Forchheim
Leserbriefe

Ökologisches Gewerbegebiet statt Monokultur

Zum Thema Baywa-Umsiedlung in Forchheim: Wir wollen Siemens und wir wollen die Baywa. Jemand hat ein geeignetes Grundstück zu veräußern und dieses wäre verhältnismäßig gut zu erschließen. Ganz okay so...
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Zum Thema Baywa-Umsiedlung in Forchheim: Wir wollen Siemens und wir wollen die Baywa. Jemand hat ein geeignetes Grundstück zu veräußern und dieses wäre verhältnismäßig gut zu erschließen. Ganz okay so weit.

Zur Erinnerung, liebe Umweltschützer, Bienen- und Störcheretter, Wiesenttal-Liebhaber, Grüne, Schwarze, Gelbe, Freie, Bürgerinitiative-Aktivisten und sonstige Interessierte: Bisher passiert auf der favorisierten Fläche für den Neubau Folgendes: großflächiger Anbau von wahlweise Raps, Mais oder Getreide - hautnah an der Grenze zur Monokultur, wie auch auf vielen weiteren Flächen im Umgriff. Diese werden mit großem Gerät bewirtschaftet, gehegt, gedüngt, um den Ertrag der Landwirtschaft (die ohne den großen Romantikfaktor) sicherzustellen.

Wo leitet man da jetzt die wertvolle Bedeutung für die heimische Tier- und Pflanzenwelt ab? Von der Bedeutung für die kleinen Landwirtschaftsbetriebe im Einzugsgebiet sprechen wir nicht. Es sollte sich aber vielleicht noch eine Bürgerinitiative "Pro Landwirtschaft im Wiesenttal" gründen, damit der Stellenwert des Baywa-Standortes auch seine Lobby bekommt.

Wie nachhaltig und realistisch ist es wohl, mit Traktor samt Anhänger voller Getreide aus dem landwirtschaftlichen Nebenerwerb in der Fränkischen Schweiz 50 Kilometer zur nächsten Anlaufstelle zu fahren, falls wir die Umsiedlung nicht gebacken bekommen?

In meinen Augen ist es eine geniale Chance, aus der notwendigen Umsiedlung ein Projekt mit Leuchtturm-Charakter zu gestalten. Ein ökologisches Gewerbegebiet könnte großzügig unversiegelte Flächen fest vorsehen: nachhaltiges Baumaterial, Dachbegrünung, die ihrerseits neuen Lebensraum bietet - mit besserer Aussicht, zumindest für Fluggetier und Klimabonus für uns alle. Blühstreifen, Bienennährgehölze, Feldhecken, all sowas wäre drin. Die Störche könnten sich auf einem grünen Dach weiterhin treffen, sicher jedenfalls wird es sie nicht umbringen. Ich sehe sie regelmäßig an unterschiedlichsten Stellen campieren, denn der bewässerte Zweng gefällt ihnen - ziemlich lückenlos. Ein Neubau könnte energieautark geplant werden und mit den Verantwortlichen auf Baywa-Seite hat man vermutlich willige Verbündete.

Ich wünschte, auf solche Anforderungen wäre schon früher größeres Augenmerk gelegt worden. Vielleicht waren aber alle Störche, Frösche oder Falter im Urlaub, als all die anderen Gewerbetreibenden am Kersbacher Kreisel und auch anderswo um Forchheim ihre jeweiligen Bauten beantragt haben.

Ich lebe hier seit 41 Jahren und ich behaupte, auf jeder Fläche im Zweng saß schon irgendwann ein schützenswertes Tier. Sollte das - mit Verlaub - ziemlich konstruierte Storchenargument Schule machen, sehe ich es jedenfalls als zwingend erforderlich, von einer Rathaussanierung abzusehen. Das Dach wenigstens muss umgehend Bioreservat, FFH-Schutzzone oder etwas Vergleichbares werden - erst letzte Woche saßen dort an die 20 Störche. Jede Weiterentwicklung fordert Entscheidungen und ist mit Einschnitten verbunden. Wie sinnvoll oder -frei diese sind, liegt jetzt in der Hand eines klugen Stadtrates und einer Bevölkerung, die bereit ist, mehr als nur eine Sichtweise einzunehmen. Sigrid Wagner

Gosberg

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