Oerlenbach

Oerlenbach? Läuft!

Bürgermeister Franz Kuhn blickt zurück, schaut nach vorne und warnt vor schlechteren Zeiten.
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In der Eltingshäuser Straße wird wieder gebaut.  Foto: Michael Schmitt
In der Eltingshäuser Straße wird wieder gebaut. Foto: Michael Schmitt
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Es ist ziemlich selten, dass eine Bürgerversammlung so zügig über die Bühne geht: Eine Stunde Referat vom Bürgermeister über die Aktivitäten der Gemeinde im vergangenen Jahr, kaum nennenswerte Nachfragen, was nicht daran lag, dass am Abend noch die Champions League übertragen wurde. Ein Zuhörer scheint es auf den Punkt zu bringen, der beim Nachhausegehen sagt: "Läuft doch alles in Oerlenbach."

Franz Kuhn hat es heuer tatsächlich einfach, denn zu den schwierigsten Punkten im Ort kann er nichts weiter sagen, als den Stand der Dinge weiterzugeben: In Sachen "B 286 neu", der Verlegung der Bundesstraße, werde sich auch in den nächsten zwei Jahren nichts tun, "wir stehen dem machtlos gegenüber", so Kuhn, der sich fast "nicht getraut hat, es anzusprechen". Das zweite große Thema, die Stromleitungstrasse Südlink, ist ebenfalls schnell abgehakt: Voraussichtlich erst Ende des Jahres wird verbindlich der 1000 Meter breite Trassenkorridor festgelegt. So unsicher die Situation ist, von einem geht Kuhn klar aus: dass Ebenhausen und Poppenhausen von der Trasse berührt werden.

Bundesweit lag die Pro-Kopf-Verschuldung Ende 2016 bei 3509 Euro, in Bayern bei 2295 Euro - und in Oerlenbach werden Ende 2019 204,18 Euro angepeilt. Und das, wo 2014 noch zwei Millionen Euro Schulden wegen der Sanierung der Wilhelm-Hegler-Halle gemacht wurden - eine Zahl, die Kuhn mit Stolz vorträgt und auf den ausgeglichenen Haushalt ohne neue Schulden hinweist.

Kuhn warnt vor Optimismus

Auch wenn der Rück- und Ausblick des Bürgermeisters entweder auf Erfolge hinweist oder sie in Aussicht stellt - Kuhn warnte vor allzu viel Optimismus: Die Konjunkturaussichten würden durch "weltweit zunehmende Signale der Unsicherheit eintrüben". Und es werde damit gerechnet, dass die Staatseinnahmen nicht mehr so stark wachsen wie zuletzt. Bund, Länder und Kommunen müssten deshalb nach den Zahlen des Arbeitskreises Steuerschätzung in den kommenden Jahren mit weniger Steuereinnahmen rechnen als geplant. "Die Politiker in Bund und Land sehen Milliarden für Kitas, fürs Baukindergeld, für die Rente, den sozialen Arbeitsmarkt, die Ganztagsschule oder die Digitalisierung vor. Über Sinn und Unsinn einzelner Maßnahmen lässt sich trefflich diskutieren", so Kuhn. Durch die Vielzahl dieser Pakete sei "schon jetzt der finanzielle Spielraum für die kommenden Jahre enger geworden." Er sagt: "Eine verantwortungsvolle Finanzpolitik bedeutet eben nicht, das Geld möglichst schnell unters Volk zu bringen, wenn es gerade da ist und Wahlkampfversprechen eingelöst werden sollen. Eine verantwortungsvolle Finanzpolitik bedeutet auch, für schlechtere Zeiten vorzusorgen."

Hier die wichtigsten Punkte aus der Bürgerversammlung im Überblick: Bauen: 42 Bauanträge wurden 2018 bearbeitet, mit 18 neuen Häusern wurden Baulücken geschlossen. Von den 11 Bauplätzen in Ebenhausen wurden bereits zehn bebaut. Da die Nachfrage hoch ist, wurden Flächen in Eltingshausen gekauft, der Bebauungsplan soll noch heuer stehen, 2020 soll das Gebiet erschlossen werden - hier geht es um etwa 31 neue Bauplätze.

Gewerbepark A 71: 2018 wollte sich hier keiner ansiedeln. Um auf die Grundstücke aufmerksam zu machen, startet der Landkreis Bad Kissingen eine neue Werbeinitiative: Mit einer Drohne wurden Luftaufnahmen gemacht, sie werden bald als Videoclip auf der Homepage des Landratsamtes gezeigt. Norma: Jetzt wird planiert auf dem Gewerbegebiet zwischen der B 286 und der Bahnlinie, Ende Oktober 2019 soll der Supermarkt auf 1100 Quadratmetern eröffnet werden, daneben wird ein Getränkemarkt entstehen. 10 000 Quadratmeter Gewerbegebiet zwischen der Firma Mohr und dem Autohandel liegen noch unverkauft da. "Es gibt immer wieder Anfragen, um dort Lagerflächen zu bauen. Aber wir wollen hier produzierendes Gewerbe ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen", so Kuhn. Bauhof: Die ersten Bauarbeiten für den neuen Gemeindebauhof sind abgeschlossen. Ein neues Salzsilo (25000 Euro) erleichtert das Befüllen der Winterdienstfahrzeuge. Kürzlich wurde begonnen, das Fundament für die Lager- und Abstellhalle zu errichten. "Wir hoffen, dass die Halle zügig bis Sommer fertig wird." Gemeindeautos: Der Pritschenwagen ist Schrott, auch das Doppelkabinenfahrzeug uralt. So wurden ein neues Pritschenauto (VW-Transporter) und ein gebrauchter VW mit Doppelkabine für zusammen 47 000 Euro angeschafft. Auch ersetzt wurde der "John Deere" nach 20 Jahren Diensten. Dafür wurde ein X45-Holder, ein Kombigerät für Schneeräumung im Winter und Kehrarbeiten im Sommer gekauft. Kosten: 80 300 Euro. Schulen: "Sie sind unser Aushängeschild und ein Standortvorteil", so Kuhn. Für 320 000 Euro wurden die Heizungsanlangen für die Grundschule und die Turnhalle in Rottershausen erneuert, mit 266 500 Euro wird die Pelletsheizung gefördert. Der Öltank wird in den Pfingstferien entfernt, der Pelletbunker dann eingebaut. In den Sommerferien sollen alle Arbeiten beendet sein. In Ebenhausen soll die Schule mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden. Kinderbetreuung: "Die Betreuungsquoten steigen weiter an, die Kindergärten kommen an ihre Belastungsgrenze", so Franz Kuhn. Deshalb wird der Kindergarten in Ebenhausen erweitert, erste Planentwürfe werden demnächst im Gemeinderat vorgestellt. Kuhn fürchtet: "Wenn wir damit fertig sind und das Eltingshäuser Baugebiet wächst, müssen wir weitere Schritte unternehmen."

Feuerwehr: Selbst ist die Truppe: Die Rottershäuser haben ihren Mannschaftsraum im ehemaligen Rathaus selbst renoviert, in hunderten freiwilligen Stunden wurden Wände, Decken und Boden erneuert - die Materialkosten übernahm die Gemeinde. Eltingshäuser Straße: Der Baubeginn der Erneuerung hat sich verzögert. Seit Mitte März wird wieder gearbeitet und die Hausanschlüsse für Abwasser erneuert. Bis zum Zahnarzt und zur Apotheke bleibt die Straße immer anfahrbar.

Straßenbeleuchtung: Seit Jahren werden die Lampen umgerüstet, Betonmasten gegen Alu getauscht und die Glühbirnen mit LEDs gewechselt. Aber: "Die Firmen kommen nicht nach. Es gibt fünf Monate Wartezeit für das Material", erklärt Kuhn.

Spielplätze: Spielplätze in Eltingshausen und Oerlenbach haben Spielgeräte bekommen. Die Vereinsgemeinschaft Eltingshausen spendete 4429 Euro, das Kleiderbasarteam Oerlenbach 4600 und die VG Oerlenbach 3000 Euro für die Finanzierung. "Danke dafür", so Kuhn. Breitband: Kuhn sieht die Gemeinde mit den beiden Betreibern TKN und Telekom "sehr gut aufgestellt". "Von der Breitbandberatung Bayern GmbH haben wir eine Bitratenanalsys für das Gemeindegebiet erstellen lassen", sagt Kuhn. Sie zeigt die Geschwindigkeit in den Haushalten oder Verbesserung der Versorgung nach dem DSL-Ausbau in einer hausnummerngenauen Darstellung. Förderung: 50 000 Euro. Die Bit-Raten-Analyse steht auf der Homepage der Gemeinde. Mit einem Gigabyte wird aus der Waldsiedlung in Rottershausen "das Silicon Valley von Oerlenbach", witzelte Kuhn. Windenergie: Noch heuer soll es die Baugenehmigung für zwei Windräder in Eltingshausen am Standort Eichenschlag geben. 2020 soll mit dem Bau begonnen werden.

Eichenschwammspinner: Der Schädling soll auf 20 Hektar bekämpft werden, dazu wird ein Hubschrauber eingesetzt.

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