Gleich zwei topaktuelle Themen standen beim 9. Arbeitgeberforum Oberfranken auf Schloss Neudrossenfeld im Mittelpunkt: "Generation Z" und "Industrie 4.0". Dazu hatte die Bezirksgruppe Oberfranken des Verbands der Bayerischen Wirtschaft (vbw) Professor Christian Scholz von der Universität des Saarlandes eingeladen.
Die ab 1990 geborene Generation Z ist aus seiner Sicht anders als ihre Vorgänger: Sie ist hochgradig auf ihre eigenen Ziele konzentriert, weniger durch Teamplayer geprägt sowie auf strikte Trennung von Arbeit und Privatleben bedacht. Überschaubare, klare Strukturen und individuelle Sicherheit haben einen hohen Stellenwert.
Vorstandsvorsitzender Thomas Kaeser von der vbw-Bezirksgruppe forderte zeitgemäße gesetzliche Rahmenbedingungen für die Arbeitswelt 4.0. "Auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der beinahe alle wichtigen Lebensbereiche digitalisiert sind, ändern sich die Anforderungen an die Unternehmen und an jeden einzelnen Arbeitnehmer. Der zunehmende Fachkräftemangel verursacht einen Wettbewerb um die besten Köpfe und macht es erforderlich, dass sich Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber positionieren."
Christian Scholz meinte, man müsse die junge Generation in ihrer Andersartigkeit verstehen, dann könne man auf ihre spezifische Leistungsbereitschaft aufbauen. Die ab den 90er Jahren Geborenen seien allen Vorurteilen zum Trotz leistungsbereit, "aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen". Sie seien aber auch sehr realistisch und hätten ein genaues Bild davon, was sie im Betrieb erwartet. Auch beobachte er eine "gefährlich geringe Bindungsbereitschaft", so Scholz.
Die fortschreitende Digitalisierung erfordere zeitgemäße gesetzliche Rahmenbedingungen, sagte Thomas Kaeser. "Wir benötigen eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden ist nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen keine Erhöhung des Arbeitsvolumens, sondern eine flexiblere Verteilung der Arbeitszeit, weg von einer täglichen hin zu einer wöchentlichen Betrachtung mit einem maximalen Spielraum von 48 Stunden."


"Völlig weltfremd"

Zudem müsse man zu einer flexiblen Gestaltung der elf-stündigen täglichen Ruhezeit kommen. "Die bisherige Regelung ist völlig weltfremd", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Es muss doch möglich sein, auch nach Dienstschluss noch eine kurze Nachricht an einen Kollegen zu schicken, ohne dass die elfstündige Ruhezeit wieder von vorne zu laufen beginnt."
Professor Scholz machte deutlich, dass Firmen bei der Arbeitszeit zunehmend sehr flexible Lösungen suchen, die Vertreter der Generation Z hingegen forderten feste und berechenbare Arbeitszeiten. "Den fließenden Übergang zwischen Beruf und Privatleben lehnt die Generation Z kategorisch ab."
Abschließend diskutierten die oberfränkischen Unternehmer über wirtschaftliche, gesellschaftliche und politisch relevante Themen. Rei.