Lichtenfels
Urteil

Nur Geldstrafe für trockenen Alkoholiker

Nahezu unglaubliche vier Promille soll ein Lichtenfelser Polsterer am 27. April des vergangenen Jahres intus gehabt haben. In diesem Zustand betrat er einen Textilladen in Lichtenfels und ließ etwas m...
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Nahezu unglaubliche vier Promille soll ein Lichtenfelser Polsterer am 27. April des vergangenen Jahres intus gehabt haben. In diesem Zustand betrat er einen Textilladen in Lichtenfels und ließ etwas mitgehen. Am Dienstag war das Kern seiner Verhandlung am Amtsgericht.

Schon einmal fiel der Mann in einem Lichtenfelser Supermarkt unangenehm auf. Ein Diebstahl brachte ihm ein Hausverbot ein. Doch am 3. April 2018 betrat er den Supermarkt wieder und beging somit Hausfriedensbruch. "Ich kann mich weder an den ersten noch an den zweiten Vorfall erinnern", erklärte der 45-Jährige. Daran, dass es zu einer Polizeikontrolle kam, habe er zudem auch keine Erinnerungen, so der Mann, der im Saal 14 neben seinem Verteidiger Wolfgang Bürckmann saß.

Dann kam der 27. April zur Sprache: der Tag, an dem er in einem Supermarkt Boxer-Shorts im Wert von 5,99 Euro mitgehen ließ. Der Mittvierziger stemmte sich nicht gegen die von Rechtsreferendar Martin Jotschke vorgebrachten Anwürfe, hielt vielmehr fest, dass er bei fehlender Erinnerung nichts bejahen oder verneinen könne.

Aber er brachte auch vor, dass er in nüchternem Zustand nie etwas angestellt habe. "Ich bin ein Alkoholiker, ich habe einfach getrunken." Doch seit elf Monaten sei er trocken. Was ihn zum Trinker gemacht hatte, seien eine Scheidung gewesen und dass sein Bruder getötet wurde.

Ein als Zeuge auftretender Polizeibeamter schilderte den damals festgenommenen Mann als jemanden, der der Polizei gegenüber nicht aggressiv gewesen sei. Doch was noch zulasten des Angeklagten ging, war, dass er die Taten beging, als er unter Bewährung stand. Schon einmal saß er wegen Diebstahls mit Waffen in Haft, und eine Akte führte auch einen Vermerk, wonach zwei Entwöhnungsversuche erfolglos verliefen.

In dem kurzen Verfahren sollte Jotschke auf 3000 Euro Geldstrafe plädieren. Zwar hielt der für die Staatsanwaltschaft auftretende Mann fest, dass es sich bei dem Angeklagten um einen Bewährungsversager handelt, aber eben auch um einen geständigen Menschen, für den eine Geldstrafe ausreichen sollte.

Mittelweg

Rechtsanwalt Bürckmann hielt fest, dass sein Mandant "Geständigkeit mitbrachte" und "kein Schaden entstanden" ist, da die Boxer-Shorts im Laden blieben. Der Verteidiger plädierte auf 1750 Euro Geldstrafe. Der Urteilsspruch durch Richter Alexander Zenefels sollte wegen Diebstahl und Hausfriedensbruch auf letztlich 1900 Euro lauten. MH

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