Hirschaid
hirschaid.inFranken.de  Hirschaider Wasserretter bilden 20 Floriansjünger für Sanitätsdienstleistungen aus.

Notfallkoffer statt Schlauch und Spritze

"Diese Wochenenden waren es mir wert!", freut sich Jan Neubert über den Abschluss der Sanitätsausbildung bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Hirschaid. Er und 19 weitere Frauen und M...
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Lena Gropp mit ihrem Kameraden bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung Foto: Horst Auer
Lena Gropp mit ihrem Kameraden bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung Foto: Horst Auer

"Diese Wochenenden waren es mir wert!", freut sich Jan Neubert über den Abschluss der Sanitätsausbildung bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Hirschaid. Er und 19 weitere Frauen und Männer aus dem ganzen Landkreis haben sich in 48 Unterrichtseinheiten oder 36 Stunden erforderliches Fachwissen und praktische Fertigkeiten unter der Leitung von Ausbilder Andreas Dietz angeeignet, um die nun absolvierte Prüfung im Februar zu meistern. Dass er und seine Kameraden nicht bei der Familie sein konnten, nahm er gerne in Kauf.

Auf dem umfangreichen DLRG-Lehrplan standen Themen wie Schock, Schlaganfall, Herzinfarkt, Asthma oder Atemnot. Auch das Anfertigen von Verbänden, die Behandlung von Hitze- und Kälteschäden, Knochenbrüche und Schienungen sowie Rettung und Transport von Notfallbetroffenen sind für die Lehrgangsteilnehmer keine Fremdwörter mehr. Selbst die Handhabung eines manuellen Blutdruckmessgerätes, Blutzuckermessung, Bedienung eines Defibrillators, die Gabe von Sauerstoff oder gar die ersten Vorbereitungen für eine Infusion durch den Notarzt, wurden trainiert.

"Ich habe die Ausbildung gemacht, weil ich mit dem erlernten Wissen Menschen helfen möchte. Man kann tagtäglich mit einem Notfall konfrontiert werden, zum Beispiel im Beruf, in der Freizeit oder im Feuerwehralltag", begründet Jan Neubert von der Feuerwehr in Großgressingen seine Teilnahme. Für ihn ist es wichtig, dass er mit seiner örtlichen Wehr geschultes Personal für die medizinische Erstversorgung stellen kann. "Nach Großgressingen braucht der Rettungsdienst bzw. Notarzt etwa 20 Minuten. Bei einer Reanimation zählt hier jede Minute. Diese Minuten wollen wir nun mit unseren fünf ausgebildeten Sanitätern überbrücken", so Neubert.

Groß geschrieben wurde der praktische Teil in der Ausbildung. In zahlreichen realistischen Fallbeispielen, die von entsprechend geschulten Unfalldarstellern der DLRG inszeniert wurden, wurden die Teilnehmer gefordert, das Erlernte umzusetzen. Dabei wurden sie mit Notfallszenen konfrontiert, wie sie möglicherweise auf die neuen Sanitäterinnen und Sanitäter zukommen können. In Zweier-Teams waren gezielte Hilfeleistungen gefordert. Von der psychischen Betreuung, dem Abfragen der Umstände der Notfallsituation über den Notruf bis hin zur Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Einsatz des Defibrillators und auch Sauerstoff - soweit ging dann auch in der Abschlussprüfung das neue Aufgabengebiet.

Das Schwierigste war eigentlich nur immer an alle Details zu denken. "Man muss teilweise schon auf vieles gleichzeitig achten, und bei mangelnder Routine wird man da schon ein bisschen nervös", sagt Lena Gropp von der Feuerwehr Geisfeld. Sie empfand es gerade am Anfang eines Kurses sehr belastend, ein Symptom zu übersehen oder falsch einzuordnen und dann den Patienten womöglich nicht ganz richtig zu versorgen. Hier konnte jedoch Ausbilder Dietz Entwarnung geben. "Diese Nervosität ist völlig nachvollziehbar und normal. Keiner möchte in diesem Bereich einen Fehler machen. Aber genau dafür lässt man sich ja ausbilden und übt alles", konnte Dietz beruhigen.

Kreisbrandmeister Tobias Schmaus sieht den Grund für die erneute Zusammenarbeit in der jahrelangen Erfahrung der Hirschaider Lebensretter. "Wir setzen ganz einfach auf das Fachwissen und die umfangreiche Erfahrung, die im Bereich First-Responder mitgebracht werden." "Als ehrenamtliche Sanitäter sind die DLRG-Helfer meistens als erstes am Notfallort. Seit mehr als zehn Jahren machen die das schon!" Mit dem Erlernten möchten auch Jan Neubert und seine Mitstreiter den Bereich "medizinische Erstversorgung" übernehmen.

Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann und Hirschaids Erster Bürgermeister Klaus Homann überzeugten sich dann auch am Prüfungstag davon, wie gut Ausbildung und Organisation verlaufen sind. In ihren Worten dankten sie sowohl Teilnehmern als auch Ausbildern für das Engagement für den Dienst am Nächsten. Und wenn es nun zu einem realen Notfall kommt, "werde ich sicher noch etwas nervös sein", befürchtet Lena Gropp. Dennoch ist sie sich sicher, dass sie sich an das Erlernte erinnern wird. "Schließlich sollen die Wochen nicht vergebens gewesen sein", lächelt sie zuversichtlich und bereitet den Notfallkoffer für den nächsten Prüfling vor. Horst Auer

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