Steinwiesen
Feierstunde

Nurner Dorferneuerung ist nach 40 Jahren abgeschlossen

Es ist vollbracht: Nach 40 Jahren ist die Dorferneuerung und Flurneuordnung in Nurn endlich abgeschlossen. Nun wurde bei einer Feierstunde der Gedenkstein am Ringweg gesegnet. Wenn man so will, ist de...
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Pfarrer Richard Reis (links) stellte bei einer Feierstunde den Gedenkstein und ganz Nurn unter den Segen Gottes. Mit im Bild: Bürgermeister Gerhard Wunder.  Foto: Susanne Deuerling
Pfarrer Richard Reis (links) stellte bei einer Feierstunde den Gedenkstein und ganz Nurn unter den Segen Gottes. Mit im Bild: Bürgermeister Gerhard Wunder. Foto: Susanne Deuerling

Es ist vollbracht: Nach 40 Jahren ist die Dorferneuerung und Flurneuordnung in Nurn endlich abgeschlossen. Nun wurde bei einer Feierstunde der Gedenkstein am Ringweg gesegnet. Wenn man so will, ist der Stein auf den Höhen über Nurn ein Zeuge für die vergangenen 40 Jahre. Ein Kupferrelief zeigt den Ort und die Jahreszahl.

Pfarrer Richard F. Reis stellte den Stein, den Ort und seine Bewohner sowie ihre Bemühungen unter den Schutz Gottes. Der Standort mit seinem Überblick über das Dorf und dem Weitblick weit in die Höhen des Frankenwaldes nannte er ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den vielen helfenden Händen und gegenüber Gott.

Nach dem Marsch unter Leitung des Musikvereins Nurn von den Höhen ins Dorf fand die Feierstunde im Mehrzweckhaus statt. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Karl Saueressig und Anton Hepple vom Amt für ländliche Entwicklung ging Bürgermeister Gerhard Wunder auf die vergangenen 40 Jahre ein.

Am 29. Juni 1979 wurde das Verfahren Nurn - Steinwiesen angeordnet, wobei die Gemarkung Steinwiesen mit Ausnahme weniger Grundstücke aus dem Verfahren herausgenommen wurde. Eine Teilnehmergemeinschaft wurde gegründet und 1980 ein Dorferneuerungsplan erstellt. Dann geschah erstmal gar nichts. Es dauerte 14 Jahre, bis die ersten Maßnahmen anliefen. Grund: Widerstände in der Bevölkerung. Als Überschrift war bei einem Zeitungsbericht vom 29. Juni 1990 zu lesen "Flurbereinigung abgelehnt." Nach langen Verhandlungen gelang es schließlich doch, die breite Mehrheit dafür zu gewinnen.

184 private Förderanträge

Maßgeblich beteiligt war hieran der leider schon verstorbene örtliche Beauftragte Albin Hader, der mit viel Herzblut dieses Verfahren begleitete. Ein Höhepunkt war schließlich der Festakt am 22. November 2012 in der Münchner Residenz.

Für die Flurordnung und Dorferneuerung wurden insgesamt an die 2,3 Millionen Euro ausgegeben und für private Maßnahmen gaben die Nurner Grundstückseigentümer noch einmal so viel aus. 184 private Förderanträge mit einer Investitionssumme von 2,65 Millionen Euro standen zu Buche, hier gab es circa 500 000 Euro staatliche Zuschüsse. Der Wegebau trug zur Verbesserung der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Grundstücke bei. Neben dem Bund beteiligten ich auch der Freistaat Bayern, die Europäische Union und der Markt Steinwiesen an der Finanzierung.

Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU) ging darauf ein, dass die Ziele der Dorf- und Flurneuordnung in Nurn in vollem Umfange erreicht wurden. Eine intakte Dorfgemeinschaft, Visionen und Träume können viel bewirken. Vor allem die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, die Gestaltung von Plätzen, Straßen und Grünflächen, die Anlage von Freizeit und Erholungseinrichtungen, die Schaffung von Lebensräumen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt und die Erhaltung der Denkmäler wurde angestrebt.

Aus der Sicht des Marktes Steinwiesen sind diese drei Punkte umgesetzt worden: die Verbesserung der Infrastruktur, ein Beitrag zur Flur- und Naturgestaltung und die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Wunder nannte noch einige Beispiele an Projekten, die über das Dorferneuerungsprogramm verwirklicht wurden. So wurden Straßenbaumaßnahmen mit Eigenmitteln von 256 000 Euro, der Bau des Feuerwehrgerätehauses mit 70 000 Euro und auch die Plätze am Mehrzweckhaus (14 000) und an der Schule (13 500) sowie die Straßenbeleuchtung mit 21 000 Euro durchgeführt.

Grundstein ist gelegt

Beispielhaft war in Nurn, dass immer Wert auf die Einbindung der gesamten Ortschaft in den Entscheidungsprozess gelegt wurde. Aus dieser Verantwortung heraus haben sich dann viele Frauen und Männer in Nurn in den letzten 40 Jahren engagiert. Damit das Dorf auch weiterhin so lebendig bleibt, dafür müssen die Bürger nun selbst sorgen. Der Grundstein ist gelegt.

Der TG-Vorsitzende Karl Saueressig ging vor allem auf die Flurentwicklung ein und erklärte, dass diese etwa 300 Hektar Land mit 170 Besitzständen umfasst. Acht Kilometer neue Wege wurden ausgebaut mit Kosten von 1,1 Mio Euro. Die Eigenleistung der Teilnehmer des Verfahrens wurden mit Hand- und Spanndiensten im Wert von 300 000 Euro verwirklicht. Gerne waren die Nurner beim Pflanzen, Ansäen der Böschung, Pflastern oder auch bei der Vermessung mit von der Partie. Schließlich waren auch Skeptiker und ehemalige Gegner des Verfahrens mit Begeisterung dabei. "Es fand wirklich eine Identifizierung mit dem Verfahren statt", bestätigte Saueressig. Die letzte große Baumaßnahme in der Flurentwicklung war neben den Restbaumaßnahmen der Bau des Ringweges. Nach unzähligen Ortsterminen wurde die Trasse so abgesteckt, dass es am wenigsten Widerstände gab. Auch wurde auf aufwendig zu pflegende Biotopstreifen verzichtet und stattdessen ein Beweidungskonzept entwickelt, das bayernweit seinesgleichen sucht. Belohnt wurden die Nurner dafür mit dem Sonderpreis bei der Staatspreisverleihung 2012. sd

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