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Haßfurt

Nur für den Eigenverbrauch?

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 28-Jährigen wegen eines Rauschgiftdeliktes zu einer Bewährungsstrafe. Der Angeklagte hatte Cannabis-Pflanzen angebaut - und war über die große Ausbeute überrascht.
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Er wollte sich nur etwas Marihuana für den Eigenkonsum anbauen, ließ ein 28-jähriger Arbeiter aus dem Maintal am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt über seinen Verteidiger Stefan Wagner erklären. Dass seine Mini-Plantage, bestehend aus drei Pflanzen, über 300 Gramm des berauschenden Grases mit einem Wirkstoffgehalt von rund 38 Gramm THC - dem Fünffachen der "nicht geringen Menge" - abwerfen würde, hatte der Angeklagte mit dem grünen Daumen ebenso wenig geahnt wie die Tatsache, dass er am Mittwoch zum ersten Mal in seinem Leben auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen musste, wo ihn die Staatsanwaltschaft nicht nur des Besitzes, sondern auch des Rauschgifthandels bezichtigte.

Dies wies der Hobby-Gärtner weit von sich und hatte am Ende Erfolg. Denn das Schöffengericht verurteilte ihn "nur" wegen des Besitzes von Drogen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die das Gericht vor allem deswegen für drei Jahre zur Bewährung aussetzte, weil der Gras-Freund bislang strafrechtlich eine weiße Weste hat. Als Auflage muss der Verurteilte 1000 Euro an den Bund Naturschutz berappen.

Mittlerweile clean?

Die große Menge an Stoff habe er nicht geplant. Der Anbau sei besser als erhofft gelaufen, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt verlauten. Wegwerfen wollte er jedoch nichts, sondern sich einen Vorrat in Gläsern aufbewahren. Mittlerweile konsumiere er kein Gras mehr, versicherte der 28-Jährige. Sein Arbeitgeber wisse Bescheid und kontrolliere seine Abstinenz mit Drogenscreenings.

Auf die Schliche kam die Kripo Schweinfurt dem Angeklagten durch eine Wohnungsdurchsuchung in Haßfurt. Dort verkauften zwei Brüder einem Kripobeamten in Zivil 70 Gramm Kokain und eine unbekannte Menge Haschisch. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung stießen die Beamten auch auf die Kellerwohnung, in der der Angeklagte damals lebte.

Den Beamten stieg der süßliche Cannabis-Geruch in die Nase. Außerdem fiel ihnen ein goldener Crusher, eine Drogen-utensilie, auf, der auf einem Tisch lag. Die Beamten fanden in der Kellerwohnung eine professionelle Cannabis-Aufzuchtanlage mit Beleuchtung, Be- und Entlüftung und Düngemittel in zwei Räumen mit drei 120 Zentimeter großen und erntereifen Cannabis-Pflanzen und getrockneten Pflanzen. Auf der Terrasse befanden sich mehrere 20 Zentimeter hohe Setzlinge des Grases. Außerdem fanden die Beamten zwei Schreckschusswaffen.

Verdacht erhärtete sich nicht

Die beiden Brüder, die dick im Drogengeschäft aktiv waren, wurden vom Landgericht Bamberg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Weil der Angeklagte in ihrer Nähe wohnte und Kontakt zu ihnen hatte, vermutete die Staatsanwaltschaft, dass auch der Angeklagte Handel mit Betäubungsmitteln getrieben hat. Allerdings ließ sich dieser Verdacht nicht erhärten. Denn die Ermittler der Kriminalpolizei Schweinfurt fanden bei der Durchsuchung keine Hinweise auf einen Handel wie Feinwaagen, Druckverschlusstütchen oder Schuldnerlisten. Auch auf dem Handy des Angeklagten fanden sie keine verdächtigen Chat-Verläufe.

Die Staatsanwältin plädierte dennoch auf vorsätzliches Handeln und Besitz von Rauschgift. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten.

Verteidiger Stefan Wagner hielt sieben Monate auf Bewährung für ausreichend. Es sei der einzige Fehltritt, den sich sein Mandant in seinem Leben erlaubt habe, argumentierte er.

Dies hielt ihm das Gericht ebenso zugute wie die Tatsache, dass die verurteilten Rauschgiftbrüder "kein Gras im Bauchladen" hatten, wie sich Richterin Ilona Conver ausdrückte. Der Angeklagte akzeptierte das Urteil noch im Gericht. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig.

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