Stegaurach

Packend inszeniertes Schauspiel

Die Aufführung des fränkischen "Jedermann" nach Fitzgerald Kusz feierte am vergangenen Freitag in der Pfarrkirche in Stegaurach eine gelungene Premiere.
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Der "Jedermann" (Jürgen Müller) mit dem Mammon Foto: Manuel Valdes
Der "Jedermann" (Jürgen Müller) mit dem Mammon Foto: Manuel Valdes

Vor 20 Jahren wurde in Stegaurach die neue Pfarrkirche "Zur unbefleckten Empfängnis Mariens" geweiht. Ein postmoderner Zentralbau ist dieses Gotteshaus, das wie eine riesige Hutschachtel an den spätbarocken Bestand hingeschoben wirkt. Und wo das historische Bauwerk Klarheit an den Tag legt, ist die postmoderne Zutat manieriert überdreht inszeniert, ein Materialmix sondergleichen. Aber für die Aufführung des fränkischen "Jedermann" nach Fitzgerald Kusz, die am vergangenen Freitag Premiere hatte, ist dieser Kirchenraum eine genial-ideale Bühne.

Die Handlung findet im Wesentlichen auf der Altarinsel des Neubaus statt und die Erlösung des reuigen reichen Mannes darf vor dem barocken Hochaltar des als Kapelle erhaltenen Bestandsgebäudes erfolgen.

Spannende Lichteffekte

Die Lichtstimmungen in der Pfarrkirche gelingen atmosphärisch dicht, weil der Materialmix aus Juramarmor, Granit, Beton, Stahl, Edelstahl, Glas und Holz eine facettenreiche Spiegelfläche für spannende Lichteffekte abgibt und zeigt, wie man heutzutage mit Reichtum protzt. Vor allem mit einsetzender Dämmerung entsteht bei der Inszenierung von Michael Feulner pures Gänzehaut-Feeling.

Und mit einsetzender Dämmerung haben sich die Akteure dann auch freigespielt. So darf man getrost ankündigen, dass die Aufführungen an den kommenden Freitagen und Samstagen ein schauerlicher Genuss werden. Auch für diejenigen Zeitgenossen, die sich nicht im christlichen Glauben beheimatet fühlen und mit der mittelalterlichen Mysterienspielkunst, nach der die modernen Versionen von Hugo von Hofmannsthal und eben auch die Fassung von Fitzgerald Kusz eingerichtet sind, nichts oder nicht sehr viel anfangen können.

Taktlos dazwischen gequatscht

In Stegaurach nimmt der "Jedermann" sie gefangen, wenn bei der Premiere anfänglich auch einiges Publikum der Meinung schien, man werde nun Zeuge eines TV-Ereignisses im eigenen Wohnzimmer, wo man nach Gusto dazwischen quatschen mag.Über die Maßen komplex ist der Plot vom Sterben des reichen Mannes nicht gestrickt, und er wird auch in der Mundartfassung, die die Schauspieler des St.-Josef-Vereins Mühlendorf und der Künstlerwerkstatt Stegaurach souverän auf die Bühne bringen, nicht verwässert.

Sieg der Versöhnung

Gottvater gefällt, wie so oft, das Treiben auf der Erde nimmermehr, und er will es so auch nicht länger dulden. Barmherzigkeit lässt er jedoch walten, indem er dem Tod aufgibt, er möge den "Jedermann" allen zum Beispiel unverhofft aus dem Erdendasein abberufen. Ein Ringen zwischen Himmel und Hölle findet dann um des "Jedermanns" Seele statt. Am Ende siegen Einsicht, Reue und Versöhnung über Buhlschaft, falsche Freunde, Geiz, Missgunst und Neid, Lüge und Selbstbetrug. Gerade so, wie sich das Mittelalter das laut einer überkommenen Urfassung des Mysterienspiels vorgestellt haben mag. Und da hat sie dann spätestens alle Zuschauer gepackt, diese Inszenierung des "Jedermann" in fränkischer Mundart. Denn nach Erlösung streben wir doch alle.

Starke Leistung des Ensembles

Jürgen Müller ist eine großartige Besetzung für den "Jedermann", so viel soll unbedingt zu den Akteuren gesagt werden. "S Herzala" (Sandra Paulus) kommt rustikal, aber nie aufgesetzt direkt daher, Inga Böhnlein ist ein rechter Teufel und Heike Hollet-Geppert lehrt als Gevatter Tod das Gruseln.

Eine starke Leistung des Ensembles, die viel Publikumszuspruch verdient.

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