Rannungen
BN-vortrag

Neue Mischung: Energie aus Wildpflanzen

Mit Traubenhyazinthen und Schlüsselblumen stehen die ersten Frühlingsboten schon in voller Pracht. Bald ist es so weit, und Allerorten werden die Blühwiesen für das Projekt "Grüngitter" im Landkreis i...
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Mit Traubenhyazinthen und Schlüsselblumen stehen die ersten Frühlingsboten schon in voller Pracht. Bald ist es so weit, und Allerorten werden die Blühwiesen für das Projekt "Grüngitter" im Landkreis ihre Blüten für die heimische Insektenwelt anbieten.

Eine Blühwiese der anderen Art stellte die Biologin Kornelia Marzini von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim (LWG) bei einem Vortrag der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz in Rannungen vor. Der speziell vor dem Hintergrund des Volksbegehrens zur Artenvielfalt interessante Vortrag bot Einblicke in die Forschung und neueste Ergebnisse der Feldversuche zu Wildpflanzenmischungen im Bereich der Biogasproduktion.

In jahrelanger Forschung entwickelten die Wissenschaftler der Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim zwei Samenmischungen, die in einem Streifen um ein Maisfeld herum oder komplett anstatt eines Maisfeldes gesät werden. Wie der Mais werden diese Blühflächen als Energiepflanzen nach der Blüte geerntet und in der Biogasanlage zu Methan vergoren. Mit Hilfe dieser Samenmischungen könne vor allem in Gebieten mit großflächigem Maisanbau viel für die Artenvielfalt getan werden. "Sie leben hier ja fast auf der Insel der Glückseligen", so die Referentin, die oft in Regionen unterwegs ist, in denen ein Maisfeld an das andere grenzt. Die beiden Samenmischungen bilden in Kombination ausgebracht ein Trachtangebot für Honig- und Wildbienen über den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein. Die Sorte "Hanfmix" kann zusammen mit Mais in einem Ring angebaut und zeitgleich geerntet werden. Sie hat ihren Namen vom Faserhanf.

Geerntet wird die Mischung immer Mitte bis Ende Juli wegen der Brut- und Setzzeiten, denn "die Blühfläche ist hauptsächlich für die Tiere da", so Marzini. Eine solche Fläche komme nicht nur Insekten zugute, auch Hasen, Wachteln und Rebhühner wurden schon in den Blühäckern gefunden. Der zweite Aufwuchs nach der Ernte biete ausreichend Pollen und Nektar für die Winterbiene, führte die Referentin aus. Räubereien der Bienenvölker untereinander könnten durch das breite Pollenangebot vermieden und somit eine Verschleppung der Varroa-Milbe verhindert werden.

Die Sorte "Präriemix" deckt den Nahrungsmangel der Bienen in den Sommermonaten nach der Maisernte ab. Sie enthält Pflanzen aus Nordamerika und aus asiatischen Prärien, die sowohl mit kalten Wintern, als auch trockenen Sommern sehr gut zurecht kommen. Angesät wird sie im Winter, da die Pflanzen Kaltkeimer sind.

Vor allem der trockene Sommer, der in Zukunft aufgrund des Klimawandels keine Ausnahme bleiben wird, zeigte den Forschern, wie wichtig trockenresistente Pflanzen sind. Marzini plädierte für den Anbau einer Mischung aus heimischen und fremden Arten. Der Honigertrag pro Volk lag trotz des trockenen Sommers 2018 bei 20 kg im Hanfmix und 10 kg im Präriemix. Vor allem aber bringe eine Mischung aus heimischen und fremden Arten die besten Methanerträge.

Theo Hein von der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen bedankte sich für den Vortrag und machte die Zuhörer auf eine Führung mit Kornelia Marzini zu einer LWG-Versuchsfläche am 7. Juni in Großwenkheim aufmerksam. Infos dazu gibt es im BN-Jahresprogramm. red

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