Bad Staffelstein

Nordöstlichster Winzer Frankens

Eine muntere Schar ließ sich von Wegen, Wissen sowie Löwentaler und Domina verwöhnen.
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Wein, Rast und Informationen mitbekommen - so wie hier durch den Winzer vom Staffelberg, Jürgen Schneidawind.  Fotos: Markus Häggberg
Wein, Rast und Informationen mitbekommen - so wie hier durch den Winzer vom Staffelberg, Jürgen Schneidawind. Fotos: Markus Häggberg
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Am Ende wurde es "richtig schön", wie sich ein Wanderer ausdrückte. Zu diesem Zeitpunkt saß er mit rund 20 weiteren Personen auf acht überdachten Quadratmetern und suchte Schutz vor dem aus dem Coburger Land eintreffenden Regen. "Löwentaler und Domina: Edle Tröpfchen auf dem Staffelberg" - ein Wandererlebnis, das gleichzeitig die Halbzeit des 13-teiligen Tourismusangebots markierte.
Mittwoch, 10 Uhr: Abmarsch von der Alten Darre zu Stadtmuseum und Kilianskirche. Wanderführerin Hildegard Wächter geht voran, in Richtung Aufklärung und Genuss. Aufzuklären galt es die 20 Menschen hinter ihr, dass St. Kilian eben nicht der Schutzpatron der Winzer ist. Das nämlich ist der heilige Urban, ganz im Gegensatz zu dem, was Victor von Scheffel einst so dichtete.


Wo die Winzerfahne hängt

Erste Anlaufstation, um das zu erhellen und zu besprechen, war das Stadtmuseum, wo die Fahne einer Winzerbruderschaft hängt. Eine Staffelsteiner Bruderschaft, die auch besonders in Erntezeiten füreinander einstand. Nach dem Museumsbesuch begann die Wanderung erst richtig, führte Richtung Süden durch Wälder beim Morgenbühl und einen Steinwurf vom Dornig entfernt. Gelegenheit, um mit Wanderführerin Hildegard Wächter ein paar Worte zu wechseln. Darüber, dass diese Wandertouren bei rund 20 Personen als ausverkauft gelten und darüber, dass die Genusswanderungen erst vor vier Jahren vom Kur- und Tourismusservice eingeführt wurden. Mehr noch: Von einst sechs Wanderungen stieg die Anzahl auf 13 im Jahr 2018.
Ein weiterer Höhepunkt der Wanderung bestand in der Einkehr in der Fuchsenmühle in Horsdorf - deftige Brotzeit inklusive. Dazu passend die Einschätzung eines Mitwanderers, der erstmalig mitging: Uwe Dimmer aus Lichtenfels. Zwischen Stock und Stein hielt er große Stücke auf das Erlebte, vor allem "auf das Essen natürlich und die Kompetenz", womit er das Wissen Wächters meinte. Letztes großes Erlebnis nach Zurücklegen eines kilometerlangen Weges war das Hinaufgehen auf halbe Höhe des Staffelberges. Dort wartete Jürgen Schneidawind, der nach eigenen Worten letzte nordöstliche Winzer Frankens. Schon seit dem 13. Jahrhundert wird bei Staffelstein nachweislich Wein angebaut, vermutlich sogar schon seit dem elften Jahrhundert. Schneidawind sollte nicht nur mit dem Akkordeonspieler Michael Diller für ein musikalisches Rahmenprogramm sorgen, sondern auch von eigenen Recherchen erzählen. Beispielsweise von der, wonach im 16. Jahrhundert bei Staffelstein Wein billiger war als Bier. "Es war ein Volksgetränk" und Orte wie Loffeld oder Horsdorf seien vom Weinbau geprägt worden, ganz zu schweigen von Weingarten. In ihnen habe sogar "ein Haupterwerb" gelegen. Jedoch habe im 17. und 18. Jahrhundert der Abstieg des Weinanbaus in und um Staffelstein begonnen, so Schneidawind, der auf halber Höhe des Staffelbergs über 1200 qm Rebfläche besitzt.
Hier spielte Michael Diller auf, ein Rentner am Akkordeon, ein Mann, der zu gerne seine Zuhörer unterhält und zwischen Trinkliedern und Seemannsliedern abzuwechseln vermochte. Dass dann der Regen kam, trug nur zur Gemütlichkeit bei. Die Wanderer wussten sich zu helfen, denn sie rückten zusammen und nahmen Verkostungen vor, bevor der gemeinsame Abstieg samt Rückkehr nach Bad Staffelstein begann. Einhellig bekam das Geschehen Lob von den Teilnehmern¸ unter denen es nicht nur schon erfahrene Mitwanderer, sondern auch "Novizen" diesbezüglich gab.


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