Kronach

Oberfranken offensiv vermarkten

Wie ein Verein dazu beiträgt, die Region über die eigenen Grenzen hinaus bekannter zu machen und sie mit Projekten zu stärken.
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Der Ölschnitzsee im Frankenwald Foto: Henry Czauderna - stock.adobe.com
Der Ölschnitzsee im Frankenwald Foto: Henry Czauderna - stock.adobe.com
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Marco Meissner Sie arbeiten im Stillen und drehen an vielen Schrauben. Sie versuchen, die Region vorwärts zu bringen. Und das tun sie mit Erfolg. Obwohl die Öffentlichkeit wenig davon mitbekommt - oder ihnen zumindest wenig davon zuschreibt. Die Rede ist von Geschäftsführer Frank Ebert und seinen Mitstreitern bei Oberfranken Offensiv.

Wer die Tätigkeit des Vereins auf planerische, kreative und eher abstrakte Aufgaben beschränkt, der täuscht sich. Auch 2019 war Oberfranken Offensiv wieder sehr aktiv - und dabei praxisorientiert unterwegs.

"Das Team bringt viele Ideen von außen mit rein. Es hat zudem die Netzwerke und bietet auch die Plattformen, um die Projekte dann wieder nach außen zu tragen", freut sich der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler (CSU) über ein wichtiges Vorhaben, bei dem seine Gemeinde von Oberfranken Offensiv unterstützt wird. So will sich Steinbach am Wald künftig besser mit der Jugend vernetzen. Dafür sollen moderne Kommunikationswege erschlossen werden.

"Es wird drei Module geben", erklärt Löffler zu dem Vorhaben. In einer Chancenwerkstatt - voraussichtlich Ende März in der Rennsteighalle - sollen mit den Jugendlichen Schwerpunkte gesetzt werden. Die Veranstaltung soll einen Eventcharakter bekommen und die Jugendlichen so zum Mitmachen animieren.

Die nächsten Schritte

In den weiteren Schritten wird ein Konzept erarbeitet, wie sich die digitalen Möglichkeiten und die sozialen Medien in ein besseres Miteinander von Kommune und Jugend einbinden lassen. Schließlich werden medienpädagogische Workshops folgen.

Ein großes Programm, das sich die Gemeinde, aber auch Oberfranken Offensiv vorgenommen hat. Dessen ist sich Frank Ebert bewusst. Er sieht in Steinbach schließlich eine Modellkommune für das Projekt "Smartspace". Er spricht von neuen Wegen der Kommunikation "fernab von Amtsblatt und Aushang" - also praxisorientiert am Puls der jungen Leute.

Ein Lächeln ringt ihm angesichts solcher Vorhaben dann doch ab, dass Oberfranken Offensiv zuletzt durch ein vermeintlich viel unscheinbareres Thema die größte Aufmerksamkeit erfahren hat. Die Rede ist von den Mitfahrerbänken. "In Oberfranken haben wir jetzt knapp 200 - Tendenz steigend", erklärt der Geschäftsführer. Und auch, wenn über diese Bänke kontrovers diskutiert werde, gebe es deswegen doch Anfragen aus ganz Deutschland. Deshalb soll es 2020 noch einmal eine große Kampagne geben, um die Mitfahrerbänke besser in der Region zu etablieren. Ebert sieht darin "ein Erfolgsmodell als Ergänzung zum ÖPNV". Es brauche solche smarten Lösungen, um den ländlichen Raum für die Zukunft zu rüsten.

Damit kommt er auf den Kernpunkt der Oberfranken-Offensiv-Arbeit zu sprechen. Es geht darum, die heimische Region attraktiv zu gestalten und diese Attraktivität auch in den Köpfen der Einwohner wie der Auswärtigen zu verankern. Das Bild des Bezirks sei nämlich ein viel besseres, als es oft gezeichnet werde. Vor allem bei Familien könne die Region punkten, wie Ebert betont (siehe Infokasten). "Wir müssen das noch besser bewerben", fordert er.

Er räumt zugleich mit dem Vorurteil auf, Oberfranken sei von der Abwanderung gezeichnet. Das Gegenteil sei der Fall. "Wir sind eine Zuzugsregion - und zwar nicht nur wegen der Flüchtlingsfrage", betont Ebert. Das demografische Handicap, das dem Bezirk zu schaffen mache, sei ein ganz anderes. "Unser Problem ist ein Sterbeüberhang gegenüber den Geburtenzahlen."

Ebert berichtet weiter: "Seit zwölf Jahren sind wir schon am Thema ,Familie‘ dran - es scheint zu fruchten." Der Bezirk habe sich einen Ruf als bodenständig und naturnah erworben; Werte, die gerade bei Eltern oftmals höher eingestuft würden als der bloße Blick auf die Karrieremöglichkeiten. Und wenn es gelingt, noch mehr Familien in die Region zu lotsen, könnte dies auch das große Problem der Überalterung ein Stück weit verkleinern. Eine Zukunftsperspektive!

Weitere Ansatzpunkte der Oberfranken-Offensiv-Arbeit waren und sind die Vermarktung der Region bei Veranstaltungen wie der bevorstehenden "Grünen Woche" in Berlin (17. bis 26. Januar). "Da werden wir auf jeden Fall wieder ein Hingucker sein", verspricht Ebert für das "stärkste Stück Binnenmarketing außerhalb Frankens".

Aber auch bei "Jugend forscht" und der medizinischen und pflegerischen Versorgung auf dem Land bringt sich der Verein ein. Ein Beispiel sind die Videosprechstunden in Wallenfels. Unter dem Motto "Gesellschaft 4.0" gehe es zudem darum, Hausärzte und Pflegeeinrichtungen digital zu vernetzen.

Die Region habe in dieser Hinsicht schon einen guten Ruf aufgebaut. "Wir waren gerade in Berlin, Hamburg und Stuttgart unterwegs", spricht Ebert Vorträge des Vereins in ganz Deutschland an. "Wir müssen nichts anpreisen, sondern wir werden dafür angefragt."

Trotz dieser Erfolge dürfe sich der Verein nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Er müsse das eigene Tun immer wieder auf den Prüfstand bringen. Dann, ist sich Ebert sicher, lasse sich die Marke Oberfranken noch viel weiter hinaustragen. "Und ich glaube, Oberfranken Offensiv wird dabei künftig noch viel stärker mitmischen als heute!"

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