Strullendorf

Neue Freiräume für Strullendorf?

Raumbedarf bei der Mittagsbetreuung in Amlingstadt, Raumgewinn beim Endlos-Thema Wasserschutzgebiet und finanzieller Spielraum für die Musikschule: In der jüngsten Sitzung drehte sich viel um raumgreifende Wirtschaftlichkeit.
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Vor dem Start ins kommunale Business im Rathaus gab es zunächst Raum für Traurigkeit. Der Strullendorfer Gemeinderat gedachte in einer Schweigeminute Carmen Grassers: Die SPD-Gemeinderätin und Ortssprecherin von Amlingstadt war im Oktober plötzlich gestorben und hinterlässt im Gremium eine spürbare Lücke.

Aus einem Raum hinausgewachsen ist die Mittagsbetreuung Amlingstadt. Im benachbarten Aufenthaltszimmer des Musikvereins werden im Augenblick um die 27 Kinder nach Schulschluss in Empfang genommen und sind laut Christina Tilmann in dieser Anzahl längst nicht mehr adäquat untergebracht. Zu große Möbel für zu kleine Menschen, kein Platz für Spiele und Bastel-Aktivitäten und zeitweilig geparkte Musikinstrumente im Weg: Weil "Kinder nicht nur verwahrt, sondern mit einem ordentlichen Angebot betreut werden sollen", bittet die Leiterin der offenen Ganztagesschule um kindgerecht gestaltete Ausweichräume zur besseren Entfaltung.

Interne Lösungen seien rar: Alle Schulräume werden erst von der Schule selbst und anschließend von der Musikschule genutzt. Der Gemeinderat schlug bis zur Findung einer endgültigen Alternative die Nutzung eines Containers vor: Geografisch sinnvoll positioniert, könnten auch die Nasszellen des Schulhauses einbezogen werden. Einen Container als finale Location empfindet Robert Essel (Neue Liste) allerdings als Flickschusterei: Sinnvoller wäre eher die Klärung "wo die Entwicklung der Schule hingehe und ob man auf Dauer vielleicht doch einen Anbau braucht." Georg Dresel (CSU) wiederum plädierte für weitere Kooperation mit dem Musikverein anstatt teurer Alternativen. Weil es noch zu viele offene Fragen rund um vorhandene und potenzielle Quadratmeter geht, sollen noch weitere Hintergrundinfos recherchiert werden. Der Gemeinderat beauftragte außerdem die Gemeindeverwaltung, Angebote für den Kauf oder die Miete eines Containers für 35 Kinder einzuholen.

Kompromiss in Sachen Wasser

Bis wohin muss Trinkwasser geschützt und in welcher Zone darf wirtschaftlich weiter geplant werden? Mit einem außergerichtlichen Vergleich erhält jetzt ein anderes raumgreifendes und zeitfressendes Thema einen abschließenden Kompromiss. Die Diskussionen um ein großes Wasserschutzgebiet im Kernort Strullendorf startete schon Ende der 90er Jahre. Damals wollte sich die Stadt Bamberg die Wasserversorgung rund um die Tiefbrunnen der Hirschaider Büsche sichern - und zwar über eine schützende Zonierung, die unter anderem auch potenzielle Bauaktivitäten der Gemeinde ausbremst. Weil es sich zunächst nur um einen Schutzgebietsbescheid handelte, veranlasste die Gemeinde wissenschaftliche Gutachten, um die Notwendigkeit zu hinterfragen. Nachdem daraufhin zehn Jahre lang Expertisen mit unterschiedlichen Ergebnissen hin und her geschickt werden, erhob die Stadt Bamberg 2011 eine Schutzgebietsverordnung, die wiederum die Voraussetzung für härtere Gegenmaßnahmen bot: Gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Erbengemeinschaft des Firmengeländes der Firma Big klagte die Gemeinde gegen die Ausbremsung diverser Projekte.

Nach einer Zwischenruhe wurde das Verfahren 2014 wieder aufgerollt: 2017 sicherte sich die Gemeinde die Flächen um das ehemalige Big-Gelände - und das Gericht stieg aus: Weil sich die Institution nicht kompetent fühle, empfahl sie eine außergerichtliche Einigung, die jetzt endlich den Schlusspunkt setzen und gleichzeitig Perspektive schaffen sollte. Der Kompromiss 2018 besagt nun, dass fünf von 27 Tiefbrunnen aufgegeben werden und damit neue Grenzverläufe für bebaute und unbebaute Gebiete entstehen. Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) hat in Strullendorf damit die Planungshoheit zurück: Rund um das Big-Gebiet sei jetzt eine gesamte Mischgebietsplanung möglich und damit gelinge "so etwas wie eine Quartier-Entwicklung."

Neue Brücken-Lösung

Machbar sei nun auch der Ersatz für den dank ICE-Projekt demnächst stillzulegenden Stockweg-Bahnübergang: Auch wenn Strullendorf lieber die günstigere Variante einer Unterführung unter der Bahnlinie gehabt hätte, fügte sich der Gemeinderat dem Kompromiss mit einer neuen Brücken-Lösung, die laut Bürgermeister "durchaus Charme hat, weil sowohl die Bahn, als auch die Regierung Oberfranken ein Drittel der Kosten tragen werden."

Finanzieller Spielraum für den Sozialfaktor Musik? Nach Abgleich von Einnahmen und Ausgaben zahlt die Gemeinde Strullendorf einen jährlich variierenden, aber konstant hohen Deckungsbetrag, um die Institution Musikschule zu erhalten. Musikschulleiter Michael Saffer muss den Gemeinderat regelmäßig aufsuchen, um Zahlen offen zu legen - und berichtete auch in diesem Jahr von Maßnahmen, Projekten und Ideen, um die Unkosten der Kommune trotzdem möglichst niedrig zu halten.

Fazit aller Rechnungen der letzten Jahre: Der höchste und damit entscheidende Posten bleibt der Kostenfaktor Lehrkräfte. Die ausgebildeten Musikschullehrer werden nach Tarif bezahlt - der wiederum stetige Erhöhungen impliziert. Linderung versprechen die letztes Jahr beschlossenen Gebührenerhöhungen: Schon in den Statistiken für September 2017 sichtbar, wird sich diese Maßnahme Ende 2018 wesentlich niederschlagen. Trotzdem hätten die höheren Preise auch Schüler gekostet: "Je teurer wir sind, desto unattraktiver werden wir für die Bürger".

Für 2019 plant man außerdem einen Antrag auf Erhöhung der Kreiszuschüsse, einen Gebührenzuschlag für berufstätige Erwachsene, eine noch bessere Aufstellung des Fördervereins und eine Ausweitung des Sponsoren-Themas.

Neu im Programm ist übrigens der Musikgarten für die Allerkleinsten: Die Kooperation mit dem Kindergarten und Elementarpädagogen offeriert Unterrichtsangebote für Kinder ab sechs und ab 36 Monaten und ab drei bis vier Jahren - und ist als Früherziehung vor der Früherziehung laut Musikschulleiter aus dem Stand ein Erfolg. Obwohl die sozialpolitische Verantwortung und das Alleinstellungsmerkmal der Musikschule nach wie vor respektiert werden, fürchtet sich der Gemeinderat auch bei diesem Rechenschaftsbericht wieder davor, "dass die Kosten davongaloppieren."

Dass eine "Musikschule kein Unternehmen" ist: Damit liefert Michael Saffer ein entscheidendes Argument, das auch Gemeinderat Georg Dresel (CSU) unterschreiben konnte: "Die Diskussion führen wir immer wieder. Prävention durch Musik ist so wichtig, dass wir uns das leisten müssen!" Über kreative Vorschläge des Gremiums zur besseren Finanzierung der sozial unentbehrlichen Einrichtung wird weiter diskutiert.

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