Bamberg
Gedächtnisfeier

Nicht mitschuldig machen, wenn anderen Unrecht geschieht

Mit einem Solostück auf seiner Trompete eröffnete Stabsfeldwebel Markus Lenhardt vom Heeresmusikkorps Veitshöchheim die Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler. Die Verans...
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OB Andreas Starke während seiner Rede am Mahnmal im Harmoniegarten Foto: Joseph Beck
OB Andreas Starke während seiner Rede am Mahnmal im Harmoniegarten Foto: Joseph Beck

Mit einem Solostück auf seiner Trompete eröffnete Stabsfeldwebel Markus Lenhardt vom Heeresmusikkorps Veitshöchheim die Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler. Die Veranstaltung fand am Mahnmal für Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Harmoniegarten statt.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) begrüßte in seiner Rede den evangelischen Dekan Hans-Martin Lechner, MdL Ursula Sowa (Grüne), Dritten Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD), die stellvertretende Vorsitzende der Willy-Aron-Gesellschaft, Mechtildis Bocksch, und die rund 30 Anwesenden. "Heute blicken wir zurück auf einen bedeutenden Tag in der deutschen Geschichte", sagte Starke und fuhr fort: "Es schien ein Licht der Hoffnung und des Anstands auf, als vor 75 Jahren Frauen und Männer einen mutigen Schritt wagten. Sie folgten ihrem Gewissen und richteten sich entschlossen gegen die eigenen Machthaber, gegen die Führung des nationalsozialistischen Staates." Das Attentat scheiterte - Claus Graf Schenk von Stauffenberg, Friedrich Olbricht, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim, Werner von Haeften und Ludwig Beck wurden noch am selben Tag erschossen, unzählige Menschen fielen in den folgenden Wochen einer gnadenlosen Verfolgung zum Opfer.

Es war nicht vergeblich

Diese Tat und andere Versuche des Widerstands seien aber nicht vergeblich, betonte der Oberbürgermeister, da wir viel daraus lernen könnten. Starke verwies auch auf den Artikel 20 des Grundgesetzes mit dem Recht auf Widerstand. Er mahnte, dass wir heute vielleicht mehr denn je aufgefordert seien, uns allen Tendenzen entgegenzustellen, die die Demokratie zerstören wollen, und erwähnte den aufkeimenden Rechtsextremismus. Auch der Anstieg an Straftaten mit antisemitischem Motiv sei besorgniserregend, erinnerte Starke und schloss seine Ansprache mit dem Appell: "Der 20. Juli 1944 erinnert uns daran, mutig zu unseren Werten zu stehen, dass wir uns nicht mitschuldig machen, wenn anderen Unrecht geschieht. Es ist unsere Aufgabe, Menschen wie Graf Stauffenberg, Willy Aron, Hans Wölfel und Thomas Dehler vor dem Vergessen zu bewahren. In diesem Sinne verneigen wir uns vor denen, die dem Widerstand ein Gesicht und unserem Land Hoffnung gegeben haben."

Die Willy-Aron-Gesellschaft hatte die Gedenkveranstaltung ausgerichtet. In ihrem Namen sprach die stellvertretende Vorsitzende Mechtildis Bocksch. Sie ließ das Geschehen von 1944 nochmals Revue passieren und nannte als Motiv für das Attentat drei Gründe: den Krieg beenden, die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen beenden und den Rechtsstaat wiederherstellen. Bocksch erinnerte besonders an die 300 Festnahmen von Kindern und Frauen der am Umsturz beteiligten und ihr hartes Schicksal im Krieg und auch noch danach, wo sie noch lange Zeit als Verräter beschimpft wurden.

Des Weiteren sagte sie: "Der Beitrag der Frauen am Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime wird bis heute verkannt und aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt." Sie schloss mit dem Hinweis und der Frage: "Wofür sollte ich heute aufstehen und eintreten?"

Zum Abschluss der Gedenkfeier legten Andreas Starke und Mechtildis Bocksch einen Kranz an der Stele von Graf Stauffenberg nieder und verneigten sich vor den mutigen Kämpfern.

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