Kulmbach

Nur Linde und Schild sind geblieben

Aus Anlass der Gründung der Kulmbacher Feldgeschworenen- Vereinigung wurde 1933 an der Stadtgrenze ein Baum gepflanzt und Adolf Hitler gewidmet.
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Die 1933 gepflanzte "Siebenerlinde" an der Kulmbacher Stadtgrenze  Fotos: Erich Olbrich
Die 1933 gepflanzte "Siebenerlinde" an der Kulmbacher Stadtgrenze Fotos: Erich Olbrich
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Erich und Marcus Olbrich Auch Kulmbach hatte einst seine "Hitler-Linde". Man findet sie heute, wenn man hinter dem Wasserbehälter Wolfskehle den Schotterweg bergauf geht. Nach einer kurzen Strecke steht auf der rechten Seite, direkt an der Stadtgrenze, eine Linde. An ihr ist ein Schild mit folgender Aufschrift angebracht: "Siebenerlinde gepflanzt 1933 anläßlich Gründung der Feldgeschworenen (Siebner) Vereinigung Kulmbach 1933 - 2003 70 Jahre."

In der Niederschrift der Stadtratssitzung vom 17. Mai 1933 steht hierzu folgender Eintrag: "Die Feldgeschworenen der Stadt Kulmbach haben am 8. 5. 1933 um 14 Uhr vor Beginn der Grenzbegehung des östlichen Teils der Kulmbacher Stadtgrenze in Anwesenheit des komm. I. Bürgermeisters Schuberth, der Feldgeschworenen der angrenzenden Gemeinde Ködnitz, des Vertreters des staatlichen Forstamtes, Herrn Regierungsforstrat Feneberg, und des Vermessungsamtes, Herrn Obervermessungsrat Wittmann, als Vorstand des Vermessungsamtes sowie der 8. Knabenklasse der Volksschule mit ihrem Herrn Hauptlehrer Brehm und sonstiger Interessenten auf dem Grundstück des Ökonomierates Lorenz Murrmann eine Linde gepflanzt, die den Namen Hitlerlinde erhielt.

Der Stadtrat (...) dankt auch Herrn Ökonomierat Murrmann, der den Platz zur Verfügung stellte und sich zum Schutze und Erhaltung der Linde verpflichtete."

Was dort weiter zu lesen steht, erscheint uns Heutigen ganz unzeitgemäß, und mancher mag mit Schaudern daran denken, dass die in den Texten von damals viel beschworene "große" Zeit in der Rückschau vor allem eine schreckliche war, die sich niemand zurückwünscht.

So heißt es im Protokoll der Feierstunde anlässlich der Baumpflanzung unter anderem:

"In wohlgeformter Rede hob der Obmann der Feldgeschworenen, Herr Simon Ellner, Anlass und Umstände hervor, die den von reiner und edler Vaterlandsliebe durchglühten Sohn Deutschlands, Adolf Hitler, veranlassen, sein Leben dem Kampf mit den inneren Feinden Deutschlands (...) zu widmen. (...)"

Einige Absätze weiter heißt es: "Die Feldgeschworenen erblicken in diesem Zusammenhang nicht nur ein großes geschichtliches Ereignis, sondern auch eine besondere ehrenvolle Mission, zu der sie sich umso mehr berufen fühlen, als sie in Ausübung einer lebenslänglich übernommenen ehrenamtlichen Tätigkeit neben den geometrisch festgesetzten Grenzpunkten auch den natürlich vorhandenen, lebenden Grenzbäumen und Sträuchern erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Man mag über den Platz der Linde verschiedener Meinung sein. Wir Feldgeschworenen aber sind uns einig und klar über die Wichtigkeit dieses Punktes in grenztechnischer Beziehung. Auch in anderer Hinsicht hat dieser Platz eine symbolische Bedeutung insofern, als es die östlichste Spitze der Stadt darstellt."

Vor der Pflanzung wurde unter der Linde eine Urkunde versenkt (siehe Infokasten).

"Äußerst feierlich und ernst"

Der Akt der Pflanzung, so ist zu lesen, gestaltete sich "äußerst feierlich und ernst".

Die Festrede hielt seinerzeit Fritz Schuberth, Erster Bürgermeister der Stadt Kulmbach, selbst Feldgeschworener und ein glühender Hitler-Verehrer. In seiner Ansprache bediente er sich in gewohnter Weise der Nazi-Terminologie und lobte das "große Werk Hitlers".

Heute sind alle Hinweise, die auf jenes unselige, schreckliche Kapitel in der deutschen Geschichte hinweisen, verschwunden. Geblieben ist das Schild, das den Baum als "Siebenerlinde" ausweist.



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