Königsberg in Bayern

Neue Orgel nimmt Form an

Mitarbeiter der Leonberger Orgelbau-Werkstatt Mühleisen errichten ein neues, rund 400 000 Euro teures Instrument in der Königsberger Marienkirche.
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Das Intonieren der Orgel ist eine besondere Kunst, die viel Geschick und ein sehr gutes Gehör erfordert. Das Bild zeigt Orgelbauer HoJung Noh von der Werkstätte für Orgelbau Mühleisen an der neuen Orgel, die über 23 Register und zwei Manuale verfügen wird. Foto: Sabine Meißner
Das Intonieren der Orgel ist eine besondere Kunst, die viel Geschick und ein sehr gutes Gehör erfordert. Das Bild zeigt Orgelbauer HoJung Noh von der Werkstätte für Orgelbau Mühleisen an der neuen Orgel, die über 23 Register und zwei Manuale verfügen wird. Foto: Sabine Meißner

Königsberg —  Die Marienkirche in Königsberg bekommt eine neue Orgel. Ein lange gehegter Wunsch vieler Königsberger, die wieder eine intakte "Königin der Instrumente" in ihrer Kirche ersehnen, wird damit in Erfüllung gehen.

Die historische Hallenkirche hatte eine alte Orgel aus dem Jahr 1904, die ihrer Rolle nicht mehr gerecht werden konnte. Der ehemalige Pfarrer Volkmar Botsch sowie Dekanatskantor Matthias Göttemann hatten gravierende Mängel am Instrument festgestellt. Zuweilen sollen sich sogar Gottesdienstbesucher über "merkwürdige, nicht endende Töne von der Orgelempore" gewundert haben. Der Wunsch, eine neue Orgel zu besitzen, geisterte also lange umher. Die Realisierung war mit der Gründung eines Orgelbauvereins im April 2014 in Reichweite gerückt. Seitdem hat der Verein, eine engagierte Gruppe mit der Vorstandsvorsitzenden Barbara May, viel getan. Noch in diesem Monat (Freitag, 22. November) wird es ein Baustellenkonzert geben, bei der die im Aufbau befindliche neue Königsberger Orgel samt ihrer Technik vorgestellt wird.

Seit mehr als zehn Jahren wird für das neue Instrument gesammelt und gespart. Mehr als 370 000 Euro Spenden kamen bisher zusammen, eine beachtliche Leistung für die Kirchengemeinde einer kleinen Stadt mit weniger als 4000 Einwohnern.

Historischer Prospekt bleibt

Als der Orgelbauverein vor fünfeinhalb Jahren gegründet wurde, war die erste Frage: "Erneuerung oder Rettung der Orgel?" Göttemann plädierte von Beginn an für eine neue Orgel, "da die alte kaum noch zu retten ist", wie er sagte. Den Auftrag zum Bau der neuen Orgel gab der mittlerweile 50 Mitglieder zählende Orgelbauverein an die Orgelbau-Werkstatt Mühleisen im baden-württembergischen Leonberg. Mit guter Mechanik, solider Technik und neuen klanglichen Möglichkeiten sollte das Instrument ausgestattet sein, war die Forderung. Es gab weitere Bedingungen: Der barocke, äußerst wertvolle Orgelprospekt aus dem Jahr 1660 sollte unbedingt erhalten bleiben. Damit auch große Werke aus verschiedenen Epochen gespielt werden können, müsse die Orgel über verschiedenartige Register und vielfältige Klangfarben verfügen. Der Orgelbauverein entschied sich für den Bau einer neuen Orgel mit Kosten von etwa 400 000 Euro. Es gab etliche Aktivitäten, um Geld zu sammeln: Flohmärkte, Weihnachtsmärkte, Lesungen und andere Veranstaltungen über den Zeitraum von fünf Jahren. Ganz aktuell tanzen am Sonntag, 10. November, um 18 Uhr Mitglieder der Ballettschule "On Point" in einer Benefizveranstaltung zugunsten der neuen Orgel in der Rudolf-Mett-Halle.

Barbara May ist zuversichtlich: "Jetzt fehlen noch knapp 30 000 Euro. Ich bin optimistisch, dass die Zielsumme erreicht wird. 25 000 Euro, die die Kirchengemeinde vorübergehend leihen wird, sollen auf jeden Fall zurückgezahlt werden."

Seit einigen Wochen sind die Orgelbauer vor Ort. Quasi Pfeife für Pfeife nahm das Instrument Form an, wurden Motor und Windanlage eingebaut. In dieser Woche war zudem der Geschäftsführer der Firma Mühleisen, Orgelbaumeister und Restaurator Christoph Dörr-Schneider, nach Königsberg gekommen. Für die renommierte Werkstatt, die in der Bamberger Stephanskirche 2011 eine neue Orgel baute, ist es "ein besonderer Auftrag, hinter dem wertvollen historischen Prospekt eine neue Orgel bauen zu dürfen". Wie Orgelbaumeister Karl-Martin Haap, mitteilte, werde die neue Orgel zu Weihnachten zwar nicht vollständig fertig sein, könne aber gespielt werden. Die endgültige Fertigstellung werde Anfang 2020 erfolgen. Die Weihe ist für den Sonntag, 5. Juli 2020, geplant.

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