LKR Coburg

Nicht immer Romantik pur

Schafherden haben große Bedeutung für die Pflege von schützenswerten Flächen wie im Grünen Band. Doch seinen Lebensunterhalt als Schäfer zu verdienen, ist nicht immer ganz einfach.
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Schäfer Peter Kieslich ist mit den Schafen der Agrargenossenschaft Schalkau und seinen Hunden zwischen der Hammermühle und der Weihersmühle im Grünen Band unterwegs.
Schäfer Peter Kieslich ist mit den Schafen der Agrargenossenschaft Schalkau und seinen Hunden zwischen der Hammermühle und der Weihersmühle im Grünen Band unterwegs.
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Die Stimme von Peter Kieslich ist weit zu hören. "Prinz!", schallt es über den Höhenzug zwischen Weißenbrunn und Almerswind. Prinz ist ein Hütehund und Peter Kieslich ist Schäfer. Zusammen sind sie mit 1200 Schafen und einigen Ziegen zwischen der Hammermühle bei Almerswind und der Weihersmühle bei Tremersdorf unterwegs. Ihr Auftrag: verhindern, dass der ehemalige Grenzstreifen verbuscht.

Prinz hat gehört und kommt zu seinem Herrn. Der erklärt gerade: "Die Herde gehört zur Agrargenossenschaft Schalkau. Zu DDR-Zeiten waren es drei Herden." Aber da wurde auch noch richtig Geld verdient mit den Schafen. Um die 300 000 DDR-Mark hätten sie damals im Jahr eingebracht. Vor allem die Wolle der Merino-Landschafe war gefragt.

Heute ist es anders. Dass die Genossenschaft die Schafe noch halten kann, verdankt sie einem Kulturlandschaftsprogramm (Kulap). Der Staat zahlt dafür, dass wertvolle Biotopflächen von den Tieren gepflegt werden. Hier ist Auftraggeber der Zweckverband Naturschutzgroßprojekt das Grüne Band. Die vier Landkreise Coburg, Kronach, Sonneberg und Hildburghausen stehen hinter dem Verband. Die Bundesrepublik steht hinter dem Großprojekt. Rund zehn Millionen Euro stehen über zehn Jahre dafür bereit. Ein kleiner Teil landet bei der Agrargenossenschaft und ihren Schafen.

Arno Rudolph vom Landesverband Thüringer Schafzüchter betont den Wert der Schafe für die Arbeit im Naturschutz und zur Biotoppflege. Ein rosiges Bild zur Schäferei im Land zeichnet er nicht. "Seit Jahren ist die Zahl der Schafe rückläufig", sagt er. Dazu kommt ein Mangel an Schäfern. Der Berufsnachwuchs ist dünn gesät.

"Du bist halt den ganzen Tag draußen. Es ist schon auch eine schwere Arbeit, das will heute kaum noch einer machen", bestätigt Peter Kieslich. Dabei hat gerade er in den vergangenen Jahren so manchen jungen Schäfer ausgebildet. Sogar einige Frauen waren dabei, die noch selten in diesem Beruf anzutreffen sind. Zu einem Job, der über den ganzen Tag volle Aufmerksamkeit verlangt, kommt eine Bezahlung, die kaum über dem Mindestlohn liegt. Da muss jemand schon Freude am Wandern mit Schafen und viel Idealismus mitbringen.

Ärger über Bürokratie

"Die Bürokratie macht es auch nicht leichter", schimpft Arno Rudolph. Weil die Genossenschaft einen Teil der Herde im Winter nach Brandenburg gebracht hatte und bei einer Kontrolle dann eben nicht alle Schafe im Stall standen, wurden Tausende Euro Förderung gestrichen. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, zu prüfen, ob die Tiere wirklich dort sind und ob es auch die Tiere aus Schalkau sind, meint Rudolph. "Da gab es nicht den kleinsten Versuch, dem Betrieb zu helfen oder irgendwie entgegenzukommen", kritisiert er.

Schafe statt Mulchen

Vorgehensweisen, die es nicht attraktiver machen, sein Brot mit Schafhaltung zu verdienen. Dabei wäre eine Beweidung in vielen Bereichen wünschenswert, wie Volker Ehrlicher als Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Südthüringen bestätigt. Als die ICE-Strecke gebaut wurde, kam zum Flächenverbrauch für das Projekt auch ein erheblicher Anteil an Ausgleichsflächen.

Man sei natürlich davon ausgegangen, dass dort die Agrargenossenschaft mit den Schafen zur Pflege eingesetzt werden würde. Doch jetzt würden viele Flächen gemulcht, obwohl Schafe in der Nähe sind. Ein Punkt, den auch Rudolph nicht nachvollziehen kann.

Ein Glück für die Agrargenossenschaft und ihre Herde, dass es das Naturschutzgroßprojekt gibt. Das ist nämlich auf die Tiere als Landschaftspfleger angewiesen, wie Sonnebergs Landrat Hans-Peter Schmitz betont. Warum, das erklärt Stefan Beyer vom Projektteam Grünes Band. Er zeigt ein Luftbild der Grenze von 1990. Damals war von Büschen nicht viel zu sehen. Jahrzehntelang hatten die Grenztruppen der DDR den Streifen frei gehalten. Dann, zehn Jahre später, zeigt eine Aufnahme, wie bereits alles von Büschen und Sträuchern überwuchert wird. Auf dem Bild von 2019 ist ein großer Teil wieder die wertvolle Magerrasenfläche, die Naturschützer sich wünschen. Dem Großprojekt sei Dank - und Peter Kieslich mit seiner Herde.

Der zieht weiter, wie seit 1976, als er als Schäfer ausgelernt hatte. Aber eines ist anders. "Wenn wir früher in der Nähe der Grenze gehütet haben und drüben rief ein Bauer herüber, dann konnten wir nicht einfach zurückrufen. Aber da hat man halt den Hut gehoben und so getan, als ob man sich die Haare nach hinten streicht", erzählt er. Heute darf er grüßen, wen er will. Wenigstens das ist besser geworden.

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