LKR Coburg

Nichts zu tun kann tödlich enden

Beim Auftakt der Woche der Wiederbelegung zeigte sich, wie wichtig der Einsatz von Laien ist und dass niemand vor der Herz-Druckmassage oder einem Defibrillator Angst haben muss.
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Die beiden erfahrenen Rettungsdienstler Volker Drexler-Löffler und Albert Florschütz zeigen Landrat Sebastian Straubel die richtige Herz-Lungen-Wiederbelebung.  Foto: Michael Stelzner
Die beiden erfahrenen Rettungsdienstler Volker Drexler-Löffler und Albert Florschütz zeigen Landrat Sebastian Straubel die richtige Herz-Lungen-Wiederbelebung. Foto: Michael Stelzner

"Dabei kann man nichts falsch machen", betonte Prof. Johannes Brachmann, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Coburg. Gemeint war die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Es war die Auftaktveranstaltung am Landratsamt, der Startschuss zur Herzwoche, die unter dem Motto "Ein Leben retten" steht.

Rund 180 000 Menschen sind in Deutschland jährlich vom plötzlichen Herztod betroffen. Das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle. "Es müsste jeden Tag ein Jumbo abstürzen, um auf diese Zahl zu kommen", verdeutlichte der Professor die große Zahl drastisch. Durch die frühe Herz-Lungen-Wiederbelebung könne man diese Zahl erheblich reduzieren. Denn die Überlebenschance sinke pro Minute um zehn Prozent, während auf den Rettungsdienst gewartet und dabei gar nichts getan werde. Durch eine frühe Reanimation, auch durch Laien, könne Leben gerettet werden. Laienhelfer aus der Bevölkerung seien ein wichtiger Faktor bei einem medizinischen Notfall.

Brachmann lobte die gut strukturierten Rettungsdienste in Coburg Stadt und Land, auch im puncto Defibrillatoren sei man in Stadt und Landkreis sehr gut ausgestattet. Dies müsse man erhalten, betonte Brachmann und zollte dabei dem Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes Hans-Joachim Goller einen besonderen Dank. "Bitte besuchen Sie regelmäßig, mindestens alle fünf Jahre, einen Erste-Hilfe-Kurs bei den Hilfsorganisationen", rief Brachmann die Anwesenden auf.

"Wir lassen niemanden alleine"

Johannes Brachmann zeigte, wie es geht: den Patienten ansprechen, bei Bewusstlosigkeit den Notruf 112 wählen und der Integrierten Leitstelle die Situation schildern, die Atmung prüfen und dann sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Sind mehrere Personen vor Ort und ist ein Defibrillator in der Nähe, kann man diesen holen lassen. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung darf nicht unterbrochen werden. Die Leitstelle leitet den Helfer bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung genau an und bleibt so lange am Telefon, bis der Rettungsdienst eintrifft. "Wir lassen niemanden in dieser Situation alleine", betonte der Leiter der Integrierten Leitstelle, Peter Kunzelmann. Der stellvertretende Geschäftsführer des Landratsamtes, Sebastian Sonnauer, sagte, er habe dies ausprobiert und es habe sehr gut funktioniert.

Mit der "Woche der Wiederbelebung" will man der Bevölkerung die Angst davor nehmen, eine Herz-Druckmassage durchzuführen und Erste Hilfe zu leisten. Auch Landrat Sebastian Straubel rief dazu auf, regelmäßig Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. In Deutschland würden pro Tag etwa 150 Menschen reanimiert. Alle, ob mit oder Vorerkrankung, könnten eines Tages von einem Herz-Kreislauf-Stillstand betroffen sein. Wichtig sei dabei ein schnelles Handeln, wusste der Landrat. Defibrillatoren seien zahlreich in Stadt und Landkreis vorhanden, bestätigte auch Sebastian Straubel. Auch vor der Anwendung eines Defibrillators müsse man keine Angst haben. Denn man könne damit keinen Fehler machen. Durch die Defibrillation steige die Überlebenschance auf über 40 Prozent. In Bayern liege die Einsatzzeit des Rettungsdienstes bei weniger als zwölf Minuten. Dennoch könne auf die lebensrettende Hilfe von Laien nicht verzichtet werden. Auch bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung und dem Umgang mit dem Defibrillator heiße es - wie so oft im Leben: üben, üben, üben.

Die Wiederbelebung üben

Am kommenden Samstag hat jeder Bürger die Möglichkeit, aktiv die Herz-Lungen-Wiederbelebung und den Einsatz eines Defibrillators zu trainieren und sich genau zu informieren. Die beiden Coburger Hilfsorganisationen Arbeiter Samariter Bund (ASB) und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) sowie die Integrierte Leitstelle und das Klinikum Coburg sind in der Zeit vom 10 bis 15 Uhr auf dem Albertsplatz anzutreffen und stehen für Fragen zu Verfügung. Auch ein Rettungswagen kann während dieser Zeit genau in Augenschein genommen werden.

Landrat Sebastian Straubel hatte zum Auftakt einige Mitarbeiter des Landratsamtes mitgenommen. Auch Constanze Scheibl von der Gesundheitsregion plus Coburg und die Geschäftsleiterin des Zweckverbandes für Rettungsdienste und Feuerwehralarmierung, Sandra Schmidt, versuchten an einer Puppe eine Reanimation.

Landrat Sebastian Straubel wurde von den beiden Rettungsdienstleitern Albert Florschütz vom ASB und Volker Drexler-Löffler vom BRK angeleitet. "Das ist ganz schön anstrengend", stellte das Landkreisoberhaupt nach dieser körperlich fordernden Übung fest.

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