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Weitramsdorf

Neu gemischte Karten – und ein Wahlkampf mit Hindernissen

Wahlkampf in der Lokalpolitik: Hausbesuche, persönliche Gespräche, Wahlveranstaltungen – normalerweise. In Zeiten von Corona wird der direkte Kontakt zu Menschen zum Problem. Die Kandidaten müssen sic...
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Wahlkampf in der Lokalpolitik: Hausbesuche, persönliche Gespräche, Wahlveranstaltungen – normalerweise. In Zeiten von Corona wird der direkte Kontakt zu Menschen zum Problem. Die Kandidaten müssen sich also umstellen. So auch Andreas Carl von der Dorfgemeinschaft Neundorf (DGN) und Max Kräußlich von den Freien Wählern (FW).

Beide treten zur Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Weitramsdorf an – bis zum 29. März haben sie also Zeit, die Wähler für sich zu gewinnen. "Das ist natürlich schwierig in der jetzigen Phase. Im Grunde kannst du es nur falsch machen. Veranstaltungen sind jedenfalls nicht mehr geplant – das wäre sorglos", erklärt Carl. Wie ein alternativer Wahlkampf aussehen könnte, lässt er noch offen: "Wir haben schon was in petto. Das ist allerdings noch nicht spruchreif." Für die Bürger gebe es aktuell auch wichtigere Themen, betont er. Dennoch sollten sie die Wahlen nicht vernachlässigen – schließlich gehe es um die kommenden sechs Jahre der Gemeinde.

Karten werden neu gemischt

Sein Mitbewerber schließt sich dem an, hat jedoch in Sachen angedachter Wahlkampfführung schon eine konkrete Idee: "Es gibt aktuell nur wenige Optionen. Ich denke, ich werde das Telefon in die Hand nehmen, die Haushalte anschreiben und das Wahlprogramm verschicken." Auch die eine oder andere Aktion über Facebook ist für Kräußlich vorstellbar. Unabhängig davon, wie die Kandidaten den einzelnen Wähler erreichen, dürfte die Wahl spannend werden. Carl betont, trotz seines Vorsprungs (zehn Prozent-Punkte), dass der Ausgang völlig offen sei. Entsprechend gibt er sich bescheiden: " In erster Linie freut mich das Ergebnis meiner Liste – wir haben es geschafft, von der kleinsten Fraktion im Gemeinderat zur größten zu werden." Die Wahl zum Bürgermeister wäre für Carl natürlich schon das "Zuckerl obendrauf". Er geht davon aus, dass die Wahlbeteiligung steigen wird, da es zu einer automatischen Briefwahl kommen wird, und nur noch ein Kreuz zu setzen ist.

Auch Max Kräußlich ist sich sicher, dass mehr Stimmen eingehen werden. Der Ausgang ist für ihn ebenfalls komplett offen: "Ich denke, wir fangen wieder von Null an. Mal schauen, was die Wähler von CSU und SPD machen." Für die kommenden Tage habe er Gespräche mit den Ortsvorsitzenden der beiden Parteien geplant. Er wolle sachliche und thematische Übereinstimmungen ausloten – eine Wahlempfehlung sei ebenfalls denkbar: "Eventuell gibt es ja die Möglichkeit dazu, den Weg gemeinsam zu gehen."

Wahlsonntag: Ablauf noch unklar

Wie die Verkündung des Ergebnisses am Wahlsonntag über die Bühne geht, ist aktuell noch nicht bekannt. "Wir warten noch auf eine Weisung aus dem bayerischen Innenministerium. Ich möchte jedenfalls nicht, dass 50 Mann im Rathaus in einem Raum sind," sagt Wahlleiter Heiko Geuß. Bleibt es ausschließlich bei einer Briefwahl, wird der Gemeindegeschäftsleiter wohl fünf Teams zur Auszählung bilden - zwei arbeiten dann im Rathaus, drei weitere im Feuerwehrhaus. Zur Vorbereitung der Briefwahl war die Weitramsdorfer Verwaltung in den vergangenen Tagen mit Mann und Maus im Einsatz, um zu gewährleisten, dass alle Wahlberechtigten schnell und zuverlässig ihre Wahlunterlagen bekommen. "Ganz schön sportlich", sagt Wahlleiter Geuß, sei der Zeitplan mit nur 14 Tagen Vorbereitung einer in ihrem Aufwand noch nie dagewesenen Wahl. Immerhin: "Die Abwicklung der Briefwahlunterlagen mit der Post hat bisher immer gut geklappt", berichtet Geuß.

Er kann sich für den Wahlsonntag vorstellen, dass beide Kandidaten mit ihren Familien ins Rathaus kommen – dort gibt es eine kurze Gratulation von ihm und einen Blumenstrauß für den neuen Bürgermeister. "Vielleicht entspannt sich die Lage aber ein bisschen, und es dürfen ein paar mehr Leute anwesend sein. Das wird sich in den kommenden Tagen zeigen", teilt er mit. Max Kräußlich hält indes auch eine Videokonferenz für möglich.