Hammelburg

Ökolandbau sichert Artenvielfalt und steigert Klimaschutz

Sigismund von Dobschütz Um die Fragen, wie Landwirtschaft, Industrie und Politik die biologische Artenvielfalt fördern können, ging es am Wochenende in der zweitägigen Fachtagung "Artensterben stoppen...
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Sigismund von Dobschütz Um die Fragen, wie Landwirtschaft, Industrie und Politik die biologische Artenvielfalt fördern können, ging es am Wochenende in der zweitägigen Fachtagung "Artensterben stoppen - legen wir los!" in Hammelburg. Auf Einladung der Bad Kissinger Kreisgruppe im Bund Naturschutz (BUND) und der Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller (AöL, Bad Brückenau) äußerte sich ein Dutzend Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker in mehreren öffentlichen Workshops, Fachvorträgen und Diskussionsrunden zu verschiedenen Aspekten des Klimaschutzes und zur Bewahrung der Biodiversität. Die Veranstaltung fand im Rahmen des vom bayerischen Umweltministeriums geförderten Umweltbildungsprojektes "Unser Essen - unser Klima" statt.

Der Erhalt der Biodiversität, also der Artenvielfalt, muss oberstes Ziel von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sein. Dieser Forderung der Veranstalter schloss sich Dr. Jürn Sanders in seinem Vortrag "Was der Ökolandbau für Umwelt und Gesellschaft leistet" an, zu dessen Fachgebieten als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Braunschweiger Thünen-Institut die Bereiche Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie die ökologische Landwirtschaft gehören. Sanders beschrieb das Vorgehen seines Projektteams bei der Erarbeitung einer ausführlichen Vergleichsstudie zur Wertigkeit von Ökolandbau und konventioneller Landwirtschaft im Sinne des Klimaschutzes. Die fachlich interessierten und informierten Tagungsbesucher dürften vom Ergebnis dieser "bahnbrechenden Studie", wie die Veranstalter den Vortrag beworben hatten, allerdings kaum überrascht worden sein: Die ökologische Landwirtschaft erbringt nach dieser Vergleichsstudie in fast allen Bereichen einen deutlichen Mehrwert als die konventionelle. In den meisten Fällen, in denen gegensätzliche Meinungen selbst unter Wissenschaftlern aufeinanderstoßen, seien es unterschiedliche Forschungsansätze und unterschiedliche Ausgangsbedingungen, erklärte Sanders.

Das von ihm geleitete Wissenschaftler-Team hatte für die eigene Vergleichsstudie Fachliteratur aus drei Jahrzehnten auf konkrete, direkt vergleichbare Fälle durchgesehen. Von insgesamt 12 000 Studien wurden schließlich 528 für konkrete Paarvergleiche genutzt, bei denen die jeweiligen Ausgangsbedingungen absolut identisch waren, und unter den Aspekten Wasser, Boden, Biodiversität, Klimaschutz, Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl ausgewertet. "Wir haben also Äpfel mit Äpfeln verglichen", um wissenschaftlich nachprüfbare Aussagen zu bekommen.

Nach Untersuchung aller Paarvergleiche kommt die Sander-Vergleichsstudie zum unwiderlegbaren Ergebnis, dass der Ökolandbau in fast allen Bereichen "zahlreiche gesellschaftlich relevante Mehrleistungen erbringt". Lediglich im Bereich Tierwohl waren die vergleichenden Untersuchungsergebnisse weniger vorteilhaft. Sanders: "Freier Auslauf ermöglicht den Parasitenbefall", wodurch Tiere leichter erkranken können.

"Der Ökolandbau leistet einen relevanten Beitrag für nachhaltige Landnutzung mit Entwicklungspotenzial", lautete abschließend eine Kernaussage des Braunschweiger Wissenschaftlers. Und: "Nachhaltige Ernährungssysteme erfordern mehr als einen sparsamen Ressourcen-Einsatz." Demzufolge müsse sich das Konsumentenverhalten ändern: "Wer abends im Laden noch eine Auswahl an frischem Brot erwartet, darf sich nicht wundern, wenn dann alle nicht verkauften Brote weggeworfen werden." Sanders forderte die Politik auf, eindeutige Rahmenbedingungen zu setzen, "dass die deutsche Landwirtschaft insgesamt nachhaltiger bewirtschaftet wird".

Stellvertretende Landrätin Monika Horcher, als Mitglied der Grünen im Kreistag, dankte den Veranstaltern für die Ausrichtung dieser "interessanten Fachtagung" und war sich zum Thema Artenvielfalt sicher: "Wir haben noch dicke Bretter zu bohren."

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