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Niedrigzinsphase: Sparkasse kündigt die Prämiensparverträge

Andreas Dorsch Immer mehr Sparer bekommen inzwischen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank direkt zu spüren. Ein aktuelles Beispiel liefert die Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurac...
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Johannes von Hebel
Johannes von Hebel

Andreas Dorsch Immer mehr Sparer bekommen inzwischen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank direkt zu spüren. Ein aktuelles Beispiel liefert die Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach, die jetzt ankündigt, die Prämiensparverträge mit ihren Kunden kündigen zu müssen.

Seit 1993/1994 hatten die Kunden der Sparkasse Erlangen - übrigens ebenso die der ehemaligen Kreissparkasse Höchstadt - die Möglichkeit, Prämiensparverträge abzuschließen. Dabei floss eine monatliche Rate aufs Sparbuch und am Ende des Jahres gab es eine Prämie, die bei drei Prozent begann und sich Jahr für Jahr bis auf 50 Prozent der jährlichen Sparrate steigerte. Bei älteren Verträgen gab es auf die Einlagen auch noch einen normalen Grundzins. Die Verträge liefen über 15, manche auch über 20 Jahre. Und es gab auch alte Verträge ohne Laufzeitbegrenzung. Für viele Kunden war das Prämiensparen eine lukrative Möglichkeit, Geld anzulegen.

Wie Vorstandsvorsitzender Johannes von Hebel jetzt ankündigt, muss auch die Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach die Prämiensparverträge kündigen. Gekündigt werden aber nicht alle auf einmal, sondern nur die, die die vertraglich vereinbarte höchste Prämienstufe erreicht haben. Alle anderen laufen noch bis zu diesem Zeitpunkt weiter.

Der Bundesgerichtshof hat mit seinem Urteil vom 14. Mai 2019 Sparkassen diese Möglichkeit eingeräumt, die schon viele genutzt haben. Jetzt sieht sich auch die Sparkasse Erlangen dazu gezwungen.

Von Hebel empfindet diesen Schritt "angesichts der dramatischen Zinssituation mit Minuszinsen für Bundesanleihen als höhere Gewalt für die regionalen Filialbanken". Als Vorstandsvorsitzender einer Anstalt des öffentlichen Rechts sieht er es als seine Pflicht an, "um nicht zuletzt auch das Vermögen der Sparkasse zu schützen".

"Wir folgen dem Druck, der auf uns ausgeübt wurde", sagt von Hebel im Gespräch mit dem FT. Für die Sparkasse ist die Kündigung der Prämiensparverträge eine Möglichkeit, ihren Zinsaufwand zu reduzieren. Laut von Hebel verwaltet seine Sparkasse Einlagen in Höhe von 5,4 Milliarden Euro. Davon stammen 4,4 Milliarden von Privatkunden, "von denen wir keine Minuszinsen nehmen".

Dass die Kündigung der Prämiensparverträge die Erwartungen mancher Kunden enttäusche, sei dem Sparkassenchef klar. Ihnen biete man alternative Anlagemöglichkeiten. Und die Kunden, mit denen man bereits gesprochen habe, würden mit großem Verständnis auf die Situation reagieren.

Die aktuelle Zinspolitik zwingt alle Geldinstitute auf Sparkurs. Bei der Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach wurde im Bereich Personal bereits gespart und die ein oder andere frei gewordene Stelle nicht mehr besetzt. "Aber mit dem Personalabbau sind wir jetzt durch", sagt von Hebel. Wie lange das Sparkassen-Filialnetz noch so dicht bleibt, hänge auch davon ab, wie hoch in Zukunft die Kundenfrequenz in den einzelnen Filialen ist.

Während die Sparkasse die Prämiensparverträge kündigt, stehen ähnliche Sparverträge bei der VR-Bank noch nicht auf der Agenda, sagt Gabriele Stiefler, Leiterin Unternehmenskommunikation der VR-Bank Erlangen. Für die Zukunft lasse sich aber ein ähnlicher Schritt nicht ausschließen.

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