Bischberg

Nobelpreis für den Krippenbauer

Der Bischberger Karl-Heinz Exner baut seit 70 Jahren Krippen. Dieses Jubiläum gibt Anlass für eine Krippenausstellung im Bischberger Schloss. Ein ganz besonderes Diplom weist ihn als Meister seiner Zunft aus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Karl-Heinz Exner konzentriert bei der Arbeit an einer neuen Krippe Foto: Antonia Wild
Karl-Heinz Exner konzentriert bei der Arbeit an einer neuen Krippe Foto: Antonia Wild

Zuerst kommt der Stall, dann Stück für Stück die Figuren. Liebevoll drapiert Karl-Heinz Exner jede einzelne von ihnen. Der Gesamteindruck muss stimmen, die Szene soll nicht statisch, sondern lebendig aussehen. Erst wenn alle Figuren ihren Platz gefunden haben, ist Exner zufrieden und kann zur nächsten Krippe übergehen.

Karl-Heinz Exner ist eine Berühmtheit in der europäischen Krippenbauszene. Ausgezeichnet wurde er vom Weltkrippenverband mit dem Un-Foe-Prae Diplom, dem "Nobelpreis für Krippenbauer" und vielen weiteren Ehrungen. Sogar eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. hatte er. Nun baut Exner schon seit 70 Jahren Krippen und hält dazu auch international Lehrgänge ab.

Angefangen hat Exners Leidenschaft für Krippen 1949, vier Jahre, nachdem er und seine Familie von Schlesien nach Bischberg geflohen waren. Damals zeigte eine Nachbarin dem sieben Jahre alten Karl-Heinz Exner ihre Krippe. "Zuerst hat sie mich beiseite genommen und mir erklärt, was da so alles drinnen ist in so einer Krippe", erzählt Karl-Heinz Exner. Danach kam er noch viele weitere Male zu Besuch, bis ihm die Nachbarin schließlich eine eigene Figur schenkte.

Von da an sparte Exner für weitere Figuren. Er erledigte Botengänge und sammelte das Silberpapier von Zigarettenschachteln, bis es wieder für neuen Krippenzuwachs reichte.

"Dann bin ich immer zum ‚Poppenberger‘ nach Bamberg gelaufen und hab mir ein Schaf nach dem anderen geholt", sagt Exner. Schon ein Jahr darauf, an Weihnachten 1950, hatte Familie Exner ihre eigene Krippe, geschnitzt von Exners Vater.

Zum Beruf wurde Exners große Leidenschaft nie. Auch bis heute fertigt er Krippen auf Anfrage nur für eine kleine Aufwandsentschädigung. Ihm geht es darum, das Krippenbauen weiterzugeben. "Wenn Privatleute auf mich zukommen, helfe ich ihnen lieber dabei, dass sie ihre eigene Krippe bauen, anstatt sie ihnen fertig zu geben", erklärt der Krippenbauer. Und auch für Gemeinden, Firmen oder Institutionen wie die Polizei hat Exner schon Krippen gebaut. "Ein Höhepunkt war die Polizeikrippe Anfang des Jahrtausends; da habe ich Maria und Josef als Asylanten in einer Bushaltestelle dargestellt - die Krippe ist gerade in den letzten Jahren der Renner", sagt Exner.

Für seine diesjährige Jubiläumsausstellung hat Exner neben der Polizeikrippe und anderen Klassikern auch ein paar neue Krippen in Szene gesetzt. "Der absolute Höhepunkt soll die Papstkrippe werden; darin freuen sich unsere letzten vier Päpste mit Maria und Josef über die Geburt Jesu", erklärt er. Auch Exner selbst ist Teil der Szene, dem Foto von seiner Papstaudienz nachempfunden. Bei den meisten Krippen hat Exner selbst nur die eigentliche Krippe gestaltet, die Figuren fertigen befreundete Künstler für ihn. "Besonders oft arbeite ich mit einer Südtiroler Firma zusammen; die haben mir auch meine eigene Krippenfigur geschnitzt", sagt er. Bei jeder Krippe sind Figuren und Szenerie fein aufeinander abgestimmt. "Da muss man wirklich ein Auge fürs Detail haben, dass die Blickrichtung jeder Figur stimmt und die Szene auch bibelgetreu dargestellt ist", erklärt Exner.

Nach 70 Jahren Krippenbauen trägt Exner immer noch dieselbe Mission im Herzen. "Dass ich Krippen baue, ist mein Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums", sagt Exner stolz. Als gläubiger Katholik bedeutet das Handwerk für ihn mehr als eine Freizeitbeschäftigung. "Und Spaß macht es natürlich auch; vor allem, wenn ich Kurse mit Kindern zusammen mache, das ist immer eine Mordsgaudi", erzählt er.

Mit Liebe zum Detail

Im Unteren Schloss stellt Exner seine Krippen nun bis Ende des Jahres aus. Dass er bei seiner Ausstellung viel Unterstützung von kirchlicher Seite und von der Gemeinde Bischberg bekommt, freut Exner sehr. Am meisten hilft ihm aber die eigene Familie. "Meine Tochter und ich sitzen oft zusammen bis zum Abend in den Ausstellungsräumen und haben alles für die Eröffnung vorbereitet", sagt er. Und auch seine Frau unterstützt ihn bei seinem Schaffen. "Sie gibt mir oft gute Inspirationen, wie man eine Krippe noch lebendiger gestalten kann, damit sie ein richtiges Unikat wird", sagt Exner voller Freude.

So ist es möglich, dass er den Bischbergern auch im hohen Alter noch eine Ausstellung aus rund 40 selbst gebauten Krippen präsentieren kann.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren