Höchstadt a. d. Aisch

Nie zu alt fürs Internet

An der Volkshochschule Höchstadt gibt es einen Kurs für Senioren zum Umgang mit Whatsapp. Dozent Stefan Kotzer erzählt, warum auch für die ältere Generation das Thema wichtig ist.
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Die Zeit, den Senioren das Internet zu erklären, nehmen sich die wenigsten jüngeren Familienmitglieder. Das ärgert einige der Senioren, erzählt Stefan Kotzer, der spezielle Seminare dazu anbietet.  Symbolfoto: Fotolia
Die Zeit, den Senioren das Internet zu erklären, nehmen sich die wenigsten jüngeren Familienmitglieder. Das ärgert einige der Senioren, erzählt Stefan Kotzer, der spezielle Seminare dazu anbietet. Symbolfoto: Fotolia
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Für junge Menschen ist im Internet zu surfen, auf Whatsapp Sprachnachrichten zu verschicken oder auf Instagram Bilder zu posten selbstverständlich und ein Kinderspiel. Für Senioren, die damit noch gar keinen oder kaum Kontakt hatten, ist das eine völlig fremde Welt. Bei all den vielen Fragen und Unsicherheiten hilft Stefan Kotzer in seinen VHS-Kursen zu Whatsapp weiter.

Herr Kotzer, Sie arbeiten ja normalerweise mit Unternehmen zusammen und helfen ihnen bei ihren Facebook-Auftritt. Wie kam es dazu, dass Sie einen Kurs an der Volkshochschule für Senioren zum Thema Whatsapp anbieten?

Stefan Kotzer: In Erlangen biete ich an der Volkshochschule schon länger Facebook-Kurse für Unternehmen an. In Höchstadt ist es jetzt für mich das erste Mal. Eigentlich war es eher Zufall. Roswitha Wiegand von der VHS fragte mich, ob ich den Kurs übernehmen könne, da die Dozentin ausfiel. Ich habe dann sofort zugesagt, weil mir das einfach Spaß macht.

Warum ist das Thema überhaupt auch bei Senioren relevant?

Es ist einfach ein Bedarf da. Wir haben den demografischen Wandel und die Menschen werden immer älter. Deswegen sollte man auch sie an der Digitalisierung teilhaben lassen. Ich glaube, dass dieser Bereich in den kommenden Jahren noch ausgebaut werden muss.

Aus welchen Gründen kommen die Senioren dann zu Ihren Kursen?

Einige haben mir schon erzählt, dass es sie etwas verärgert, weil sie in ihren Familien eigentlich genug junge Leute hätten, die ihnen das alles erklären könnten. Aber die haben natürlich meistens nicht die Geduld dazu. Ich finde es dann toll von den Senioren, sich bei so einem Kurs anzumelden.

Wie kann man sich den Ablauf des Kurses vorstellen?

Mein erster Kurs war etwas chaotisch. (lacht) Ich hab eine schöne Powerpoint-Präsentation vorbereitet. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das so nichts wird. Also habe ich mich zu jedem der Kursteilnehmer hingesetzt und ihnen alles am Handy erklärt. Das hat dann auch ziemlich gut funktioniert.

Worum geht es in dem Seminar dann konkret?

Ich fange immer bei den Basics an. Das heißt, ich beginne bei den allgemeinen Funktionen und der Nutzung. Ich erkläre zum Beispiel den Unterschied zwischen WLAN (Wireless Local Area Network, zu deutsch: lokales Funknetz) und den mobilen Daten.

Ich erstelle mit den Senioren eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe, in der wir dann das Verschicken von Bildern, Sprachnachrichten und auch Videoanrufe üben. Ich bin bisher immer für den Videoanruf dann aus dem Raum herausgegangen und alle waren total verblüfft. "Warum sehen wir denn da jetzt unseren Dozenten?", haben sich einige gefragt. Es gibt immer auch eine Menge zu lachen und die Stimmung ist sehr locker.

Es gibt auch Gefahren im Internet. Sind diese bei Senioren anders oder noch "gefährlicher"?

Darauf weise ich natürlich auch ausdrücklich hin. Ich bin da ehrlich und offen. Manche Informationen sollten nicht im Internet landen und auch in manchen Gruppen sollten die Leute besser nicht sein. Ich erkläre auch die Unterschiede zwischen Facebook, Instagram und Whatsapp, aber auch, dass die alle zusammenhängen.

Warum machen Sie die Kurse?

Ich verdiene daran nicht wirklich etwas. Ich sehe das eher als Ehrenamt und es macht mir einfach viel Spaß.

Das Interview führte

Theresa Schiffl.

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