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Coburg

Neue Häuser und nächtliche Flüge

Die Bewohner des neuen Baugebiets unterhalb der Rögener Hütte könnten durch Fluglärm belästigt werden. Nicht alle Stadträte finden es gut, in der Nähe der Brandensteinsebene zu bauen.
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Der Flugplatz auf der Brandensteinsebene - rund 500 Meter ist die Start- und Landebahn von der geplanten neuen Wohnbebauung zwischen der Löbelsteiner Straße und der Straße Am Eichholz entfernt.  Foto: Jochen Berger
Der Flugplatz auf der Brandensteinsebene - rund 500 Meter ist die Start- und Landebahn von der geplanten neuen Wohnbebauung zwischen der Löbelsteiner Straße und der Straße Am Eichholz entfernt. Foto: Jochen Berger

Unterhalb der Rögener Hütte sind auf 16 Baugrundstücken (Gesamtfläche 13 000 Quadratmeter) Einfamilien- und Doppelhäuser geplant. Bis Ende des Jahres 2026 müssen die Häuser gebaut sein. Der Bau- und Planungssenat schaffte am Mittwoch die rechtlichen Voraussetzungen für das Projekt.

Höchstens drei Vollgeschosse und maximal zwei Wohnungen je Gebäude werden auf dem Gebiet zwischen der Löbelsteiner Straße und der Straße Am Eichholz zugelassen. Rund 500 Meter entfernt ist die Start- und Landebahn des Verkehrslandeplatzes Brandensteinsebene. Auf die Beeinträchtigungen der Menschen durch Fluglärm am Tage wird detailliert hingewiesen. Im Umweltbericht dazu ist vermerkt, "dass zwischen 22 und 6 Uhr kein planmäßiger Flugverkehr stattfindet". Die Wohnbebauung, heißt es weiter, sei keinen schädlichen Umwelteinwirkungen durch Fluglärm ausgesetzt und die Schalleinwirkung sei unbedenklich. Diese Meinung teilt das zuständige Luftamt und bleibt trotz der anderen Sichtweise des städtischen Umweltamtes dabei. Dass nachts keine Lärmbeeinträchtigungen zu erwarten sind, dem widerspricht das Bauverwaltungs- und Umweltamt der Stadt in seiner Stellungnahme. "Es finden auf dem Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene tatsächlich Nachtflüge statt." Weiter ist in der Stellungnahme zu lesen, dass "dem Luftamt Nordbayern aktuell ein weiterer Antrag auf Genehmigung ‚regelmäßiger Außenstarts und Landungen‘ im Umfang von ein bis zwei Bewegungen pro Monat vorliegt". Das Luftamt Nordbayern habe diesem Antrag am 12. März stattgegeben und ihn bis zum 30. April 2021 befristet. "Daher kann nicht mehr von ‚seltenen Ereignissen‘ oder von (...) Notfall- und Rettungsflügen gesprochen werden." Daher wird eine schalltechnische Untersuchung für die Nacht gefordert.

Gegen das Baugebiet sprachen sich SPD-Stadträtin Petra Schneider und Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste) aus. Es werde am Stadtrand nur Raum und Natur verbraucht und das Baugebiet habe nichts Innovatives. Die Stadt habe im Innenbereich nur noch ganz wenige Baugrundstücke anzubieten, entgegnete Christina Schug von der Bauverwaltung. Wolfram Haupt (B90/Die Grünen) sah durch die Bebauung, die immer näher an den Verkehrslandeplatz heranrücke, die Brandensteinsebene langfristig beeinträchtigt. Peter Kammerscheid (Pro Coburg) widersprach. Der Senat brachte das Baugebiet mit sechs zu drei Stimmen auf den Weg.

Nach dem Willen der Stadt soll zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof in Creidlitz ein zweites Gleis entstehen. Im vergangenen November hatte FDP-Stadtrat Hans-Heinrich Eidt gefordert, nicht nur nach Süden, sondern auch in Richtung Norden solle die Stadt sich für eine Zweigleisigkeit einsetzen. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft sieht die eingleisige Strecke zwischen dem Hauptbahnhof Coburg und Dörfles-Esbach bis zum Abzweig auf die ICE-Strecke "weitgehend ausgelastet". 56 Nahverkehrs- und mindestens acht Fernzüge an Werktagen sind dort unterwegs. Man solle die Option für ein zweites Gleis offen halten.

Genau entgegengesetzt die Antwort der Deutschen Bahn: "Aktuell besteht bei der Deutschen Bahn keine Planung", heißt es in dem Schreiben vom Januar. Sowohl die Entwicklungen beim Nah- als auch beim Fernverkehr erforderten kein zweites Gleis.

Katja Link vom Stadtplanungsamt erklärte bei der Sitzung des Bau- und Planungssenats am Mittwoch, die Stadt sehe ein zweites Gleis vom Coburger Bahnhof bis nach Dörfles-Esbach kritisch. Das hätte zur Folge, dass der Haltepunkt Nord beim Finanzamt ausgebaut werden müsste. Wesentlich aufwendiger wären die Bahnübergänge in der Rodacher Straße und im Kalenderweg. Sie dürften bei einer zweigleisigen Strecke nicht mehr mit Schranken versehen sein, sondern die Schienen mit Unterführungen oder Brücken queren. An den Kosten dafür müsste sich die Stadt nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz stets zu einem Drittel beteiligen. Ein zweites Gleis würde auch die geplante neue Verbindung (sie soll irgendwann einmal die beiden Bahnübergänge ersetzen) zwischen der Neustadter Straße zur Rodacher Straße tangieren. "Da bekommen wir Schwierigkeiten mit der Steilheit", so Katja Link.

Ringbuslinie abgelehnt

Die Fraktion Pro Coburg hat sich mit einem Antrag für eine Ringbuslinie in Coburg eingesetzt. Diese sollte die beiden P&R-Parkplätze auf der Lauterer Höhe und in der Sonneberger Straße anfahren. Pro Coburg verspricht sich von einer Ringbuslinie weniger Verkehr in der Innenstadt. In der Sitzung des Planungs- und Bausenats am Mittwoch konnte Peter Kammerscheid als Vertreter von Pro Coburg keine weitere Zustimmung für den Vorschlag ergattern. Angesichts der vielen nicht beantworteten Fragen eine detaillierte Untersuchung vonnöten. ÖPNV-Beauftragte Marita Nehring legte detailliert vor, das eine solche neue Buslinie in Coburg wenig Akzeptanz hätte. Während in Großstädten Ringlinien mit entsprechendem Zeitgewinn bei der Fahrt in die Innenstadt und wenigen Parkplätzen angenommen würden, gebe es in kleineren Stadt keinen Bedarf. Für einen 30-minütigen Takt würden zu viele Busse und Fahrer gebunden. Stattdessen befürwortete sie eine Taktverdichtung auf vorhandenen Linien, wo viele Fahrgäste gezählt würden. Ringbuslinien seien darüber hinaus selten in der bundesdeutschen Verkehrslandschaft. Dass sich eine Ringbuslinie in Coburg nicht rechne, "ist seit 20 Jahren bekannt", zeigte sich SPD-Stadträtin Petra Schneider erstaunt über den Antrag. Martina Benzel-Weyh ergänze, das sei nicht klimagerecht. OB Dominik Sauerteig erinnerte daran, "dass Coburg mit seinen 41 000 Einwohnern einen guten Öffentlichen Personennahverkehr hat." Verbesserungen seien immer möglich, jedoch nicht mit einer Ringlinie.