Untersteinach

Nochmal Dampf im Wasserkessel

Viele Fragen zur Untersteinacher Wasserversorgung - und der Wunsch nach einem "Rettungsfest".
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Die Zukunft des Brunnens Pressecklein ist zwar gesichert, dennoch gab es in der außerordentlichen Bürgerversammlung noch einmal viele Fragen. Foto: Archiv/Peter Müller
Die Zukunft des Brunnens Pressecklein ist zwar gesichert, dennoch gab es in der außerordentlichen Bürgerversammlung noch einmal viele Fragen. Foto: Archiv/Peter Müller

Der Gemeinderat hatte den Wasserstreit in Untersteinach am 24. April beendet und einstimmig die Weichen für die Zukunft gestellt. Trotzdem fand jetzt noch eine außerordentliche Bürgerversammlung zum Thema Trinkwasser statt. Der Grund: Bereits Ende Februar hatten Bürger der Verwaltung ein "Geheft" übergeben, in dem sie eine erneute Aufklärungsversammlung beantragten.

Nach Recht und Gesetz musste innerhalb von drei Monaten eine Bürgerversammlung stattfinden, führte Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) aus. "Es wird im Herbst selbstverständlich die regulär stattfindende Bürgerversammlung geben. Die heutige dreht sich nur ums Wasser", betonte er.

Um es vorweg zu nehmen: Die Bürgerversammlung zog sich durch die sich immer wiederholenden Anschuldigungen und Zweifel in die Länge.

In einem 15-minütigen Vortrag stellte Schmiechen noch einmal den Status quo dar - inklusive Vorgeschichte. So habe der Gemeinderat beschlossen, dass der Brunnen Pressecklein erhalten werden soll. Allerdings wird künftig nicht die ganze Kommune mit dem Brunnenwasser versorgt, über eine zusätzliche Ringleitung soll die Hochzone von der Fernwasserversorgung Oberfranken beliefert werden. Praktischerweise gibt es für den Bau der Ringleitung einen Förderanteil von 50 Prozent oder mehr, der aufwendige Neubau der Hochbehälter entfällt. Und durch diese Lösung ist laut Volker Schmiechen auch die Löschwasserversorgung gesichert.

Die Kosten für die Misch-Variante beliefen sich auf schätzungsweise 620 500 Euro netto, die sei damit die wirtschaftlichste Lösung. Schmiechen mahnte die Bürger, die Versammlung nicht für Monologe oder für Endlos-Fragen nach dem Motto "Was wäre, wenn?" zu nutzen, sondern um konkrete Fragen zu stellen. Ein ganzer Fragenkatalog von Bernhard Herrmann war der Verwaltung bereits im Vorfeld zugegangen. Wie hoch die Entgelte nach dem Bau sein werden, konnte Schmiechen nicht beantworten. "Ich müsste Hellseher sein", sagte er und betonte, dass noch nicht einmal die Ausschreibung erfolgt sei.

Kosten sollen auf den Tisch

Der Bürgermeister verlas die Fragen und gab auch gleich die dazugehörigen Antworten. Doch Bernhard Herrmann wiederholte seinen Fragenkatalog und forderte eine schriftliche Offenlegung der Kosten sowie eine Sanierung des Brunnens Pressecklein. Schon 2006 seien dort erhebliche Mängel festgestellt worden. Herrmann zitierte aus Gemeindeunterlangen, wonach "Scheuerstellen und ausgerundete Filterschlitze, eine schadhafte Rohrverbindung und ein Riss in der Rohwand" vorliegen. "Damit das Pressecklein erhalten bleibt, braucht es Pflege, Instandsetzung und den neuesten Stand der Technik", so Herrmann. Er betonte, dass der Brunnen eine Förderleistung von 116 000 Kubikmeter bringen würde. Wenn das Wassernetz instandgesetzt sei, sei dies ausreichend, um Untersteinach und zusätzlich Ludwigschorgast zu versorgen.

Hans-Reiner Meisel (FW-WGU) forderte einen Masterplan. "Man muss den Bürgern einen genauen Zeitplan vorstellen, wann die Baumaßnahmen erledigt werden", monierte er. Dies könne erst nach der Submission erfolgen, sagte der Untersteinacher Bürgermeister.

Auch Tobias Eichner nutzte die Bürgerversammlung, um ein vierseitiges Fragenpapier vorzutragen. Helmut Bergmann von der Wählergemeinschaft Untersteinach zog die Kostenberechnungen für eine Leckage-Ortung mittels Gas in Zweifel.

"Wundersame Fügung"

Gemeinsam mit Eichner rief Bergmann noch einmal die Wasserlieferverträge mit der FWO in Erinnerung. Volker Schmiechen hatte diese parat. Doch Bergmann und Eichner hatten einen eigenen Computer dabei, den sie an den Beamer anschlossen. Sie ließen die Zahlen der letzten 14 Jahre Revue passieren. "Die wirtschaftlichste Lösung ist nicht immer die günstigste Lösung für die Bürger", sagte Bergmann. Aussagen des Bürgermeisters, dass eine Härtefallförderung nicht infrage komme, weil hierfür Investitionskosten in Höhe von knapp 1,6 Millionen Euro fehlten, zog Bergmann ebenfalls in Zweifel. "Wir sind nicht naiv und werden uns für den Erhalt des Brunnens einsetzen." Die "wunderbare Fügung" habe es sicher "nicht für einen Appel und ein Ei" gegeben, machte er vieldeutige Andeutungen.

Nachdem Cornelia Wehner (SPD) gemahnt hatte, dass nicht nur die Gruppe Herrmann-Bergmann-Eichner zu Wort kommen sollte, drohte die Zusammenkunft zu eskalieren, es kam zu Angriffen auf die früheren Verantwortungsträger. "Wir mussten im Jahr 2004 dankbar sein, dass uns die FWO zur Seite gesprungen ist. Wir mussten doch das Wasser kaufen, auch wenn es teuer war - das war eine Sicherung der Versorgungssicherheit", stellte CSU-Gemeinderat Reiner Seiffert klar.

Gemeinderat Markus Weigel (FW-WGU) hoffte, dass es keine bösen Überraschungen bei den Kosten geben werde.

Schließlich ging die Bürgerversammlung mit dem Antrag von Helmut Bergmann zu Ende. Er forderte ein Fest zur Rettung des Brunnens Pressecklein. Dieses sollte zeitgleich mit dem Aufstellen der Osterkrone am Gemeindebrunnen stattfinden. Alle Vereine sollten mitwirken.

"Ehrlicher Antrag" zum Schluss

"Als Schirmherr der Veranstaltung schlagen wir den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber oder die beiden Landtagsabgeordneten Rainer Ludwig und Martin Schöffel vor, die sich um den Erhalt des Brunnens Pressecklein politisch besonders verdient gemacht haben", so der Antrag. Alternativ könne auch der jeweils amtierende Bürgermeister als Schirmherr dienen. "Das ist nicht polemisch gemeint, sondern ein ehrlicher Antrag", so Bergmann.

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