Kronach

Ohne Hindernisse zum Einsatz

Der Brand eines Sägewerks in Höfles forderte den Einsatz der Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis. Auch Angestellte der Stadt Kronach mussten ihre Arbeit verlassen. Das rief eine Diskussion hervor.
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In Höfles standen am Montagabend mehrere Gebäude in Flammen. Die Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Foto: Corinna Rösler
In Höfles standen am Montagabend mehrere Gebäude in Flammen. Die Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Foto: Corinna Rösler

cindy dötschel Mitten in der Stadtratssitzung erfolgt am Montag ein Brandalarm. In Höfles steht ein Sägewerk in Flammen. Stefan Wicklein, Hauptamtsleiter der Kreisstadt und Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Kronach, verlässt die Sitzung augenblicklich, um bei den Löscharbeiten zu helfen.

Mit einem Post auf Facebook hat Hans-Georg Simon (FW), Mitglied des Stadtrats, eine hitzige Diskussion ausgelöst. Er stellte in den Raum, ob es vernünftig wäre, einen anderen Hauptamtsleiter einzusetzen. Schließlich müsse Wicklein in seiner Doppelfunktion entscheiden, welche Aufgabe wichtiger sei. Mittlerweile hat Simon zurückgerudert und sich in einem weiteren Post entschuldigt.

Aufgabe der Kommune

Die Diskussion, die entstanden ist, nachdem einige Feuerwehrleute die Stadtratssitzung verlassen haben, kann Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger nicht nachvollziehen: "Die Feuerwehr erfüllt ehrenamtlich die Pflichtaufgaben der Stadt." Wenn es keine ehrenamtlichen Feuerwehrmänner mehr geben würde, würden enorme Kosten für die Stadt anfallen. "Der Arbeitgeber ist außerdem gesetzlich dazu verpflichtet, Feuerwehrleute bei einer Alarmierung freizustellen", betont Ranzenberger. Einen hauptamtlichen Feuerwehrmann gebe es im ganzen Landkreis nicht.

Je nach Einsatz könne abgewogen werden, wie viele Ehrenamtliche benötigt werden. "Ein Großbrand in einem Sägewerk ist natürlich etwas anderes als eine Ölspur", weiß der Kreisbrandrat. Über den "Funkwecker" bekomme man mit, aus welchem Grund die Alarmierung erfolgt. Wenn in einem Ort lediglich die Sirenen angehen, wüssten die Feuerwehrmänner zunächst nicht, was passiert ist, erklärt er weiter.

Dass erst überlegt wird, wer ausrückt, soll Ranzenbergers Meinung nach nicht zur Regel werden. "Es ist ein schönes Stück Lebensqualität, zu wissen, dass jemand kommt, um zu helfen - egal wo und zu welcher Uhrzeit", unterstreicht er. Nachdem der Brandschutz Aufgabe der Gemeinde ist, könne der Arbeitgeber den Verdienstausfall außerdem bei dieser geltend machen.

Für Jens Korn (CSU), ist es selbstverständlich, dass Arbeitnehmer für einen Feuerwehreinsatz freigestellt werden: "Feuerwehrmänner, die in unserer Gemeinde angestellt sind, können nach einer Alarmierung gehen." Der Bürgermeister von Wallenfels sieht die Kommune in der Pflicht, als gutes Beispiel voranzugehen. Schließlich sei es deren Aufgabe, für eine Feuerwehr zu sorgen. "Wenn wir unsere Angestellten nicht freistellen, können wir es auch nicht von privaten Unternehmen verlangen", betont er. Für ihn sei es eine grundsätzliche Verhaltensregel im menschlichen Zusammenleben, das zu tun, was man selbst auch erwartet.

Ortskenntnisse sind wichtig

Durch den Brand des Sägewerks in Höfles am Montag habe sich seiner Meinung nach wieder gezeigt, dass das System der Ortsteilwehren gut funktioniere. "Die Ehrenamtlichen kennen sich vor Ort gut aus, was wahnsinnig wichtig ist. Außerdem riskieren sie für unsere Sicherheit sehr viel in ihrer Freizeit."

Einer der ehrenamtlichen Feuerwehrmänner des Landkreises ist Johannes Bock, der bei Heinz-Glas in Kleintettau arbeitet. Als Kommandant der ortsansässigen Freiwilligen Feuerwehr hat er zwischen 15 und 20 Einsätze im Jahr. "Zehn Einsätze sind davon in der Firma und werden durch die Brandmeldeanlage ausgelöst", berichtet er. Unter dem Vorbehalt, dass es zu keinem Produktionsausfall kommt, ist die Freigabe für Arbeitnehmer bei Heinz-Glas grundsätzlich erteilt. "Natürlich gibt es Absprachen mit unseren Vorgesetzten, dass der Ablauf für den Einsatzfall geklärt ist."

Als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wallenfels weiß Hans Stumpf, dass man als Feuerwehrmann eine ernstzunehmende Verantwortung hat. "Ich habe für jeden Feuerwehrmann Verständnis, der seinen Arbeitsplatz verlässt", sagt er. Sobald der Einsatz abgearbeitet ist, können die Ehrenamtlichen zurück zur Arbeit. "Keiner sagt, ich muss zurück", berichtet er. Seine Feuerwehrmänner würden dann gehen, wenn der Einsatz es zulässt.

Bernd Hörauf stuft die ortsansässigen Feuerwehren als Lebensversicherung der Glashütten im Landkreis ein. "Es ist selbstverständlich, dass unsere Mitarbeiter, die bei der Feuerwehr aktiv sind, bei einem Alarm sofort ihrer Pflicht nachgehen", unterstreicht der Geschäftsführer der Firma Gerresheimer Tettau. Seiner Meinung nach sollte dies "eine Selbstverständlichkeit sein, über die nicht diskutiert werden müsste".

In seiner Firma würden die Angestellten dazu aufgefordert, sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr oder beim Roten Kreuz zu engagieren. "Das Engagement zeigt uns, dass wir die richtigen Mitarbeiter für unser Unternehmen gefunden haben."

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