Kronach

Neue Hinweise im Mordfall Ottinger

Der 61-jährige Mitwitzer wurde vor 13 Jahren ausgeraubt und brutal getötet. Nun hat sich die Polizei über "Aktenzeichen XY ungelöst" erneut an die Bevölkerung gewandt.
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Screenshots: ZDFTV-Gerät: Ruslan Ivantsov - stock.adobe.com
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Norbert Ottinger wird am 13. November 2006 aus dem Leben gerissen. Überfallen, ausgeraubt und ermordet - der 61 Jahre alte Mitwitzer stirbt an jenem Montag in seinem Supermarkt. Knapp 13 Jahre später sind der oder die Täter noch immer auf freiem Fuß.

Doch wer für den Tot des Vaters von zwei Söhnen verantwortlich ist, sollte sich nicht zu sicher sein. Die Ermittlungskommission "Kreisel - Cold Case" hat den Fall noch nicht zu den Akten gelegt und die Bevölkerung am Mittwoch bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" erneut um Mithilfe gebeten - offenbar mit Erfolg: "Im Verlauf des Abends und auch in der Nacht sind sowohl über das Studio als auch über das Hinweistelefon der Kripo Coburg mehrere Hinweise eingegangen", berichtet die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, Anne Höfer, auf Anfrage des Fränkischen Tags. "Jetzt müssen wir abwarten, ob sie sachdienlich sind." Die Ermittler seien jedoch optimistisch, dass sich neue Spuren ergeben könnten.

So hat Alfred Hettmer vom Landeskriminalamt Bayern bereits während der Sendung berichtet, dass sich ein langjähriger Stammkunde des Supermarktes mit einer "interessanten Geschichte" gemeldet hat. Dieser wolle man nun nachgehen. "Es sind mehrere Hinweise eingegangen, die der Kripo in dieser Form noch nicht bekannt waren", bestätigte Hettmer.

Die Ereignisse am Tattag wurden während der Sendung so detailliert und realistisch wie möglich von Schauspielern nachgestellt (siehe Fotostrecke). "Es ist eine unglaubliche Eskalation von Gewalt, die wir hier erlebt haben", fasst Moderator Rudi Cerne den Tathergang anschließend zusammen. "Das Opfer ist regelrecht niedergemetzelt worden."

Mehrere Messer waren abgebrochen, der Mörder hat sich offenbar immer wieder ein neues geholt, um auf den wehrlosen Mann einzustechen. Susanne Mechtold von der Kripo Coburg erklärt im TV-Studio, dass dies nicht unbedingt ein Indiz für die Brutalität des Mörders sein muss: "Wurde der Täter oft als wahre Bestie dargestellt, glauben wir, dass er Herrn Ottinger nicht töten, sondern nur außer Gefecht setzen wollte." Weil ihm das jedoch nicht gelungen ist, sei er bei jeder neuen Attacke brutaler geworden. "Die Situation ist völlig aus dem Ruder gelaufen."

Tat war nicht geplant

Darum haben die Ermittler den Fokus inzwischen auf Männer gelegt, die zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 18 Jahren alt waren. "Die Tat war offenbar nicht gut geplant", bewertet die Kriminalhauptkommissarin die Vorgehensweise des Mörders. "So scheint der Täter weder Fesselungswerkzeug noch eine Tatwaffe dabei gehabt zu haben." Weiter habe er die Situation mehrmals falsch eingeschätzt. "All das könnte auf einen jungen oder sehr jungen Täter hindeuten." Die Ergebnisse eines DNA-Tests von rund 80 Männern stehen derzeit noch aus.

"Wir wollen auch, dass sich bei uns Leute melden, die jemanden im Verdacht haben, ihm eine so grausame Tat aber nicht zutrauen", appelliert Mechtold an die Bevölkerung. "Der Täter kann durchaus der höfliche Mann von nebenan sein." Darum könne es durchaus sein, dass der Mörder psychisch gelitten und sich in den Monaten nach der Tat verändert, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen oder jemandem gegenüber Andeutungen gemacht hat.

Die Ermittler interessiert außerdem, wer am Tattag im Umfeld des Supermarktes etwas wahrgenommen hat. So haben zwei Frauen dort ungefähr zum Tatzeitpunkt ein Fahrzeug gesehen. Ob es in Zusammenhang mit dem Mord steht, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Weiter sind der auffällig rote Softballschläger und die gestohlenen Kasseneinsätze bis heute nicht aufgetaucht. Auffällig ist, dass auf Letzteren handschriftlich der Name der jeweiligen Kassiererin steht. "Strafvereitelungstaten, wie zum Beispiel die Beseitigung des Softballschlägers, sind inzwischen verjährt", merkt Mechtold an. "Eine Strafverfolgung hätte derjenige jetzt nicht mehr zu befürchten."

Familie leidet bis heute

Die Ereignisse vor fast 13 Jahren verfolgen die Familie von Norbert Ottinger bis heute. Seine Witwe Elsbeth hat die Sendung gesehen. Sie berichtet dem Fränkischen Tag, dass es nur schwer zu ertragen war, die Bilder zu sehen: "Es lässt uns nach wie vor nicht los. Man schiebt das alles von sich weg, sonst kann man nicht weiterleben."

Vor allem für ihren Sohn Jan, der damals seinen toten Vater gefunden hat, wünsche sie sich, dass der Täter endlich gefasst wird. Noch immer würden viele Menschen glauben, dass er der Mörder ist. "Ein paar Monate nach dieser Nacht habe ich ein Fußballspiel von meinem Sohn besucht", erinnert sie sich. "Als Jan ein Tor geschossen hat, hat ein Zuschauer in der Reihe vor mir gesagt: ,Das ist doch der, der wahrscheinlich seinen Vater umgebracht hat.‘"

Elsbeth Ottinger glaubt nicht, dass ein Jugendlicher ihren Mann umgebracht hat: "Mein Mann war groß und kräftig. Mit einem Jungen wäre er fertig geworden." Viel mehr hat die Witwe eine Gruppe Osteuropäer im Verdacht, die immer montags im Supermarkt eingekauft haben, nachdem sie in Mitwitz Autos gekauft hätten. Vielleicht bekommt Elsbeth Ottinger bald Antworten auf ihre Fragen.

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