Lichtenfels
Konzert

Ohren schmeichelnder Dialog der Kulturen

Rund 100 begeisterte Zuhörer erlebten ein außergewöhnliches Konzert im Stadtschloss unter dem Motto "Von Bach bis Beirut". Bis in deren Herz drang der gelungene Brückenschlag zwischen Orient und Okzid...
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Marwan Abado lässt seine Oud - eine im arabischen Raum sehr gebräuchliche Kurzhalslaute - auf berührende Art und Weise von Sehnsucht, Liebe und Hoffnung "erzählen". Foto: Mario Deller
Marwan Abado lässt seine Oud - eine im arabischen Raum sehr gebräuchliche Kurzhalslaute - auf berührende Art und Weise von Sehnsucht, Liebe und Hoffnung "erzählen". Foto: Mario Deller

Rund 100 begeisterte Zuhörer erlebten ein außergewöhnliches Konzert im Stadtschloss unter dem Motto "Von Bach bis Beirut". Bis in deren Herz drang der gelungene Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, musikalisch hervorragend umgesetzt durch Paul Gulda am Cembalo und dem aus Palästina stammenden Oud-Spieler Marwan Abado.

Oud? Vermutlich hatte die meisten im Publikum von diesem Instrument bisher kaum etwas gehört. "Es ist quasi das Klavier des Orients", erklärte Marwan Abado. Auf dem Cembalo begleitete ihn Paul Gulda. Wie Abado "lebt" auch er quasi jeden Ton, jeden Akkord, verschmilzt mit seinem Instrument. Aber gerade im Zusammenwirken von Paul Gulda und Marwan Abado wird der Sprache der Musik in einer Weise Ausdruck verliehen, dass ein Konzert zum Erlebnis wird.

Auf dem "Pfad der Liebe"

"Pfad der Liebe" nennt sich passenderweise die von Gulda und Abado gemeinsam produzierte CD. Hoffnung, Sehnsucht oder auch Lebensfreude verkörperten die Darbietungen mit hier "seufzenden", an anderer Stelle jubilierenden Klängen. Von Abado vorgetragene orientialische Poesietexte aus eigener Feder oder von anderen zeitgenössischen arabischen Dichtern sowie eigene Kompositionen bildeten im Stadtschloss gleichsam eine Liason mit dem malerischen Cembalospiel Guldas.

Seit acht Jahren wirken die beiden Musiker zusammen. Und in jedem weiteren Auftritt "erfinden" sich die beiden neu. Wie Paul Gulda verriet, entfaltet sich immer auch ein freier Raum der Improvisation. Durch diese Feinheiten zusätzlich "beflügelt", ging das Konzert im Stadtschloss tief unter die Haut.

Mit Witz und Charme

Was ein gebürtiger Palästinenser und ein Wiener sich auf die Ohren schmeichelnde Weise musikalisch die Bälle butterweich zuspielen, ist das an sich schon Genuss pur. Hinzu kommt der die beiden auszeichnende Witz und Charme. Zwischenzeitlich notwendiges Nachstimmen der Instrumente überbrückten sie souverän-heiter, und Paul Gulda sorgte für Lacher im Publikum, als er - Stichwort unterschiedliche Kulturen - seine Erfahrungen humorvoll zum Besten gab: "Bei uns in Österreich ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Hier in Deutschland dagegen ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Ja, und im Land meiner Großmutter, Italien, ist es am kompliziertesten: Da ist alles erlaubt, was ausdrücklich verboten ist."

Die umgängliche Art der Musiker steckte an. Besucher nutzten die Pause zum lockeren Plausch mit den beiden, darunter auch der in Lichtenfels lebende junge Palästinenser Hamza Abu Sameer. "Fantastisch - das hat auch mich berührt", dankte abschließend Matthias Söllner im Namen des Grünen-Kreisverbandes Paul Gulda und Marwan Abado für das eindrucksvolle Musikerlebnis. "Es ist uns eine Freude gewesen", entgegnete Paul Gulda, der an diesem Abend rechtsradikale Gesinnung aufs Schärfste verurteilte. Und Marwan Abado brachte zum Abschied eine Hoffnung zum Ausdruck, von der sämtliche Konzertbesucher beseelt waren: "Möge unsere Gesellschaft so viel Anstand beweisen, dass der Rassismus nicht Fuß fassen kann".



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