebt

Die Partnerschaft zwischen den beiden Nachbarstädten ist für Frank Rebhan keine Idee des Freudentaumels von 1989 gewesen. "Diese Partnerschaft gibt es, weil Menschen immer versucht haben, in Kontakt zu kommen. Das sei sogar bereits ein den 50er Jahren geschehen. "Und auf beiden Seiten haben die Delegationen dafür Ärger bekommen", so Rebhan. Doch die Sehnsucht nach Einheit sei erhalten geblieben und habe am Ende dazu geführt, dass die Grenze verschwunden ist. Heute sei die Partnerschaft zwischen Neustadt und Sonneberg deutlich an der Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz, dem Nahverkehr oder der gemeinsamen Internetanbindung zu erkennen. Das schließe nicht aus, dass die beiden Städte in manchen Dingen unterschiedliche Meinung haben können. Und sei es nur im Sport: "Wenn wir gegeneinander Fußball spielen, liebe Sibylle, wirst du für Sonneberg sein und ich für Neustadt."

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