Neudorf

Ohne Chemie ans Ziel kommen

In Neudorf bei Ebensfeld wurde ein Gerät vorgestellt, mit dem Landwirte Spritzmittel sparen können. Bio-Bauern setzen es schon immer ein, die konventionelle Landwirtschaft zieht nach.
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Es geht auch ohne Glyphosat: Mit dem Striegel wird das Unkraut auf dem Feld ohne Chemie aus dem Feld entfernt und er sorgt außerdem auch noch für eine bessere Bodenqualität.  Fotos: Theresa Schiffl
Es geht auch ohne Glyphosat: Mit dem Striegel wird das Unkraut auf dem Feld ohne Chemie aus dem Feld entfernt und er sorgt außerdem auch noch für eine bessere Bodenqualität. Fotos: Theresa Schiffl
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theresa schiffl Ob hier die konventionelle Landwirtschaft von den Bio-Bauern lernt? Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Michael Bienlein, überlegt kurz. "Das kann man in dem Fall schon so sehen." Auf dem Betrieb von Josef und Sebastian Dirauf in Neudorf bei Ebensfeld wurde ein so genannter "Striegel" vorgestellt. Das ist im Prinzip eine Art Rechen, mit dem Landwirte gegen Unkraut auf dem Feld vorgehen können, ohne dass sie chemische Mittel einsetzen. Pflanzenschutzmittel ersetzt er zwar nicht, aber ist doch ein gutes Hilfsmittel.

Noch relativ wenig Bio-Bauern

Das ist auch für die konventionell arbeitenden Bauern interessant, und die sind im Raum Lichtenfels noch weit in der Überzahl. Michael Bienlein ist Bio-Bauer, einer von 26 im Landkreis. Bei insgesamt 850 Betrieben ist die Zahl damit nicht gerade hoch. "Der Freistaat möchte die Quote der Bio-Bauern in den kommenden Jahren auf 30 Prozent erhöhen." Das heißt für den Landkreis: Die Zahl muss sich verzehnfachen.

Bewegen sich also alle der versammelten Bauern auf dem Bauernhof in Richtung Bio? "Landwirtschaft ist nicht statisch, wir werden uns immer weiter entwickeln", sagt Bienlein. Der Striegel ist ein relativ junges Gerät zur Bodenbearbeitung. Die ersten Geräte kamen vor etwa 20 Jahren auf den Markt, erinnert sich Bienlein, "Früher haben die Bauern dafür eine leichte Ackeregge eingesetzt."

Regeln für Glyphosateinsatz

Er ist also auch für konventionell wirtschaftende Bauern interessant und könnte mit einem Vorurteil aufräumen: "Viele Menschen denken, dass alle Bauern ihre Ackerflächen mit Glyphosat besprühen, um das Unkraut los zu werden. Das stimmt aber so einfach nicht", sagt Veronika Stingl von Poulano, die ebenfalls bei der Vorstellung des Striegels auf dem Biohühnerhof von Josef und Sebastian Dirauf in Neudorf ist. Die Firma Poulano unterstützte bei der Planung und dem Bau der neuen Hühnerhalle der Diraufs.

Es gäbe feste Regelungen, wann und ob überhaupt Glyphosat verwendet werden darf. "Mechanische Möglichkeiten für die Unkrautbearbeitung sind außerdem auch gesünder für den Landwirt, der ja auch gewissermaßen den chemischen Mittel ausgesetzt ist", meint Stingl. Sie habe den Eindruck, dass vor allem jüngere Landwirte dem Bio-Bau offener gegenüberstehen.

Auch Jürgen Klaphecke von der Firma Kotschenreuther Forst- & Landtechnik kann bestätigen, dass der Bioanbau zunimmt. "Der Bioanbau ist immer mehr im Kommen. Es gibt nicht nur den Striegel, um Unkraut mechanisch zu entfernen sonder noch weitere technische Möglichkeiten. Und sie sind auch für konventionelle Bauern gut einsetzbar."

Es sei zwar etwas arbeitsintensiver, da das Feld zwei oder sogar drei Mal umgearbeitet werden müsse, jedoch wird dadurch die Bodenqualität besser und das Unkraut könne im Ankeimen bekämpft werden. Der Boden könne besser atmen und auch die Wärme der Sonne besser aufnehmen. "Außerdem ist dieses Verfahren schonend für die Pflanzen und der Winkel der Zinken kann individuell an das jeweilige Feld angepasst werden." Im Getreideanbau sowie Mais kann der Striegel verwendet werden. "Gerade Mais wird oftmals sehr viel gespritzt", meint Veronika Stingl. "Durch die mechanische Bearbeitung der Felder kann jedoch viel Spritzmittel eingespart werden."

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