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Mitwitz

Päppeln, aber wie?

Carola Hebentanz erklärte bei einm Vortrag in Mitwitz, wie man in Not geratenen Wildtieren richtig hilft.
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Eine kleine Kohlmeise in einem Wollnest Foto: privat
Eine kleine Kohlmeise in einem Wollnest Foto: privat

"Ich bin gern spinnert, so lebt es sich recht entspannt." Ein bisschen spinnert müsse man schon sein, meinte Carola Hebentanz, denn nur so könne sie ihre große Leidenschaft überhaupt erklären. Die Päpplerin und Wildtierexpertin war einer Einladung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) Kronach gefolgt und war zu Gast im "Steinernen Löwen" in Mitwitz. Hier erklärte sie zahlreichen Zuhörern, wie man sich beim Fund von Wildtieren in Not verhalten muss.

Doch bevor sie spannende Geschichten erzählen konnte, zitierte sie Paragrafen aus dem Bundesnaturschutzgesetz, dem Tierschutz- und dem Jagdgesetz. Denn niemand darf einfach ein Wildtier zum Beispiel aus dem Wald entfernen. Hier müssen entweder die Polizei, oder gleich der Jagdpächter oder der Waldbesitzer informiert werden. "Es handelt sich bei diesem Tier nämlich um fremdes Eigentum."

Ihr Streifzug durch den Gesetzesdschungel führte sie vorbei an geschützten Arten und Tieren wie dem Waschbär, den man nach dem Päppeln gar nicht auswildern darf. Und die allermeisten Tiere müsse man erst einmal auf die Freiheit vorbereiten, erklärte sie. "Vögel müssen lernen, im Flug ihre Nahrung zu finden. Und ein Wildhase, der in einem Gehege gelebt hat, der rennt in der Freiheit, bis er tot umfällt, weil er keine Grenzen findet."

Außerdem riet die Expertin dringend davon ab, Wildtiere, denen nicht mehr zu helfen ist, zu streicheln, um sie in ihren letzten Minuten zu begleiten. "Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie Angst vor Monstern haben und genau so eines kommt kurz vor Ihrem Tod und möchte Sie streicheln?"

Wann entnimmt man ein Tier aus der Natur? "Süß und putzig zählt nicht. Es muss entweder krank, verletzt, hilflos oder verlassen sein." Und hier gab sie praktische Tipps: "Ist ein Tier krank, erkennt man es meist am Gefieder. Es wirkt dann nicht gleichmäßig, sondern eher zerzaust. Ein krankes Tier zeigt auch kaum Fluchtverhalten. Ob es verlassen ist, findet man heraus, wenn man es mit ausreichend Abstand beobachtet."

Kleine Vögel in den Ausschnitt

Stellt man wirklich fest, dass das Tier Hilfe braucht, dann rät sie: "Achten Sie beim Transport vor allem auch auf Ihre eigene Sicherheit. Nicht alles, was hilflos aussieht, ist es auch." Transportkörbe solle man mit Karton auslegen, Versteckmöglichkeiten schaffen, Socken, mit Zewa ausgelegt, könnten zum Nest für ein Jungtier werden und Vögel solle man auf keinen Fall liegend transportieren. "Und bringen Sie auf gar keinen Fall das Nest mit! Es sei denn, Sie stehen auf Zecken oder Flöhe." Frauen könnten sich einen kleinen Vogel einfach in ihren Ausschnitt stecken, Männer hätten ausreichend warme Hände.

Und Warnungen gab es an diesem Abend einige. "Flößen Sie einem Tier niemals Flüssigkeit ein oder füttern es! Und geben Sie auf keinen Fall Medikamente." Kein Brot oder Haferflocken, warnte sie, denn da trockne das Gefieder aus. "Man muss genau wissen, was man tut, sonst ersticken die Tiere." Und sie räumte auf mit gut gemeinten Handlungen, die sich aber am Ende als fatal erweisen würden: Normale Milch verursacht bei den meisten Tieren Verdauungsbeschwerden. Und ich muss wissen, wovon sich ein Wildtier genau ernährt. Da helfen auch keine Spaghetti als Wurmersatz." Carola Hebentanz kauft nicht im Zoohandel, sie züchtet selbst. Die Mengen, die sie an Futter braucht, sind enorm. Bei ihr, so sagt sie, würden es die Tiere ziemlich schnell lernen, das zu fressen, was sich auch noch bewegt, "denn dann ist später der Schock nicht gar so groß". Und auch sie sei kein Tierarzt, "deshalb muss ich mir Hilfe suchen. Aber die meisten Tierärzte sind für so etwas gar nicht ausgebildet. Man muss lange suchen, bis man einen findet, der wildtierkundig ist. Ein Feldhase ist nunmal kein Stallhase."

Wichtig sei es aber auch, einem Tier die Ruhe zu gönnen, die es brauche. "Also bitte auch nicht 1000 Fotos schießen oder ständig streicheln." Einzige Ausnahme im Wildtierreich seien Wildenten. "Da können Sie mit den Tieren kuscheln, die brauchen das."