Ebern

Notfalls bis zum Bürgerentscheid

Eine Gruppe Eberner Bürger ist fest entschlossen, den Bau eines riesigen Hochregallagers in Eyrichshof zu verhindern. In ihrer ablehnenden Haltung haben sie bei einer Unterschriftenaktion 754 Unterstützer gefunden.
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Die Unterschriften der Bürgerinitiative Eyrichshof nehmen Petra Meixner und Ute Linß (Mitte von rechts) von der Stadt Ebern entgegen. Weiter auf dem Foto (von links): Kerstin Fertsch-Angermüller, Adalbert Holzberg sowie (von rechts) Hermann von Rotenhan und Peter Fuchs.  Foto: Helmut Will
Die Unterschriften der Bürgerinitiative Eyrichshof nehmen Petra Meixner und Ute Linß (Mitte von rechts) von der Stadt Ebern entgegen. Weiter auf dem Foto (von links): Kerstin Fertsch-Angermüller, Adalbert Holzberg sowie (von rechts) Hermann von Rotenhan und Peter Fuchs. Foto: Helmut Will

Die Auseinandersetzung um das geplante Hochregallager der Firma Uniwell in Eyrichshof geht in die nächste Runde. Am Dienstagnachmittag übergaben Vertreter der Bürgerinitiative (BI) an die Verwaltung der Stadt Ebern eine Unterschriftenliste, auf der sich 754 Bürger gegen das Hochregallager in Eyrichshof wenden. Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) war verhindert und konnte die Unterschriftenliste nicht selbst in Empfang nehmen. Daher nahmen Petra Meixner und Ute Linß von der Verwaltungsgemeinschaft die Liste entgegen. Ein mögliches Bürgerbegehren ist somit auf den Weg gebracht.

Die Frage, die den Bürgern von der BI gestellt wurde, lautet: "Sind Sie dafür, dass die Stadt Ebern mit den zulässigen rechtlichen Maßnahmen sicherstellt, dass im Gewerbegebiet Eyrichshof kein Hochregallager, höher als zehn Meter, bezogen auf den Höhenfestpunkt, errichtet wird?"

Das Begehren wendet sich gegen einen geplanten Gebäudekomplex mit mehr als 230 Metern Länge und 21 Metern Höhe. Schon vor Wochen wurden Besprechungen und Versammlungen mit Bürgern, Vertretern der Firma Uniwell und der Stadt Ebern abgehalten. Die letzte Besprechung "in großer Runde" fand vor einigen Tagen statt.

Dazu sagt Adalbert Holzberg von der BI: "Man hat uns hier nicht einen einzigen Vorschlag gemacht, wie es weitergehen könnte; da kam gar nichts."

Diesen Eindruck unterstreicht Metzgermeister Peter Fuchs als weiteres Mitglied der BI. "Ich muss sagen, dass ich kein Entgegenkommen feststellen konnte. Ein neuer Vorschlag oder eine andere Umsetzung der Planung ist nicht gekommen. Ich bin total enttäuscht."

Die Bürgerinitiative habe man gegründet, um gegen das geplante Hochregallager in Eyrichshof vorzugehen", sagt Hermann von Rotenhan. Es seien knapp 800 Unterschriften gesammelt worden, wovon jedoch nur 754 zählen, da weitere Personen unterschrieben, die nicht im Bereich der Stadt Ebern wohnen. "Wir gehen nun in die nächste Phase in Richtung Bürgerentscheid und wir sind davon überzeugt, was wir tun", so der Baron.

Vertrauensverlust

Adalbert Holzberg spricht von einem "Verlust an Vertrauen in die lokale Kommunalpolitik in Bezug auf die bestehende Bebauungsplanung". Viele Bürger befürchteten, dass ihre Grundstücke in der Nachbarschaft der Firma Uniwell darunter leiden, würde das Hochregal errichtet. Holzberg führt auch die Metzgerei Fuchs und die Firma Angermüller an, die neben der Firma Uniwell ihre Unternehmen haben.

Peter Fuchs merkt an, dass die Metzgerei Zukunftspläne habe. "Wir haben drei Juniorchefen in der Firma und es soll so etwas wie eine Erlebnisgastronomie, eine Convenience-Küche, entstehen nach dem Motto ,Schnelle Küche frisch auf den Tisch'." Das Hochregallager würde solche Pläne komplett zerstören.

"Wir von der BI sind mit den Nachbarn, die es direkt betrifft, solidarisch", sagt Holzberg. Auch wolle man der Landschaftsverschandelung entgegentreten. "Da die Natur keinen Anwalt hat, setzen wir uns ein."

Wer im neuen Baugebiet links der Kurzewinder Straße wohne, könne auf keinen Fall über das Hochregal, wie es geplant ist, drüberschauen. Der Blick in das Baunachtal wäre komplett abgeschirmt. Hermann von Rotenhan hat eine Ansicht dabei, die den Blick vom "Alten Schafstall" an der Kurzewinder Straße in Richtung der Firma Uniwell zeigt. Hier hat man dargestellt, wie das Hochregallager in der Landschaft wirken würde. "Gerade die Sicht vom Schafstall ist eine, die sehr viele Anwohner von Eyrichshof haben", sagt der Baron.

Vom Landrat angehört

Peter Fuchs, Mitinhaber der gleichnamigen Metzgerei, die wenige Meter nordöstlich der Firma Uniwell liegt, weist darauf hin, dass die BI schon ein Gespräch bei Landrat Wilhelm Schneider hatte. "Da sind wir eigentlich das erste Mal richtig angehört worden und wir konnten unsere Bedenken vortragen."

Wenn sich aufgrund der Unterschriften nichts bewegt, werde man in Richtung Bürgerbegehren planen. Die Unterschriften hierzu würden reichen. Auch scheue man sich nicht, einen Bürgerentscheid herbeizuführen, so Hermann von Rotenhan.

Adalbert Holzberg übt allgemein Kritik an der Vorgehensweise bei der Behandlung des Bauvorhabens. Wohl habe es im Mitteilungsblatt der Stadt Ebern gestanden, aber daraus sei nicht ersichtlich gewesen, dass hier etwas Größeres entstehen soll. "Gott sei Dank können die Bürger aber auch zwischen den Zeilen lesen", so Holzberg. Seiner Meinung nach wäre der Stadtrat hier in der Pflicht gewesen. In der entscheidenden Sitzung des Stadtrates sei es zu keiner Diskussion gekommen, obwohl es um den "größten Bau im Landkreis Haßberge" und "die größte Landschaftsverschandelung überhaupt" gehe.

Angesprochen auf Arbeitsplätze, die mit dem geplanten Hochregal kommen könnten, sagt Holzberg: "Das ist diesmal ein Totschlagargument." Er verweist auf die Diskussion um das gescheiterte "Fleisch-in-der Flasche"-Projekt in der ehemaligen Kaserne, bei dem ebenfalls Arbeitsplätze im Vordergrund gestanden hätten. Durch interne Interessen seien diese nach Meinung Holzbergs in den Hintergrund geraten: "Man misst hier bei den Entscheidungsträgern mit zweierlei Maß."

Aufgrund der genannten Argumente ist die BI fest entschlossen, das Hochregallager zu verhindern, gegebenenfalls durch einen Bürgerentscheid.

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