Laden...

Neues Team für den Kindergarten

Dina Dauer leitet seit 1. September den Sulzthaler Kindergarten "Gerne-Groß". Nach unruhigen Zeiten hoffen sie und die Gemeinde als Träger auf neues Vertrauen. Für einige Eltern kommt der Neuanfang jedoch bereits zu spät.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die neue Kindergartenleiterin Dina Dauer kann sich noch gut an ihren ersten Besuch in Sulzthal erinnern: "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt die 35-Jährige und lacht. "Das Haus hier hat viel Potenzial", ist sie von der Einrichtung mit Blick über den gesamten Ort begeistert. Dass sie keine einfache Aufgabe in der zweitkleinsten Gemeinde des Landkreises Bad Kissingen übernommen hat, ist der Münnerstädterin aber durchaus bewusst.


Längere Öffnungszeiten

Der Kindergarten hat unruhige Zeiten hinter sich: Ab 2015 gab es mehrere Personalwechsel, zuletzt trennte sich die Marktgemeinde von der langjährigen Leiterin Sibylle Grüneberg. Nun ist ein ganz neues Team verantwortlich (siehe Info-Kasten).
Dauer hat sich auch ein neues Konzept überlegt. Deutlich länger als früher sind die Öffnungszeiten: Der Kindergarten öffnet ab 7 Uhr und hat bis 16.30 Uhr auf. "Das ist zu dritt nicht ganz einfach, aber wir fangen halt alle mal früh an", berichtet Dina Dauer. Der Bedarf sei da, weil berufstätige Eltern ihre Kinder bereits früh bringen müssen. Die Notwendigkeit soll aber auch jedes Jahr neu geprüft werden: "Jede halbe Stunde, die die Eltern weniger brauchen, könnte ich das Personal an anderer Stelle einsetzen", sagt Dauer.
An den Randzeiten sei zum Teil nur eine Betreuerin da, in der Kernzeit von 9 bis 12 Uhr sollen dann nach Möglichkeit alle Kinder gemeinsam spielen, frühstücken und Zähne putzen. Start dazu ist der Morgenkreis um 9 Uhr. Montag und Donnerstag gibt es eine Vorschule für die drei Kinder, die 2018 eingeschult werden. Das seien zwei Stunden weniger als früher, aber: "Eigentlich ist ja alles im Kindergarten Vorschule", beruhigt die Leiterin die Eltern.
Wichtig ist der 35-Jährigen, dass es jeden Tag Schwerpunkte gibt: "Freispiel ist wichtig, aber es muss auch Abwechslung geben." Jeden Dienstag etwa geht es am Vormittag in den Wald, der gleich hinter dem Kindergarten beginnt. An den Nachmittagen stehen Kreativtage, Musik und jeden Mittwoch eine Märchenstunde an.
18 Kinder besuchen den Sulzthaler Kindergarten aktuell. Neun sind Regelkinder, also von drei Jahren bis zur Einschulung, fünf besuchen die Krippe und vier Grundschüler kommen zur Hausaufgaben-Betreuung. "Im Laufe des Jahres kommen noch mehr dazu", berichtet Dina Dauer über die Planung. Weil der Sulzthaler Kindergarten weniger als 25 Kinder hat, ist er als "Land-Kindergarten" eingestuft und erhält dadurch eine höhere Förderung und die Gemeinde kann sich einen höheren Personalschlüssel leisten.


Vier Kinder von außerhalb

Als großen Vorteil des Sulzthaler Kindergartens sieht die neue Leiterin die familiäre Atmosphäre: "Alle sind sehr offen und aufgeschlossen und bieten ihre Hilfe an." Positiv seien auch die Rückmeldungen beim ersten Elternabend unter neuer Leitung gewesen: Unter anderen die Eltern der beiden Kinder, die aus Bad Kissingen kommen, seien begeistert von der Einrichtung. Aktuell kommen vier Kinder von auswärts: zwei Mal Bad Kissingen, einmal Oerlenbach, einmal Aura, für kommendes Jahr ist bereits ein weiteres Kind aus Bad Kissingen angemeldet. Umgekehrt besuchen aber acht Kinder aus Sulzthal Kindergärten in anderen Kommunen. Die Gemeinde zahlt also vier Mal mehr Gastkind-Beiträge als sie einnimmt.
"Wir haben im Gemeinderat versucht, alles zu machen, was zu machen ist, damit die Einrichtung wieder attraktiver wird", berichtet die 2. Bürgermeisterin Gabriele Dehmer (SPD), die aktuell den Sulzthaler CSU-Bürgermeister August Weingart vertritt. Die Kinder, die bereits auswärts betreut werden, könne die Gemeinde vermutlich nicht mehr zurückholen, aber bei jüngeren Kindern hat sie Hoffnung, und: "Ich glaube, dass wir mit Frau Dauer genau die richtige Person dafür gefunden haben." Sie finde die richtige Balance zwischen den Wünschen der Eltern und den Möglichkeiten von Kindergarten und Kommune als Träger. Dehmer und Dauer hoffen nun vor allem, dass die Sulzthaler ihre Kinder wieder vor Ort im Kindergarten anmelden, aber auch für auswärtige Kinder seien noch Plätze frei. "Anmeldungen sind jederzeit möglich."
Für einige Sulzthaler Eltern kommt die Erneuerung des Teams bereits zu spät: "Wir haben schon unseren Platz in Oerlenbach", sagt etwa Jürgen Bischoff. Sein Sohn Leon ist aktuell sieben Monate alt und soll kommenden Herbst zur Eingewöhnung in die Krippe. Den Hinweis auf wirtschaftliche Gründe aus der jüngsten Bürgerversammlung kann Jürgen Bischoff nicht nachvollziehen: "Den Eltern ist nun mal ihr Kind und das Vertrauen in die Einrichtung wichtiger als der Haushaltsplan der Gemeinde." Trotzdem wünscht er dem Sulzthaler Kindergarten eine gute Entwicklung: "Das Team vor Ort hat seine Chance verdient."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren