Kronach
Frauentag

NGG: Teilzeit- und Minijobs werden zur Karrierefalle

Die Teilzeit und der Niedriglohn - im Landkreis Kronach ist beides weiblich: Noch immer sind hier 77 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Dar...
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Die Teilzeit und der Niedriglohn - im Landkreis Kronach ist beides weiblich: Noch immer sind hier 77 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am 8. März hingewiesen. Bei den rund 6500 Teilzeit-Stellen im Landkreis liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 89 Prozent. Michael Grundl, Geschäftsführer der NGG Oberfranken, spricht von einer "Karrierefalle": Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. "Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme", so Grundl. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener. "Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer", kritisiert Grundl. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt.
Im EU-Durchschnitt lag der sogenannte Gender Pay Gap dagegen lediglich bei 16 Prozent. "Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt", kritisiert Grundl. Zwar gebe es für Frauen im Kreis Kronach seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient.
Doch das Lohntransparenzgesetz gilt lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. "Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas", bemängelt Gewerkschafter Grundl. Hier müsse die künftige Bundesregierung dringend nachbessern.
Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen im Kreis Kronach verschärfen. "Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen", erklärt Michael Grundl.
In einer aktuellen Studie beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die "weibliche Rentenlücke" in den alten Bundesländern auf 42 Prozent. Ein Rentner erhält demnach Bezüge von durchschnittlich 994 Euro im Monat. Eine Rentnerin kommt dagegen nur auf 576 Euro.
Grundl: "Am Ende ist das auch für den Staat eine teure Sache. Die öffentliche Hand muss dann Armutsrenten durch Grundsicherung im Alter und Zuschüsse fürs Wohnen aufbessern." red
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