Coburg

Neue Zeugen verlängern den Prozess

Die Gerichtsverhandlung um eine Einbruchsserie im Raum Neustadt und eine gefährliche Körperverletzung kommt - vorerst - zu keinem Ende. Neue Zeugen warfen ein neues Licht auf die Vorwürfe, die gegen den Angeklagten erhoben wurden.
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An insgesamt sechs Einbrüchen soll der Angeklagte beteiligt gewesen sein. Symbolfoto: Christopher Schulz
An insgesamt sechs Einbrüchen soll der Angeklagte beteiligt gewesen sein. Symbolfoto: Christopher Schulz

Niklas Schmitt Gegen den Angeklagten Neustädter wurde nicht einfach Anzeige erstattet. Sein ehemaliger Komplize hatte sich selbst angezeigt und im gleichen Zug auch schwere Vorwürfe gegenüber dem 31-Jährigen erhoben.

Gemeinsam sollen sie in mehrere Gastwirtschaften im Raum Neustadt eingebrochen sein und Beute im Gesamtwert von etwa 16 000 Euro gestohlen haben.

Wie kam es aber zum Bruch zwischen den beiden und dem Vorwurf der schweren Körperverletzung, für die sich der Angeklagte ebenfalls verantworten muss?

Wie glaubwürdig ist der Zeuge?

Der Angeklagte, so sagte sein Verteidiger Andreas Kittel am ersten Prozesstag, werde sich schweigend verteidigen. So ist das Gericht vor allem auf die Aussage des mutmaßlichen Komplizen angewiesen. Doch wie glaubwürdig sind dessen Ausführungen? Er hatte ausgesagt, der Angeklagte habe ihn nach einer Auseinandersetzung vor einer Gaststätte in Neustadt zuerst gewürgt und dann zu Boden geworfen. Daraufhin sei er direkt zur Polizei gegangen, um Anzeige gegen sich selbst und den Angeklagten zu erstatten.

Nun gibt es nach der Anhörung eines weiteren Zeugen Zweifel an dieser Version. Der Zeuge sagte aus, den mutmaßlichen Komplizen vor der Polizei sitzen gesehen zu haben. Gemeinsam seien die beiden dann noch einmal zur Gaststätte gegangen, wo der ehemalige Freund des 31-Jährigen nicht eingelassen wurde.

Daraufhin soll er geäußert haben, dass er nichts mehr zu verlieren habe und den mutmaßlichen Komplizen mit hineinziehen würde. Von Würgen hatte er nichts gesagt, so der neuerliche Zeuge. Hingegen soll er den Zeugen gebeten haben, die Körperverletzung gemeinsam mit ihm bei der Polizei zu bestätigen.

Stimmt die Aussage, würde das ein ganz neues Licht auf die mutmaßliche Komplizenschaft der beiden Neustädter werfen. Wie glaubwürdig sind also die Ausführungen der sich widersprechenden Zeugen?

Der Hauptbelastungszeuge wurde noch einmal gehört und sagte deutlich: "Ich bin nach dem Vorfall direkt zu Polizei." Dem Zeugen will er zuletzt 2012 begegnet sein, an besagtem Abend aber nicht. Auf die Frage von Richterin Jana Huber, warum der Zeuge denn so aussage, meinte er: "Vielleicht will er nur helfen."

Weiter hat der vormalige Freund des Angeklagten von Bedrohungen in seiner Haft berichtet. Zwei kurz zuvor verlegte Häftlinge hätten ihm die Akten seiner Polizeivernehmung vorgehalten und auch den Namen des Angeklagten erwähnt.

Sein Zellengenosse habe ihn als "Zinker" bezeichnet. Also als jemanden, der Informationen über Mittäter verrät, um Haftnachlass zu erhalten. "31er kriegen Stress", fasste der 31-Jährige die Gefahren eines solchen Vorwurfs in Haft mit einem Zwischenruf prägnant zusammen. Sein ehemaliger Freund konnte, so sagte dieser aus, den Zellengenossen beschwichtigen und bat im Anschluss um eine Verlegung. Der Zellengenosse stritt die Vorwürfe hingegen ab. "Ich brauche das Geschmarre nicht", sagte er und erzählte von Schulden, die der Neustädter bei den Mithäftlingen hätte. Vielleicht sei das ein Grund, warum er um eine Verlegung gebeten habe.

Glaubwürdigkeit der Aussagen

Bei den beiden angesetzten Folgeterminen wird es also vor allem darum gehen, die getätigten Aussagen auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Denn davon hängt ab, inwiefern der Angeklagte in die Einbrüche involviert war und ob und wie er den Komplizen körperlich angegriffen hat. Der nächste Verhandlung findet am Mittwoch statt.

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